Schwergewicht Allianz verliert fast 10 Prozent
WorldCom-Debakel schickt Dax in die Tiefe

Die deutschen Standardwerte sind nach der Pleite des US-Telekomkonzerns WorldCom tief ins Minus gerutscht, konnten aber im späten Handel ihre Tagesverluste etwas verringern.

vwd/dpa FRANKFURT/M. Der Leitindex Dax sackte unter 3700 Punkte und schloss mit einem Minus von 5,15 Prozent auf 3691,43 Zähler. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um 2,25 Prozent auf 533,77 Punkte. Die mittelgroßen Werte im MDax verloren 3,11 Prozent auf 3482,36 Punkte.

Zum Start in die neue Woche haben die deutschen Aktien einen rabenschwarzen Tag erwischt. Zwar konnten die Notierungen kurz vor Schluss noch einen kleinen Teil der Verluste gut machen. Unter dem Strich verlor der Dax am Montag aber 5,2 Prozent bzw exakt 200 Punkte auf 3.691. Händler sprachen davon, dass schlicht und einfach keine Käufer mehr auszumachen seien. Auch institutionelle Anleger hätten wieder auf der Seite der Verkäufer gestanden.

Angefeuert wurden die Abschläge noch von den ebenfalls schwachen Vorgaben der New Yorker Wall Street. Vom finalen Ausverkauf wollte dennoch kaum ein Beteiligter sprechen. Eine Panik - Bedingung für den so genannten "Sell-out" - sei jedenfalls nicht zu beobachten gewesen. Zudem hätten hierfür die Umsätze gefehlt. Die Kurse der deutschen Standardwerte schwankten zum Teil extrem stark, worin sich Beobachtern zufolge erneut die große Unsicherheit der Anleger widerspiegelte. Die Volatilität sei so hoch wie seit den Anschlägen vom 11. September nicht mehr. "Die Kurs befanden sich teilweise im freien Fall", sagte ein Händler.

Lediglich Deutsche Post konnten zulegen. An schlechten Nachrichten herrschte kein Mangel, wie Marktteilnehmer unisono klagten. So hätten beispielsweise die Gewinnwarnungen von Aegon und Boss oder die Insolvenz von WorldCom - wenngleich Letztere erwartet wurde - schon früh am Tag die Stimmung belastet. Angesichts der nach Aussage eines Händlers "allgemeinen Auflösungserscheinungen" traten diese Nachrichten jedoch in den Hintergrund. Auch Branchentendenzen ließen sich kaum ausmachen.

Die größten Verluste verzeichnete die im MDax gelistete Aktie von Hugo Boss. Sie gab nach der zweiten Gewinnwarnung des Modeherstellers innerhalb von nur zwei Monaten 14,5 Prozent auf 14,03 Euro ab. Boss reduzierte die Gewinnerwartung für das laufende Geschäftsjahr beim Jahresüberschuss auf nur noch 70 Mill. nach zuvor erwarteten 95 Mill. Euro und nannte als Grund das schwierige Konsumumfeld und Probleme in den USA. In der Folge verloren auch die Papiere der ebenfalls im MDax gelisteten Modekonzerne Escada und Gerry Weber stark.

Die überraschende Gewinnwarnung von Aegon am Morgen belastete die deutschen Versicherer. "Die Probleme der Branche sind ähnlich", erklärte ein Händler. Allianz rutschten um 7,7 Prozent auf 151,20 Euro ab und Münchener Rück um 6,8 Prozent auf 185,50 Euro. Auch Bankenwerte gaben nach. Deutsche Bank litten darunter, dass die Bank Medienberichten zufolge größter Gläubiger der insolventen WorldCom sind. Das Finanzinstitut soll Kredite von rund 240 Mill. US-Dollar an den US-Telefonkonzern vergeben haben. An den Märkten wurde spekuliert, ob Deutschlands größtes Geldhaus nun die Risikovorsorge erhöhen müsse, was auf die Gewinne drücken würde. Die Aktie büßte 6,7 Prozent auf 58,90 Euro ein.

Die von der Commerzbank angekündigten Streichung von 900 zusätzlichen Stellen wertete ein Beobachter negativ. Dass die Arbeitsplätze in erster Linie im Vertrieb gestrichen würden, werfe einen dunklen Schatten auf die anvisierten Einsparungen von 50 Mill. Euro. Die Verluste hielten sich dennoch mit 3,4 Prozent auf 12,34 Euro im Rahmen.

Hohe Verluste gab es auch bei Automobilwerten. Die "Welt am Sonntag" berichtete unter Berufung auf Analysten, dass der Wolfsburger Automobilbauer das Ergebnisziel für 2002 wegen rückläufiger Verkäufe und hoher Belastungen durch Rabatte und Sonderkonditionen wohl nicht erreichen werde. VW verbilligten sich um 6,4 Prozent auf glatt 40 Euro, BMW um 6,9 Prozent auf glatt 36 Euro.

Epcos konnten sich dagegen von hohen Verlusten erholen und schlossen mit einem Minus von 2,7 Prozent auf 21,40 Euro. Zuvor hatte die Deutsche Bank die Aktie nach der Gewinnwarnung vom Freitag auf "Market Perform" von "Buy" herabgestuft und das Kursziel auf 27 von 55 Euro mehr als halbiert. Eine fundamentale Verbesserung sei auf kurze Frist unwahrscheinlich, lautete der Ausblick der Analysten. Vergleichsweise moderat nach unten ging es bei Deutsche Telekom, die lediglich 1,6 Prozent auf 11,66 Euro verloren. "Das "Ziel 50" genannte Programm zur Reduzierung der Schulden bis Ende 2003 auf 50 Mrd. von derzeit 65 Mrd. Euro wurde im Handel begrüßt.

Gegen den Strom schwamm die Aktie der Deutschen Post. Händler zeigten sich über die Stärke der Aktie - plus 1,1 Prozent auf 10,21 Euro - überrascht. "Offenbar sieht der Markt das Papier nicht unter zehn Euro", lautet die Begründung eines Teilnehmers.

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