Schwere Vorwrürfe gegen Vermarkter von Fernseh-Figuren
Sunbust kämpft mit einer Radikalkur ums Überleben

Der Neue Markt hat ein neues Skandalpapier: Aus Gewinnen wurden über Nacht Verluste. Der Kurs der Sunburst-Aktie brach um die Hälfte ein. Unverschuldet mit in den Strudel gezogen wurde Konkurrent United Labels.

stw/agr HANNOVER/DÜSSELDORF. Die Kursverluste der Sunburst Merchandising AG, Osnabrück, gaben in den vergangenen Tagen Rätsel auf. Gestern lieferte der Vorstand eine denkbare Erklärung: Das Unternehmen habe 2000 nicht, wie noch im Februar behauptet, 5 Mill. Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdient, sondern 9,8 Mill. Euro verloren. Die Aktie büßte gestern die Hälfte ihres Werts ein und notierte bei weniger als 3 Euro. Sunburst kauft Vermarktungsrechte für Filmfiguren und Ereignisse und entwickelt daraus Merchandising-Produkte wie Tassen, T-Shirts und Puppen.

Angesichts der Kursbewegung vor der Ad-hoc-Mitteilung werde der Verdacht auf Insiderhandel untersucht, sagte der neue Vorstandsvorsitzende Benjamin Gawlik gestern in einer Telefonkonferenz. Nach eigener Darstellung gehört Gawlik zu den größten Verlierern des Absturzes. Er hatte im Februar noch ein größeres Paket vom Unternehmensgründer Gero Alting übernommen - weit über dem jetzigen Kurs, wie er gestern sagte.

Gawlik und der neue Finanzvorstand Ralf Schwung erklärten das Desaster mit Versäumnissen von Alting und dem inzwischen entlassenen Finanzvorstand Oliver Butke. "Was da passiert ist, ist eine Riesensauerei", sagte Gawlik. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass sich hinter dem Zahlenwerk ein derartiges Desaster versteckt." Gawlik gehört dem Vorstand allerdings seit 1999 an und war dort für Investor Relations ebenso zuständig wie für die Erschließung neuer Geschäftsfelder, die das Unternehmen offenbar überforderte.

Seit dem Börsengang Ende 1999 wurde mehr als ein Dutzend Firmen gekauft, die für sich genommen nach Schwungs Aussage in der Regel profitabel arbeiten. Das Problem liege in der Osnabrücker Zentrale vor allem im Controlling. Wertberichtigungen an Lagerbeständen und ausstehenden Forderungen seien lange überfällig, die Verwaltung sei zu groß, im Vorgriff auf noch nicht erschlossene Geschäftsfelder sei zuviel Personal eingestellt worden. Das Geschäft mit Kinoshops sei nicht ins Laufen gekommen, was allerdings schon vor Monaten absehbar gewesen sei.

Sunburst will jetzt radikal abspecken


Jetzt verspricht das Unternehmen die Radikalkur: Die Zentrale in Osnabrück mit knapp sechzig Mitarbeitern wird geschlossen, Sunburst wird zur Holding mit Sitz in München und lässt die Töchter selbstständig arbeiten, die Kinoshops gibt man auf. Auf Prognosen für 2001, die erst vor wenigen Wochen heraufgesetzt worden waren, wollten sich Gawlik und Schwung nicht einlassen. Die Liquidität sei in jedem Fall gesichert, sagte Schwung.

Deutlich von Sunburst abgrenzen will sich die Münsteraner United Labels AG. "Im Gegensatz zu Sunburst konzentrieren wir uns auf die Vermarktung von Comic-Figuren," betonte Vorstandschef Peter M. Boder. Von der Kurzlebigkeit der TV-Figuren sei United Labels daher nur wenig betroffen.

Die Ergebnisentwicklung scheint Boder Recht zu geben. United Labels hat 2000 den Umsatz auf 28,9 Mill. Euro mehr als verdoppelt und das Ergebnis vor Steuern um 129 % auf 2,9 Mill. Euro erhöht. Unter dem Strich steht zwar noch ein kleiner Verlust, er erklärt sich aus den Kosten des Börsengangs von 2,8 Mill. Euro. Nach einem freundlichen Start drehte die Aktie gestern ins Minus und notierte zeitweilig auf dem neuen Tief von 16,35 Euro. Der Emissionspreis lag bei 34 Euro. Börsianer sahen einen Sunburst-Effekt.

Boder indessen ist zuversichtlich, 2001 das Ergebnis vor Steuern um 87 % auf 5,5 Mill. Euro zu schrauben und einen Überschuss von mindestens 2,7 Mill. Euro zu erzielen. Der Umsatz soll um 61 % auf 46,5 Mill. Euro steigen. In zwei bis fünf Jahren peilt er bei einem Umsatz von über 100 Mill. Euro eine Ebit-Marge von 15 (11,2 )% an. Dazu will die Firma das Europageschäft ankurbeln und in den USA Fuß fassen. Gezählt werden 75 Lizenzen von Pokemon über Snoopy bis zur Sesamstraße.

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