Schwerpunktthema in Davos
Wasser – eine unverzichtbare Ressource

Die Süßwasserreserven der Welt geraten unter Druck - Grund genug für die Organisatoren des WEF, dieses Problem zum Schwerpunktthema zu machen. Denn der Kampf ums Wasser verschärft sich durch Bevölkerungswachstum und Klimawandel gerade in trockenen Regionen dramatisch. Damit steigt die Gefahr politischer Konflikte.

DÜSSELDORF. Dabei rinnt nur der geringste Teil durch die Kehlen der Durstigen oder wird zum Waschen und Kochen verwendet. Nach den Berechnungen des Münchener Geografen Wolfram Mauser braucht die Nahrungsmittelproduktion etwa 30-mal so viel, rund 1200 Kubikmeter pro Person und Jahr. Die Industrie benötigt zwar weniger als ein Zehntel des landwirtschaftlichen Bedarfs, ihr Anteil steigt aber rapide an.

Das Bewusstsein, dass auch Wasser eine begrenzte Ressource ist, entstand erst in den vergangenen Jahrzehnten. Die "grüne Revolution" in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, also die Einführung ertragreicherer Nutzpflanzen, hat zwar die Ernährungssituation der exponentiell gewachsenen Bevölkerung verbessert. Aber die intensive Nutzung der Wasserressourcen hat in vielen ehemals fruchtbaren Regionen zum Versiegen oder zu Schadstoffbelastungen der Quellen geführt.

Die Bemühungen zur Effizienzsteigerung in der Wassernutzung konzentrieren sich daher vor allem auf die landwirtschaftliche Bewässerung. Etwa die Hälfte des auf die Felder gebrachten Wassers verdunstet, ohne den Nutzpflanzen zugute zu kommen. Vor allem kommt es darauf an, effizienter zu bewässern. Die israelische Landwirtschaft ist hier vorbildlich. Felder werden nicht besprengt, sondern im Boden verlegte Leitungen bringen Wasser tröpfchenweise direkt an die Wurzeln.

Im Nahen Osten birgt das sich verschärfende Wasserproblem besonderen politischen Sprengstoff, zwischen den Staaten, aber auch innerhalb eines Landes. "Wasser im oberen Bereich eines Wadis, eines saisonalen Flusses, abzuzapfen kann Leute weiter unten negativ treffen: Um Konflikte zu vermeiden, braucht man daher eine eindeutige Politik zum Wasserrecht", schreibt Theib Oweis vom Internationalen Zentrum für Agrarforschung in Trockengebieten in Aleppo.

Die Notwendigkeit zum Wassermanagement führt zu ungewöhnlichen Allianzen: Das gerade in diesen Tagen unter einer Dürreperiode leidende China hat vor wenigen Wochen mit Algerien ein Kooperationsabkommen geschlossen. Beide Länder wollen Erfahrungen in der Pflanzenzucht und der Wiedergewinnung vertrockneter Gebiete austauschen.

Der weltweite Wasser-Verbrauch zur Nahrungsmittelproduktion könnte sich nach Mausers Einschätzung in 60 Jahren verdoppeln. Dann wären rund 40 Prozent des Wasserkreislaufs auf dem Festland vom Menschen kontrolliert. Was das für die Natur und den Wärmehaushalt der Erde bedeutete, ist kaum abschätzbar. Mauser betont daher, dass Wasser nicht nur als Wirtschaftsgut gesehen werden darf. "Es ist die Voraussetzung für die Funktionstüchtigkeit des Lebenserhaltungssystems der Erde."

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