Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen
Warnstreiks im Einzelhandel

Im Tarifstreit des Einzelhandels sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi am Mittwoch bundesweit rund 5 000 Beschäftigte aus Protest gegen das Arbeitgeber-Angebot in Warnstreiks getreten. Im Mittelpunkt standen dabei die Karstadt-Warenhäuser.

Reuters DÜSSELDORF. "Bundesweit haben sich an den Streiks rund 5 000 Beschäftigte beteiligt", sagte Verdi-Handelfachgruppenleiter Ulrich Dalibor am Mittwoch in Düsseldorf. In 41 der bundesweit 188 Filialen des KarstadtQuelle-Konzerns fänden vorübergehende Arbeitsniederlegungen und ganztägige Streiks statt. Die Aktionen würden in den kommenden Tagen fortgesetzt, kündigte Dalibor an. "Es wird verschiedene Thementage geben." Verdi-Chef Frank Bsirske bekräftigte in Hannover die Streikbereitschaft seiner Gewerkschaft im Einzelhandel und nannte die jüngsten Tarifabschlüsse in der Metall- und der Chemieindustrie als Messlatte für den Einzelhandel.

HDE: Verdi-Streikdrohungen sind keine Hilfe

Der Tarifexperte des Handelsverbandes HDE, Bert Jöris, erklärte indes, die Streikdrohungen der Gewerkschaft seien keine Hilfe. Die Arbeitgeber seien mit ihrem Angebot an die Grenze des wirtschaftlich vertretbaren gegangen. Jeder zehntel Prozentpunkt mehr Tariferhöhung würde daher Tausende von Arbeitsplätzen kosten, sagte Jöris.

Die Arbeitgeberverbände HDE und BAG hatten bei den bisherigen Verhandlungen ein Angebot mit einer zweijährigen Laufzeit vorgelegt, das im ersten Jahr eine Erhöhung der Entgelte von 1,7 % und im zweiten Jahr eine Anhebung in Höhe der erwarteten Teuerungsrate vorsah. Verdi fordert eine Vorweganhebung bei den Tarifentgelten um 50 Euro plus 3,7 % mehr Einkommen.

"Die Arbeitgeber im Einzelhandel haben bislang nichts angeboten. Wenn sich das nicht ändert, werden wir eine Perspektive wie bei den Metallern in Baden-Württemberg haben, nämlich Urabstimmung und Streik", sagte Bsirske anlässlich von Protestaktionen bei der Kaufhauskette Karstadt in Hannover. Die Ausgangsforderung für den Einzelhandel sei unverändert 6,5 % mehr Lohn und Gehalt, sagte Bsirske. Ein Kompromiss müsse sich an anderen Branchenabschlüssen orientieren. "Die Abschlüsse in der Metall- und der Chemieindustrie haben für uns wichtige Wegmarken gesetzt", sagte Bsirske.

Verdi-Chef kritisiert Sparpläne bei Karstadt-Quelle

Bsirske warf dem Vorstand des Karstadt-Konzerns eine "Umverteilung von unten nach oben" vor. "Karstadt legt heute das beste Betriebsergebnis seit 20 Jahren vor, will die Dividende erhöhen und streicht die Sozialleistungen für die Mitarbeiter. Das passt nicht zusammen", sagte Bsirske.

Der Essener Warenhaus- und Versandhandelskonzern hatte Mitte April angekündigt, die freiwilligen Zulagen für die Mitarbeiter halbieren zu wollen. Dies würde zu Einkommensverlusten von durchschnittlich 1000 Euro pro Vollzeitbeschäftigtem führen, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Gertrud Tippel-Kluth in Düsseldorf. Der Gewerkschaft zufolge will der Essener Konzern allein bei den übertariflichen Leistungen 60 Mill. Euro sparen und die Personalkosten weiter zurückfahren. Karstadt sei für die Proteste ausgewählt worden, weil der Konzern seit Jahren den Personalabbau drastisch beschleunigt habe, während die Belastungen für die Beschäftigten kontinuierlich gestiegen seien. Im vergangenen Jahr baute KarstadtQuelle 4700 Arbeitsplätze ab.

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