Schwere Vorwürfe gegen die Besatzung
Neue Details über Zivilisten in amerikanischem Unglücks-U-Boot

Über die Zivilisten an Bord des amerikanischen Unglücks-U-Boots sind neue Details bekannt geworden. Die 16 Gäste des US-Kriegsschiffs hatten die Einladung von einem ehemaligen Admiral bekommen, der vor sechs Jahren die Beziehungen Japans zu den USA belastet hatte. Aus diesem Grund sei die Passagierliste bisher nicht veröffentlicht worden, berichteten US- Medien am Donnerstag.

dpa WASHINGTON/TOKIO. Als das U-Boot am Freitag vor Hawaii einen japanischen Kutter rammte, hielten sich alle Gäste gedrängt im Kommandoraum auf, zwei davon steuerten das folgenschwere Manöver an wichtigen Steuerknüppeln unter Bewachung der Besatzung. U-Boot-Kapitäne bemühten sich normalerweise, die Zahl der Zivilisten an Bord auf sechs bis zwölf zu begrenzen, sagten Marine-Experten.

Der japanische Außenminister Yohei Kono protestierte am Donnerstag bei seinem amerikanischen Amtskollegen Colin Powell dagegen, dass zum Zeitpunkt der Kollision an wichtigen Steuerpositionen der "Greeneville" Zivilisten gesessen hätten. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, es gebe keine Beweise, dass die Gäste die Manöver beeinträchtigt hätten.

Dem vom Dienst suspendierten U-Boot-Kapitän droht wegen des Unfalls jetzt ein Untersuchungsverfahren. Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde zeigte sich zudem verärgert darüber, dass weder Tonband- noch Videoaufzeichnungen von den kritischen Minuten an Bord des Atom-U-Boots existierten. Bei US-Kriegsschiffen gibt es keine "Black Box" wie in der zivilen Schiff- und Luftfahrt.

Der umstrittene Admiral Richard Macke wurde 1995 in den Ruhestand versetzt, nachdem er eine 12-jährige Japanerin, die von US-Soldaten vergewaltigt wurde, als Prostituierte bezeichnet hatte. Sein Kommentar hatte in Japan Zorn ausgelöst. Um ein Haar wäre der Admiral selbst im Unglücks-U-Boot mitgefahren, er sagte jedoch kurz zuvor aus Termingründen ab. Macke hatte für Geschäftsleute und deren Ehefrauen die Bootstour organisiert. Sie hatten Geld für eine Stiftung gespendet, die ein US-Kriegsschiff aus dem Zweiten Weltkrieg unterhält, auf dem die Japaner 1945 ihre Kapitulation unterzeichneten.

Unterdessen kündigte die US-Küstenwache an, ihre Suche nach den neun vermissten Japanern am Donnerstag einzustellen. Das Gebiet sei gründlich untersucht worden. Die Vermissten seien vermutlich tot und befänden sich im Wrack in rund 550 Metern Tiefe. 26 Personen hatten das Unglück auf dem japanischen Schulschiff überlebt. Sie kehrten inzwischen nach Japan zurück. Nur der Kapitän des Schiffs blieb vorläufig in Hawaii. Er hatte schwere Vorwürfe gegen die Besatzung des U-Boots erhoben; sie hätte nichts zur Rettung der Schiffbrüchigen unternommen.

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