Schwerpunkt des Gipfels: Reformen im internationalen Finanzsystem und Entschuldung der ärmsten Länder
G-7-Länder wollen Wirtschaftsaufschwung nutzen

Russland und Deutschland sollen ein Umschuldungsabkommen unterzeichnet haben. Putin und Clinton einigten sich auf ein weítere Zusammenarbeit bei der Rüstungskontrolle.

Reuters OKINAWA: Die sieben führenden Industriestaaten (G-7) wollen den weltweiten Wirtschaftsaufschwung für Reformen im internationalen Finanzsystem und für eine umfassende Entschuldung der ärmsten Entwicklungsländer nutzen. Die G-7-Staaten sehen die Weltwirtschaft auf dem Wege zu einem ausgewogenen und nachhaltigen Wachstum, wie sie am Freitag im japanischen Okinawa mitteilten. Zudem erklärten sich die Staaten bereit, die Entschuldung der ärmsten Länder voranzutreiben, den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu reformieren und die Finanzkriminalität zu bekämpfen. Russland und die USA einigten sich auf weitere Zusammenarbeit bei der Rüstungskontrolle.

Schröder sonnt sich im Lob seiner Kollegen

Nach dem informellen G-7-Gespräch nahm der russische Präsident Wladimir Putin an den Beratungen der G-7-Staaten und Russlands (G-8) teil. Der deutsche Regierungssprecher Uwe-Carsten Heye sagte nach dem G-7-Treffen, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe von seinem Kollegen viele Komplimente für seine Erfolge in der Finanz- und Wirtschaftspolitik in Deutschland erhalten. Trotz der durchweg guten Entwicklung in den meisten Ländern sind fortgesetzte Wachsamkeit und weitere Maßnahmen erforderlich, um ein weiteres dauerhaftes Wachstum sicher zu stellen, wie es in der G-7-Erklärung hieß. Sorge bereiteten die jüngsten Ölpreissteigerungen und mögliche Folgen für das Wachstum. Auch seien vielerorts Fortschritte bei der Sanierung von Unternehmen und Staatsfinanzen nötig.

Russland und Deutschland sollen Umschuldungsabkommen unterzeichnet haben

Einigkeit bestand nach Angaben Heyes in der Einschätzung, dass sich die Lage im hoch verschuldeten Russland deutlich gebessert habe. Über die Streckung der russischen Altschulden aus der Zeit der Sowjetunion von über 42 Milliarden Dollar sei allerdings noch nicht gesprochen worden. Schröder hatte zuvor bereits mehrfach erklärt, es bestehe bei den russischen Gläubigerländern die Bereitschaft zu einer umfangreichen langfristigen Umschuldung für Russland. Einen Schuldenverzicht brauche Russland nicht, denn schließlich sei das Land "kein Schwellen- oder Entwicklungsland, sondern eine Weltmacht", hatte Schröder gesagt. Russland und sein größter Gläubiger Deutschland wollen nach Informationen des "Handelsblatts" in der kommenden Woche ein bilaterales Umschuldungsabkommen unterzeichnen. Damit sollen russische Fälligkeiten für die Jahre 1998, 1999 und 2000 in Höhe von rund acht Milliarden Mark umgeschuldet und die Rückzahlung bis auf das Jahr 2016 gestreckt werden. Der Zinssatz soll deutlich unter den bisherigen sieben Prozent liegen.

Die Staats- und Regierungschefs bekräftigten ihre beim vergangenen Gipfel in Köln zugesagte Initiative, den ärmsten Ländern Schulden in Höhe von rund 100 Milliarden Dollar zu erlassen. Diese Initiative solle beschleunigt werden. Die G-7-Staaten sprachen sich zudem dafür aus, dass sich der Internationale Währungsfonds (IWF) künftig stärker auf die Krisenvermeidung statt des Krisenmanagements verlegen soll. Der Geldwäsche soll der Kampf angesagt werden. Nach Angaben von Frankreichs Präsident Jacques Chirac, würden Sanktionen der G-7-Länder gegen jene Staaten erwogen, die nicht gegen Geldwäsche vorgingen. Die Gipfelteilnehmer billigten damit die Vorschläge ihrer Finanzminister, solche Staaten vom internationalen Bankensystem und von IWF-Krediten abzuschneiden. Rund 1,2 Milliarden Mark aus organisierten kriminellen Geschäften durchlaufen nach Schätzungen jährlich die Banken.

Kooperation bei Raketenabwehrsystemen soll fortgesetzt werden

Putin und US-Präsident Bill Clinton teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, USA und Russland seien bereit, ihre Kooperation bei Systemen zur Abwehr von Raketen kürzerer Reichweite fortzusetzen und auszuweiten. Es werde erwogen, auch andere Länder an den Beratungen zu beteiligen. Zudem soll ein geplantes Frühwarnsystem von Raketenabschüssen errichtet werden. Ferner sagten Putin und Clinton zu, den Atomwaffensperrvertrag aufrechtzuerhalten und sich für das Inkrafttreten des Atomteststopp-Abkommens einzusetzen. Putin unterrichtete Clinton über den Verzicht Nordkoreas zum Raketenbau. Putin hatte in Nordkorea von Präsident Kim Jong Il das Angebot erhalten, auf den Bau eigener Raketen zu verzichten, wenn es von anderen Staaten mit Trägerraketen beliefert werde, die zur Erforschung des Weltalls genutzt werden könnten. Die G-8-Staaten würdigten den Raketenteststopp Nordkoreas, drängten das Land aber zu weiteren Fortschritten bei der Abrüstung und den Menschenrechten. Putin äußerte sich zufrieden über den ersten Gipfel-Tag. Die Gespräche seien sehr interessant, da sie die Interessen Russland beträfen und zudem sehr erfahrene und kompetente Politiker beteiligt seien, sagte Putin.

Der G-8-Gipfel dauert noch bis Sonntag. Die G-7-Staaten sind USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan.

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