Schwerer Start für Pischetsrieder
Flaue Konjunktur hat VW voll erwischt

Die weltweit flaue Automobilkonjunktur hat den Volkswagen-Konzern im ersten Quartal 2002 voll erwischt. Der Volkswagen-Konzern hat im ersten Quartal 2002 weltweit 6,8 Prozent weniger Autos verkauft als im gleichen Vorjahreszeitraum.

dpa/reuters HAMBURG. Wie der künftige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder auf der Hauptversammlung in Hamburg sagte, gingen die Auslieferungen der Markengruppe Volkswagen, zu der neben VW und Skoda auch Bentley und Bugatti gehören, sogar um neun Prozent auf 817.000 Fahrzeuge zurück. Bei der Audi-Gruppe, zu der auch Seat und Lamborghini gehören, blieb der Absatz dagegen mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent und 296.000 ausgelieferten Fahrzeugen stabil. Der Nutzfahrzeug-Absatz verringerte sich den Angaben zufolge im gleichen Zeitraum um 8,8 Prozent auf 67.000.

Allein auf den westeuropäischen Markt bezogen verlor VW im März sogar 13,6 Prozent, berichtet der europäische Automobilverband ACEA. Damit hätten die Wolfsburger fast doppelt so stark abgebaut, wie der Markt, der sich im März nur um 7,4 Prozent verringerte. "Die Auslieferungs-Zahlen sind alles andere als befriedigend", räumte Pischetsrieder ein.

Der neue VW-Chef sieht das Geschäftsjahr trotzdem optimistisch. VW sei als globales Unternehmen in den Märkten gut aufgestellt. "Deshalb sind wir davon überzeugt, dass wir für die nächsten Monate und die Zukunft gut vorbereitet sind", sagte Pischetsrieder in Hamburg. Es zahle sich außerdem aus, dass sich der Konzern den Rabattschlachten anderer Hersteller in den USA nicht angeschlossen habe. Der weitere Ausblick für das Gesamtjahr sei besser als die Marktprognose und das erste Qurtal erwarten lasse, sagte Pischetsrieder. Die auf der Bilanzpressekonferenz im März gemachte Prognose, wonach der Rekordgewinn von 2001 im laufenden Jahr mindestens eingestellt werden soll, wiederholte Pischetsrieder zunächst aber nicht.

Zuvor hatte der scheidende VW-Chef Ferdinand Piëch eine positive Bilanz seiner gut neunjährigen Amtszeit gezogen, wofür ihm Aufsichtsratschef Klaus Liesen dankte. Bei Piëchs Start 1993 sei es um den Konzern mit tiefroten Zahlen nicht gut bestellt gewesen. Dagegen habe es im Jahr 2001 Rekordergebnisse gegeben. "Sie haben sich um Volkswagen verdient gemacht", sagte Liesen unter minutenlangem Applaus der Aktionäre.

Der 20-köpfige neue VW-Aufsichts-Rat wählte Piëch am Abend einstimmig zu seinem Vorsitzenden. Piëch löst damit Klaus Liesen ab, der nach knapp 15 Jahren an der Aufsichtsrats-Spitze wieder einfaches Mitglied wurde. Piëchs Stellvertreter ist der IG Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel.

Bei den Aufsichtsratswahlen verlängerte die Hauptversammlung die Mandate von Preussag-Chef Michael Frenzel und des Präsidenten der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, Roland Oetker, bis 2007. Neben Piëch rückt auch der frühere britische Handelsminister Lord David Simon of Highbury neu in den Aufsichtsrat. Gegen die Wahl Oetkers hatte es Einwände von Kleinaktionären gegeben, da die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen ihn wegen Verdachts des Insiderhandels ermittelt.

Die Aktionäre verlängerten außerdem die 2001 erteilte Ermächtigung, bei Bedarf bis zu zehn Prozent eigene Aktien zu kaufen oder die derzeit im Konzern gehaltenen Aktien wieder zu veräußern. Diese Regelung spielte im Rahmen der viel diskutierten VW-Strategie zur Abwehr feindlicher Übernahmen eine Rolle. "Konkrete Pläne für das Ausnutzen dieser Ermächtigungen bestehen derzeit nicht", hieß es aus Vorstandsreihen.

Abschließend billigte die Hauptversammlung noch eine Dividendenzahlung von 1,30 Euro auf Stamm- und 1,36 Euro für Vorzugsaktien.

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