Schwerer Stand für das Team Telekom
Sommers schwerer Gang in die Köln-Arena

Mit rheinischem Frohsinn ist nichts - in der riesigen Köln-Arena, wo sonst Karnevalsgruppen, Eishockeyspieler und Popstars bejubelt werden, dürften am Dienstag Buhrufe schallen. Auf der wohl meistbeachteten Hauptversammlung dieser Saison wird der Spitze der Deutschen Telekom AG die geballte Wut Tausender Aktionäre entgegenschlagen, die ihr Investment den Bach hinuntergehen sehen.

vwd DüSSELDORF. Vertreter der Schutzvereinigungen, aber auch von Fonds sowie zahlreiche Kleinanleger werden die Strategie des Vorstands unter Ron Sommer in Frage stellen und ihm und den Aufsehern teils die Entlastung verweigern. Vorsichtshalber wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht.

Das Team Telekom hat einen schweren Stand: Riesenverlust, Kürzung der Dividende und ein offenbar bodenlos fallender Aktienkurs vor dem Hintergrund zahlreicher negativ aufgenommener Nachrichten. Die Zeitungen sind voller skeptischer Kommentare, die Zukunft der teuren Investitionen ist unklar, Rufe nach Rücktritt des einstigen Börsenlieblings Sommer machen wieder die Runde. In den vergangenen Tagen haben ihm selbst die eher zurückhaltenden Ratingagenturen das Vertrauen entzogen. Sommer dürfte dem einmal mehr mit dem Argument entgegnen, dass die Telekom in einem allgemeinen Branchentief stecke, aber trotzdem ein deutliches Wachstum aufweise.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) werden freilich dazu aufrufen, dem Management und auch dem Aufsichtsrat teils oder komplett die Entlastung zu verweigern. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse braucht sich Sommer zwar keine Sorgen zu machen - allein der Bund hält noch 43 % der Anteile und hat ihm das Vertrauen ausgesprochen. Doch wie Nadelstiche dürften Äußerungen etwa der DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher schmerzen, die in Sommer einen "Traumtänzer" sieht, der mit UMTS und VoiceStream auf unsichere und überteuerte Engagements baue.

Auch Finanz-Staatssekretär Heribert Zitzelsberger kriegt sein Fett ab. Den Vertreter der Bundesregierung im Aufsichtsrat will die DSW ebenfalls nicht entlastet sehen. Denn der Staat sei mit dafür verantwortlich, dass den Anlegern die T-Aktie als ein solides Papier vorgestellt worden sei, sie aber tatsächlich eine Volatilität aufweise, die eher dem Niveau des Neuen Marktes entspreche, als eines DAX-Titels würdig zu sein. SdK-Redner Lars Labryga sieht Sommer in der "Attitüde des verschmähten Jünglings" - ständig rede er von "Liebesentzug" des Kapitalmarktes.

Besonders geärgert hat sich der Aktionärsschützer darüber, dass die Telekom vor einem Jahr der finnischen Sonera still und heimlich erlaubte, trotz einer Haltefrist 22 Mio T-Aktien zu verkaufen, die sie im Zuge der VoiceStream-Übernahmen erhalten hatte: "Da war bei mir der Antrag auf Nichtentlastung programmiert." Labryga sieht aber nicht nur Schatten, sondern auch Lichtblicke. Dazu zählt er die Perspektive, dass mittelfristig das operative Ergebnis zweistellig wachsen soll. Fondsvertreter, die bereits auf der Hauptversammlung des Vorjahres Kritik übten, werden dem Management erneut die Leviten lesen.

Rolf Drees von Union Investment, der sich bei der Vorstands-Entlastung der Stimme enthalten will, bemängelt, dass die T-Aktie kurz- und langfristig deutlich unter dem DAX-Durchschnitt liege. "Die Telekom finanziert die Dividende auf Pump und zehrt damit an der Substanz des Unternehmens", formuliert er einen weiteren Kritikpunkt. Sein Kollege Klaus Martini vom Deutsche-Bank-Ableger DWS stellt das Gesamtkonzept der vergangenen Jahre in Frage, das er für die Probleme des Konzerns in erster Linie verantwortlich macht. Hinzu kommen Wortmeldungen und Gegenanträge mehrerer Kleinaktionäre, die unter anderem die Erhöhung der Vorstandsbezüge aufs Korn nehmen.

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