Schwerpunkt Strafstoß
Schiedsrichter wollen Fehlerquote senken

Die Bundesliga-Schiedsrichter stehen mal wieder am Pranger - und wollen sich mit ihrer Situation auseinander setzen. Am Dienstag treffen sich die 66 Schiedsrichter und Schiedsrichter-Assistenten der beiden Fußball-Profiligen mit dem DFB - Schiedsrichterausschuss und dem Lehrstab in Frankfurt/Main.

HB/dpa HANNOVER. Gesprächsstoff gibt es für die Referees reichlich. Denn vor allem die Attacke von Oliver Kahn gegen den Leverkusener Thomas Brdaric und die Vorkommnisse beim Spiel Hannover 96 - Borussia Dortmund am vergangenen Samstag haben eine kritische Diskussion über die Leistungen der Unparteiischen ausgelöst.

"Wir bemühen uns immer, die Fehlerquote der Schiedsrichter zu senken. Dazu gehört auch, dass Anhand von Video-Material noch einmal gezielt Situationen an- und durchgesprochen werden", sagte Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel (Rheinzabern) am Montag. Er betonte, dass es sich nicht um eine kurzfristige Krisensitzung, sondern um ein turnusmäßiges Treffen handelt: "Diese Tagung steht seit Monaten fest."

"Insbesondere die Entscheidungen beim Abseits und bei Strafstößen werden einen Schwerpunkt bilden", kündigte Volker Roth (Salzgitter), der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, an. Die Szene, in der Schiedsrichter Hermann Albrecht (Kaufbeuren) am Samstag einen unberechtigten Handelfmeter gegen Hannover 96 verhängte, wird auch vorgeführt. Strigel hat bereits mit Albrecht gesprochen. Ein Gespräch mit dem Assistenten Guiseppe Palilla (Spaichingen), der das angebliche Handspiel des 96-Verteidigers Dame Diouf angezeigt hatte, steht noch aus.

"Das war ein Fehler und nicht in Ordnung. Der Ball ging im Schulterbereich an die Brust und nicht an die Hand. Zudem muss beim Handelfmeter Absicht vorliegen. Geht die Hand zum Ball, ist es Absicht, geht der Ball zur Hand, liegt keine vor", stellte Strigel fest. Zugleich nahm er FIFA-Schiedsrichter Albrecht in Schutz. "Man kann ihm keinen Vorwurf machen. Er hat sich auf seinen Assistenten verlassen und sich auch in allen anderen Situationen regelkonform verhalten", sagte der Lehrwart.

Seit geraumer Zeit fordert der DFB eine bessere Kommunikation des Schiedsrichters mit seinen Männern an der Linie. Die Assistenten sollen mehr in das Geschehen eingreifen. Von dieser Richtlinie will der Verband auch nicht abrücken. "Eine falsche Wahrnehmung kann nicht dazu führen, dass ein gesamtes System fallen gelassen wird", sagte Strigel. Als zusätzliche Maßnahme, um die Zahl der Fehlentscheidungen zu senken, nannte er mehr Spiele für die Referees: "Wir müssen die Schiedsrichter öfters einsetzen, damit sie im Tritt bleiben."

Dem oft geforderten Fernseh-Beweis räumt er wenig Chancen ein. Der Weltverband FIFA lehnt dieses Hilfsmittel bisher ab. "Er hat dafür auch gute Gründe. Fußball sollte überall nach den gleichen Regeln gespielt werden, in allen Ländern, im Jugendbereich und in der Bundesliga", meinte der Schiedsrichter-Lehrwart. Deshalb werden wohl auch in Zukunft Spieler, Trainer und Zuschauer mit falschen oder strittigen Entscheidungen der Unparteiischen leben müssen. Etwas, was bei allem Ärger der Benachteiligten auch den Reiz des Fußballs ausmacht.

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