Schwerste Krise in der Geschichte
Experten sehen Infineon tief in den roten Zahlen

Der Halbleiter-Hersteller Infineon Technologies AG hat sich im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2000/01 nach Einschätzung von Analysten der schwersten Krise in der Geschichte der Chipbranche nicht entziehen können und tiefrote Zahlen geschrieben.

rtr MÜNCHEN. Von Reuters befragte Branchenexperten rechnen im Durchschnitt mit einem Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 667 Mill. ?, was gegenüber dem Vorquartal noch einmal eine Verschlechterung um fast zwölf Prozent bedeuten würde. Dennoch sehen Experten Licht am Ende des Tunnels: "Infineon wird aus dieser Branchenkrise als der Gewinner hervorgehen", sagte Bernd Laux von Credit Agricole.

Die Siemens-Tochter Infineon will am Dienstag ihre Zahlen für das vierte Quartal und für das Geschäftsjahr 2000/01 (zum 30. September) vorlegen. Alle Chiphersteller leiden seit Monaten unter dem anhaltenden Überangebot und den niedrigen Preisen vor allem für die Speicherchips (DRAMs), die unter den Herstellungskosten liegen. Viele Konzerne habe Einsparungen bei Investitionen und Personalabbau angekündigt. Allein Infineon will weltweit 5000 Stellen streichen. Die Halbleiterkrise hatte im abgelaufenen Quartal schon die Chip-Sparte des Marktführers Samsung sowie den US-Konkurrenten Micron und die japanische Toshiba tief in die Verlustzone rutschen lassen.

Bei Infineon rechnen die Analysten für die Monate Juli bis September im Durchschnitt mit einem Verlust nach Steuern von 420,6 (Vorquartal: 371) Mill. ?. Im Boomjahr 1999/2000 hatte Infineon dagegen im vierten Quartal noch einen Überschuss von 581 Mill. ? verzeichnet. Beim Umsatz rechnen die Analysten nun mit einem Rückgang gegenüber dem Vorquartal um 17 % auf 1,06 Mrd. ?. Damit erwarten sie für das Geschäftsjahr 2000/01 einem Umsatz von 5,65 Mrd. ? und einen Verlust nach Steuern von 488 Mill. ?. Im Jahr zuvor waren es noch 7,28 Mrd. ? Umsatz und 1,13 Mrd. ? Gewinn.

"Infineon hat sich im Vergleich zu den Konkurrenten im vierten Quartal noch gut gehalten", sagt Analyst Laux. Der Münchener Konzern habe frühzeitig auf High-End-Chips gesetzt, die nicht alle der Konkurrenten liefern könnten. "Es scheint so, als ob sie Marktanteile dazu gewonnen hätten." Nach Ansicht von HypoVereinsbank-Analyst Roland Pitz hingegen hat Infineon ein ungünstiges Produktportfolio, weil das Unternehmen DRAMs und Logikchips produziere, in beiden Bereichen aber nicht zu den Top-Playern gehöre.

Sukzessive Verbesserung

Immerhin könnte mit dem abgelaufenen Quartal das Schlimmste bei Infineon überstanden sein. So rechnet Pitz in den nächsten Quartalen mit einer sukzessiven Verbesserung der Ergebnisse, aber noch lange mit roten Zahlen. Erst im vierten Quartal 2002 sieht er ein ausgeglichenes Ergebnis. "Es ist immer noch zu früh, um zu sagen, dass der Halbleitermarkt das Schlimmste hinter sich hat", sagte Pitz. Man könne von einer Bodenbildung sprechen, aber noch nicht von einer Trendwende. Prognosen über den zyklischen Halbleitermarkt, der im vergangenen Jahr noch Rekordzuwächse verzeichnete, seien generell schwierig.

Auch Infineon-Chef Ulrich Schumacher lässt sich nicht mehr zu Prognosen über den Verlauf des Halbleitermarktes hinreißen. Es gebe keine Transparenz im Markt, wie sich die Preise entwickelten, hatte er im September gesagt. Infineon hatte mit einem Kostensenkungsprogramm auf die Marktschwäche reagiert und Investitionen drastisch zurückgefahren. Spekulationen über einen finanziellen Engpass hatte Schumacher energisch zurückgewiesen. Die Finanzmittel reichten mindestens für zwölf Monate reichen, bekräftigte er wiederholt.

Von der Pressekonferenz am Dienstag erwarten sich Analysten von Schumacher auch Aussagen zum Verlauf der Gespräche mit Toshiba über eine mögliche Kooperation bei Speicherchips. In Branchenkreisen hatte es geheißen, die Verhandlungen kämen gut voran. Inmitten der Überkapazität an DRAMs suchen die Konzerne nun Möglichkeiten der Konsolidierung.

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