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Schwerer wirtschaftlicher Aufholprozess

Die höchste Arbeitslosigkeit, die größte Pro- Kopf-Verschuldung der neuen Länder, die geringste Selbstständigen- Quote - Sachsen-Anhalt gilt als wirtschaftliches Schlusslicht in Deutschland.

dpa MAGDEBURG. Dabei zeigt der Vergleich der Wirtschaftsdaten, dass der Abstand zu den anderen Ost-Bundesländern nicht übermäßig groß ist und die Probleme durchaus ähnlich sind. Bei einigen Kennziffern, wie etwa dem Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigem oder den ausländischen Direktinvestitionen, liegt das Land sogar vorn.

Es ist vor allem der seit 1995 andauernd letzte Platz in der Arbeitslosenstatistik, der dem Land das Rote-Laterne-Image eingebracht hat. Dieser Ruf wirkt auf potenzielle Investoren nicht eben beflügelnd und erschwert den wirtschaftlichen Aufholprozess zusätzlich. Hinzu kommt die anhaltende Abwanderung von jungen und gut ausgebildeten Fachkräften, die die Aussicht auf einen - oft auch besser bezahlten - Job in die alten Länder zieht.

Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) verweist immer wieder auf die ungleich schlechteren Startbedingungen Sachsen-Anhalts im Vergleich mit den anderen Ost-Ländern. Bis zur Wende waren in den damaligen Bezirken Magdeburg und Halle zahlreiche große DDR-Kombinate ansässig, deren Zusammenbruch Hunderttausende Arbeitsplätze kostete.

Ansätze von mittelständischen Strukturen wie etwa in Sachsen oder Thüringen gab es kaum, der Strukturwandel fiel besonders hart aus. Abgesehen vom so genannten Chemiedreieck im Süden Sachsen-Anhalts, wo Milliardeninvestitionen des französischen Mineralölkonzerns Elf Aquitaine oder des US-Chemie-Multis Dow Chemical einen wichtigen industriellen Kern schufen, gelang es nicht, namhafte Großinvestoren ins Land zu holen. Die wären wichtig, um weitere Zulieferer und Verarbeiter nachzuziehen und eine funktionierende Wertschöpfungskette aufzubauen. Die nach der Wende entstandenen kleinen und mittelständischen Firmen im Land sind meist zu kapitalschwach, um ohne enge Bindung an einen starken (West-)Partner auf dem Markt bestehen zu können.

So sind oftmals "verlängerte Werkbänke" entstanden, die sich auf die reine Produktion beschränken, während Forschung und Entwicklung, Marketing und Vertrieb von den alten Bundesländern aus betrieben werden. Ausdruck für diese Entwicklung ist auch die mit rund 18 Prozent für deutsche Verhältnisse sehr geringe Exportquote.

Dennoch ist der Strukturwandel in den vergangenen Jahren - nicht zuletzt durch milliardenschwere Förderprogramme - voran gekommen. Einen Aufwärtstrend gibt es neben der Chemie in der Ernährungsindustrie, bei Automobilzulieferern, bei Herstellern von Windenergieanlagen oder im Maschinenbau. Dennoch ist der Besatz mit Industrieunternehmen immer noch deutlich geringer als in vergleichbaren westdeutschen Flächenländern.

Fortschritte im Industriebereich - hier wurde im vergangenen Jahr mit einem Wachstum der Bruttowertschöpfung von real 5,3 Prozent der zweithöchste Anstieg unter allen Bundesländern registriert - werden von der Krise im Baubereich wieder aufgezehrt. Die einstige Konjunkturlokomotive baut die nach der Wende entstandenen Überkapazitäten ab - allein 2001 sank der Umsatz im Bauhauptgewerbe in Sachsen-Anhalt um 17,6 Prozent, rund 7000 Stellen wurden abgebaut.

Erstmals gab es ein negatives Wirtschaftswachstum: Das Bruttoinlandsprodukt sank im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent. Nur Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg waren noch schlechter. Licht am Ende des Tunnels sehen die Experten vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ab 2005. Bis dahin werde der Schrumpfungsprozess am Bau zum Stillstand kommen und das starke Wachstum im Industriebereich durchschlagen.

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