Schwerpunkt liegt auf mobiler Datenübertragung
Analyse: Quam wird es schwer haben

Nach 16 Milliarden DM Investitionskosten in eine deutsche UMTS-Lizenz wollen die spanische Telefonica und die finnische Sonera jetzt vom deutschen Mobilfunkkuchen ein Stück abhaben. Doch ihre Marke Quam wird es schwer haben, am umkämpften deutschen Markt Fuß zu fassen.

DÜSSELDORF. Weihnachtszeit ist Einkaufszeit. Doch während sich die Menschenmassen durch die Düsseldorfer Innenstadt drängeln, herrscht im Quam-Shop der Landeshauptstadt gähnende Leere. Nur vereinzelte Blicke schweifen auf die Werbung ab, während die meisten Menschen durch das Geschäft in die erste Etage zum Bertelsmann-Club gehen. Nur wenige bleiben stehen, surfen kurz im Internet, doch kaum einer zeigt Interesse am Angebot des Nachzüglers auf dem Mobilfunkmarkt.

Die ersten 15 Quam-Shops wurden Mitte November in deutschen Ballungsräumen eröffnet. Für den bundesweiten Vertrieb sorgen zusätzlich die Läden von rund 800 Vertriebspartner. Als prominentester Partner konnte Debitel gewonnen werden.

Dennoch ist sicher: Quam wird es schwer haben, sich zu etablieren. Der deutsche Mobilfunkmarkt war bereits mit den vier Anbietern D1, D2, E-Plus und Viag Interkom hart umkämpft und ist zudem weitgehend gesättigt. Etwa 70 Prozent der Deutschen besitzen bereits ein Handy. Da stellt sich die Frage, ob es Quam bedarf, um deutsche Mobilfunkträume zu verwirklichen.

Quam setzt auf mobile Datenübertragung

Um sich von der Konkurrenz abzuheben, setzt der Mobilfunkanbieter speziell auf die mobile Datenübertragung, sagt Quam-Sprecher Steffen Pospischil. Mit einem "Twinset" aus dem Nokia 6210 und dem HP Jornada 525 Pocket PC will das Unternehmen an das Weihnachtsgeld der gehobeneren Kundenklasse kommen. In der Tat fällt das Angebot mit 149 Euro in die Kategorie "Kampfpreis". Allerdings: Der Kunde ist bei dem zum "Twinset" gehörende Tarif "Quam Star Extra" 24 Monate an diesen Tarif gebunden.

Ein eigenes Netz hat das spanisch-finnische Konsortium Group 3G, das hinter Quam steckt, sich bislang erspart. Quam-Kunden telefonieren in Deutschland über das Netz von E-Plus. Auch tariflich folgt man dem Konkurrenten aus Düsseldorf. Die Vieltelefonierertarife von Quam ähneln den "Professional-Tarifen" von E-Plus.

Einheitspreis in alle Netze

Das Besondere an Quam ist der Einheitspreis aller Tarife für Gespräche und SMS in alle Mobilfunknetze. Mittelfristig ist die Strategie "ein Preis für alle Netze" durchaus sinnvoll. Denn mit der Einführung der Rufnummernmitnahme im Herbst 2002 kann der Kunde nicht mehr sicher wissen, in welches Mobilfunknetz er telefoniert. Spätestens dann dürften auch die etablierten Anbieter nicht um einen Einheitspreis herum kommen. Momentan aber gilt: Wer aber hauptsächlich netzintern telefoniert, fährt bei den anderen Anbietern meist billiger.

Insgesamt bewegen sich die Gesprächspreise im Rahmen der Konkurrenten. Das ist insofern nicht überraschend, als dass der Münchener Mobilfunker schon vorzeitig angekündigt hatte, keinen Preiskampf zu starten. Lediglich der Prepaid-Bereich schlägt die Angebote der Konkurrenz zum Teil deutlich. Man hoffe auf den Einstieg möglichst vieler junger Kunden im Rahmen des Weihnachtsgeschäfts. "Ein Prepaid-Paket nimmt man als Kunde schneller mit", erklärt Pospischil die Strategie. Bei den Geschäftskunden sei es deutlich schwieriger, Neukunden zu gewinnen.

Quam wolle aber auch die gesamte Breite des Marktes ansprechen, erläutert Quam-Sprecher Pospischil. Vor allem durch innovative Produkte und Service wolle man überzeugen. Doch in diesem Bereich gibt es kaum etwas, was man nicht auch bei anderen Netzbetreibern oder Providern bekäme. Standard-Dienste wie SMS und WAP gibt es natürlich auch bei Quam, allerdings zum Teil zu höheren Kosten.

HSCSD ohne zusätzliche Grundgebühr

Dank des GSM-Netzes von E-Plus kann der Quam-Kunde aber beide Systeme für schnelle Datenübertragung im Mobilfunknetz, HSCSD und GPRS, nutzen. Außerdem stehen die "herkömmliche" Datenübertragung mit 14,4 kbit/s zur Verfügung. Das alles können jedoch auch D2- und E-Plus-Kunden haben. Lediglich T-D1 und Viag Interkom beschränken sich auf GPRS. Dennoch gibt es hier einen Pluspunkt für Quam: Im Gegensatz zu D2 und E-Plus erhebt der Newcomer für HSCSD keine zusätzliche Grundgebühr. Das ist vor allem für diejenigen Kunden interessant, die den Datendienst nur selten nutzen.

Quam gibt als Ziel aus, innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent zu erobern. Um dies zu erreichen, wird das Unternehmen spätestens im übernächsten Jahr mit Angeboten für den neuen Mobilfunkstandard UMTS starten. Die Group 3G hatte sich im August 2000 neben D1, D2 Vodafone, E-Plus, Viag Interkom und Mobilcom für mehr als 16 Milliarden Mark eine UMTS-Lizenz ersteigert. Die Group 3G will im Jahr 2001 zusätzlich einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in eine Werbekampagne investieren, um die Marke zu etablieren. Inwieweit das gelingt ist völlig offen. Auf die Frage nach der Anzahl bisheriger Vertragsabschlüssen wollte Unternehmenssprecher Pospischil keine Auskunft geben.



Schreiben Sie dem Autor: j.katemann@vhb.de

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