Schwergewichte Comroad und D.Logistics gut 40 Prozent im Minus
Neuer Markt stürzt unter 1 000 Punkte

Schwache US-Vorgaben aus der Vorwoche und jede Menge schlechte Unternehmensnachrichten haben am Montag für kräftige Kursabschläge am Wachstumssegment der Deutschen Börse gesorgt. Sowohl der Nemax als auch der Nemax 50 beendeten den Handelstag deutlich im dreistelligen Bereich.

ant FRANKFURT/M. Der Neue Markt steuert auf neue Tiefststände zu. Zum Wochenauftakt rutschten die Kursbarometer bereits kurz nach Handelsbeginn unter die psychologisch wichtige 1 000-Punkte-Marke und markierten den tiefsten Stand seit Jahresbeginn. Damit haben sich die Prognosen vieler Aktienstrategen bewahrheitet, die wie zum Beispiel Thomas Effler von der Commerzbank, vor dem hohen Rückschlagspotenzial der vornehmlich liquiditätsgetriebenen Erholung gewarnt hatten. Aktienhändler machten am Montag die schwachen Vorgaben von der New Yorker Technologiebörse Nasdaq sowie eine ganze Reihe schlechter Unternehmensnachrichten, etwa der Index-Schwergewichte D.Logistics und Mobilcom, für den Kursverfall verantwortlich. Hinzu kämen die Ängste, die die nicht lupenreine Bilanzierungspraxis einiger US-Unternehmen ausgelöst hätten. "Der Fall Enron kommt näher", sagte ein auf den Neuen Markt spezialisierter Frankfurter Händler mit Blick auf die am Wochenende bekannt gewordenen Mängel in den Bilanzen des Computerherstellers IBM und des Chipherstellers Nvidia.

"In einer so angespannten Lage suchen viele Anleger geradezu nach Gründen, um den Markt noch weiter nach unten zu treiben", sagte ein anderer Aktienhändler. Gestern wurden sie rasch fündig: Der Logistikdienstleister D.Logistics schockierte den Markt mit der Nachricht, dass er die bereits einmal reduzierten Zielmarken für das abgelaufene Jahr bei Weitem verfehlte. Der Kurs der im Auswahlindex Nemax 50 vertretenen Aktie rauschte daraufhin um beeindruckende 44 % nach unten.

Kaum besser erging es dem Telematik-Spezialisten Comroad. Das ohnehin wegen Zweifeln an der Existenz von Vertriebspartnern unter Beschuss geratene Unternehmen hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass sein britischer Partner Skynet Telematics Ltd. Gläubigerschutz beantragt habe. Die Comroad-Aktie, die sich bereits am Freitag um gut 16 % verbilligt hatte, brach um weitere 34 % auf 3,79 Euro ein.

Mobilcom gerieten angesichts des sich zuspitzenden Streits mit der Gesellschafterin France Telecom über den Ausbau des UMTS-Netzes in Deutschland unter Druck. Als in diesem Zusammenhang der von France Telecom gekommene Vianney Hennes seinen Posten als Mobilcom-Vorstand zurückgab, reagierte der Markt verschnupft. Der Mobilcom-Kurs rutschte um knapp 5 % auf 17,15 Euro. Anfang Januar war für das Papier zeitweise noch mehr als 26 Euro gezahlt worden.

Unter den im Nemax 50 vertretenen Schwergewichten fanden sich nahezu keine Kursgewinner. Das Kursbarometer ging um gut 3,1 % geschwächt mit 991 Zählern aus dem Handel. Das ist zwar der tiefste Stand des neuen Jahres, bis zu dem Rekordtief, das der Index am 21. September im Gefolge der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon erreichte, ist jedoch noch etwas Luft. Damals war der Nemax 50 auf 681 Punkte gefallen.

Der alle Titel umfassende Nemax gab um gut 2,1 % nach und notierte zum Schluss bei 984 Zählern. Bereits in der Vorwoche hatten die Wachstumswerte deutliche Abschläge hinnehmen müssen: Die im Nemax 50 enthaltenen Titel hatten durchschnittlich um gut 6 % nachgegeben, der Gesamtmarkt um etwa 4 %.

Nach Händlereinschätzung ist weiter mit einer Seitwärtsentwicklung zu rechnen. "Für eine nachhaltige Erholung sind einfach noch zu viele Glücksritter am Markt", sagte ein Marktteilnehmer mit Blick auf die kurze Liste der Kursgewinner, auf der sich gestern vornehmlich Billigstaktien tummelten. Die kurz vor der Insolvenz stehende Elsa AG profitierte von Übernahmegerüchten, die Händlern zufolge von Spekulanten bewusst gestreut sein könnten. Der Kurs kletterte um 36 % - auf gerade mal 1,50 Euro. Unter den größten Kursgewinnern auch die Penny Stocks M+S Elektronik, Letsbuyit, Emulti, Softmatic und Abacho.

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