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Schwerer Gang für Niebaum und Meier vor Aktionäre

Der eine kämpfte mit den Tränen, der andere wankte wie ein angeschlagener Boxer. Die Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund wurde für Gerd Niebaum und Michael Meier zum Tribunal.

dpa DORTMUND. Der eine kämpfte mit den Tränen, der andere wankte wie ein angeschlagener Boxer. Die Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund wurde für Gerd Niebaum und Michael Meier zum Tribunal.

Die heftige Kritik an der verschwenderischen Geschäftspolitik der vergangenen Jahre hinterließ beim scheidenden Präsidenten und dem Manager sichtbare Spuren. Viel Zeit, sich zu erholen, bleibt beiden nicht: Schon bei der Aktionärsversammlung steht ihnen ein weiterer Spießrutenlauf bevor. Meier hofft, dass der Gang vor die Anleger weniger schwer wird als der vor die Mitglieder: "Es wird sachlicher und weniger emotional zugehen."

Während sich alle Kameras auf den vermeintlichen Heilsbringer Reinhard Rauball richteten, verließen Niebaum und Meier am Ende der sechsstündigen Versammlung abgekämpft die Bühne der großen Westfalenhalle. Vor allem Meier wirkte dabei angegriffen. Mehr noch als Niebaum hatte er die Wut der Mitglieder zu spüren bekommen. Mehrfach war sein Rücktritt gefordert worden. Von solchen Überlegungen hält Präsident Rauball jedoch wenig: "Wenn wir zu viel Porzellan zerschlagen würden, wäre das kontraproduktiv. Wir werden nicht nur von den Medienvertretern, sondern auch von den Banken und Sponsoren in Augenschein genommen. Die wollen wissen, wie es weitergeht."

Die Hoffnung des Managers auf eine etwas geruhsamere Versammlung könnte sich als Wunschdenken erweisen. Denn ähnlich wie die Mitglieder sind auch die Aktionäre zutiefst verärgert. In diversen Anträgen wird gefordert, der Geschäftsführung die Entlastung zu verweigern. "Die Nichtentlastung hat zwar keine unmittelbaren rechtlichen Folgen, aber schon zu Rücktritten geführt", sagte Carsten Heise. Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fordert die komplette Entmachtung von Niebaum. Den Teilrückzug von Niebaum, der zwar als Vereinspräsident zurücktrat aber Geschäftsführer der Kgaa bleiben will, bezeichnete Heise als "faulen Kompromiss".

Im Mittelpunkt des Interesses wird Florian Homm stehen. Der neue Großaktionär des Unternehmens, der bisher mehr im Hintergrund agierte, soll nun erstmals die BVB-Bühne betreten. Das erhöht die Chance zu erfahren, was er im Schilde führt. Widersprüchliche Aussagen darüber, welchen Einfluss Homm auf den Verein ausüben will, haben in den letzten Tagen für Verwirrung und Diskussionen gesorgt. So soll er sich zum Verdruss der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Umwandlung der Kgaa in eine richtige Aktiengesellschaft stark gemacht haben. "Als Großaktionär reiche ich ihm die Hand. Aber zwischen Verein und der Kgaa wird es eine strikte Trennung geben", sagte Rauball.

Der Niebaum-Nachfolger hofft, dass bei der Borussia nach der Aktionärsversammlung endlich Ruhe einkehrt. Der zweite Akt der Abrechnung soll eine ähnliche positive Wirkung haben wie der erste. "Es war ein guter Tag, weil die Mitglieder mal aus sich rausgegangen sind. So gesehen war es einen Art Befreiungsschlag", urteilte Rauball über die Jahreshauptversammlung.

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