"Schwerer Schaden für Alterssicherung"
Fonds-Anbieter sehen Gefahren für Langfristanleger

Die Investmentbranche will "dafür kämpfen", dass Bundesregierung und Parlament auf die geplante Verschärfung der Fondsbesteuerung verzichten.

HB/dpa BERLIN. Die Fondssparer würden durch eine Scheingewinn-Belastung nicht realisierter Wertzuwächse im Vergleich zur reinen Aktienanlage benachteiligt, kritisierte Axel-Günter Benkner, Sprecher des Vorstands des BVI Bundesverband Investment und Asset Management, am Donnerstag vor Journalisten in Berlin.

Außerdem hätten deutsche Fonds bei der geplanten zusätzlichen Besteuerung der Anleger auf der Fondsebene keinerlei Chancen mehr im internationalen Wettbewerb. "Der ganze bürokratische Aufwand führt zu solch hohen Kosten, dass es unmöglich wird, unsere Fonds im Ausland anzubieten." Gespräche mit Beamten des Bundesfinanzministeriums hätten bisher nichts in der Sache erbracht, sagte Benkner.

Betroffen von der Neuregelung seien 15 Millionen Fondsanleger mit einem Anlagevolumen von 420 Millionen Euro nur in Publikumfonds. Darunter seien 5,7 Millionen Anleger vermögenswirksamer Leistungen. Die verschärfte Besteuerung würde gerade der gewollten Langfristanlage für die Alterssicherung schweren Schaden zufügen - "und das bei völlig unsicherem Steueraufkommen", betonte Benkner.

Laut Kabinettsbeschluss sollen die Anleger Gewinne auf Fondsebene anteilig mit dem persönlichen Einkommensteuersatz jährlich versteuern - auch wenn sie im Fonds verbleiben. Bei späterem Verkauf der Anteilsscheine sollen die Anleger die steuerpflichtigen Erlöse daraus mit den bereits versteuerten Buchgewinnen verrechnen können. Es könne aber sein, dass drei Jahre lang Gewinne vom Fondsmanager erzielt würden und der Anleger seine Anteile im vierten Jahr mit Verlust veräußern müsse. "Dann kann er den Verlust steuerlich nicht in Abzug bringen", kritisierte Benkner. "Seine Einkommensteuererklärungen der Vorjahre sind abgeschlossen, eine Verrechnung mit anderen Einkunftsarten (wie Arbeits- oder Mieteinkommen) sei nicht möglich."

Die von rot-grün verschärfte Besteuerung ist Teil des Steuerpakets, in dem auch die Gewinne aus der Veräußerung von vermieteten Immobilien und Aktien künftig generell und ohne Spekulationsfristen besteuert werden sollen. Allerdings soll hier ein endgültiger Steuersatz von 15 Prozent gelten, bei Aktien durch das so genannte Halbeinkünfteverfahren faktisch sogar nur 7,5 Prozent.

Bei Fonds ist ein gemischtes kompliziertes Verfahren vorgesehen: Bei der Gewinnbesteuerung des Anlegers im Fonds gilt der - zum Teil erheblich höhere - persönliche Steuersatz; beim Verkauf der Anteilsscheine werden die darin enthaltenen Aktienwerte mit 7,5 Prozent besteuert. Die gesamte Kursgewinnbesteuerung soll laut Regierung 2004 etwa 325 Millionen und in den Jahren danach jährlich 650 Millionen einbringen. "Wie viel davon auf die Fonds entfällt, konnte uns bisher kein Mensch sagen", monierte Benkner.

Zur Benachteiligung der Fondssparer gegenüber der Direktanlage nannte der BVI folgendes Beispiel: Kauft ein Direktanleger eine Aktie zu 100 Euro und veräußert sie anschließend zu 150 Euro, zahlt er 7,5 Prozent (eigentlich 15 Prozent auf die Hälfte des Gewinns) auf den Veräußerungserlös von 50 Euro und damit 3,75 Euro. Zum Vergleich: Ein Fonds kauft und verkauft eine Aktie zu den gleichen Beträgen. Der Veräußerungsgewinn von 50 Euro wird einbehalten. Beim Anleger fällt - bei einem angenommenen Einkommensteuersatz von 40 Prozent (nach dem Halbeinkünfteverfahren sind dies faktisch 20 Prozent) - eine Steuer in Höhe von 10 Euro an. Das ist fast drei Mal so viel.

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