Schwerstes Unwetter seit Jahrzehnten
Zahl der Todesopfer in Südfrankreich steigt

Nach einem der schwersten Unwetter in Südfrankreich seit Jahrzehnten ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 22 gestiegen. Mehr als 20 Menschen wurden nach Angaben der Feuerwehren vom Dienstag in der Region zwischen Nîmes und Avignon im Rhône-Tal noch vermisst.

HB/dpa NIMES. Dort hatten die Unwetter am schlimmsten gewütet. Durch die heftigen Gewitterregen mit Hagelschauern und starken Sturmböen, die am Sonntag begonnen hatten, wurden ganze Ortschaften überflutet, Brücken zerstört und große Straßenabschnitte weggeschwemmt. Die Katastrophe rief die Bilder der erst kürzlich abgeklungenen Flutkatastrophe in Ostdeutschland in Erinnerung. Am Dienstag beruhigte sich das Wetter wieder.

Nach Angaben des nationalen Wetterdienstes Météo France waren in der Gard-Region seit Sonntagmittag punktuell bis zu 600 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, mehr als doppelt so viel wie bei der Jahrhundertflut im Erzgebirge. An anderen Stellen waren es 300 bis 400 Liter. Mit dem wiederkehrenden Sonnenschein sanken die Wasserstände rasch. In den Schlammmassen fand die Feuerwehr weitere Leichen. Zwei Frauen wurden in ihren Häusern in Aramon tot aufgefunden, zwei Rentner in Vers-Pont-du-Gard.

Mehr als 1 300 Hilfskräfte waren im Einsatz

An der Rhône südwestlich von Avignon brachen nach Mitternacht zwei Deiche. Die Kleinstädte Aramont und Comps wurden fast vollständig überflutet. Die Feuerwehr brachte Bewohner eines Altersheims in Aramon in Sicherheit. "Am Anfang habe ich es gar nicht glauben können, doch dann stieg das Wasser innerhalb von zwei Stunden auf drei Meter", berichtete ein Bewohner.

Mehr als 1 300 Feuerwehrleute und Hilfskräfte waren mit Unterstützung von 735 Militärangehörigen rund um die Uhr im Einsatz. Soldaten retteten nach Angaben des Verteidigungsministeriums bis zum Morgen 1 100 Menschen per Hubschrauber aus den Notstandsgebieten.

100 000 Haushalte waren in den Unwetter-Regionen am Montagabend ohne Strom gewesen, 45 000 waren es noch am Dienstagnachmittag. Etwa 150 000 Menschen hatten keine Telefonverbindungen, weil die Leitungen unterbrochen waren. Die Trinkwasserversorgung brach zusammen. Die Staatsbahn SNCF kündigte an, auf den großen Strecken nach und nach noch im Laufe des Dienstags wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren. Zwischen Nîmes und Avignon konnten allerdings weiterhin keine Züge fahren. Auch die wichtigste Nord-Süd-Autobahnverbindung A7 konnte noch nicht wieder vollständig geöffnet werden.

EU-Kommission kündigte Unterstützung an

"Die außerordentlichen Unwetter entstehen sehr oft zum Herbstanfang. Die heftigen Regenfälle können dann aber von den ausgetrockneten Böden noch nicht aufgenommen werden", erklärte Patrick Galois vom Météo France das Ausmaß der Überflutungen.

Premierminister Jean-Pierre Raffarin informierte sich bei einem Flug über die überfluteten Gebiete über das Ausmaß der Katastrophe. Er sagte eine Soforthilfe von 10 Mill. Euro zu. Die Überflutungen seien "ein menschliches, soziales und wirtschaftliches Drama", erklärte Raffarin, der mit Innenminister Nicolas Sarkozy die Kleinstädte Sommières und Villevieille besuchte.

Auch die EU-Kommission kündigte Unterstützung für die Überflutungs-Opfer an. Ein Sprecher von Regionalkommissar Michel Barnier sagte, die betroffenen Départements könnten voraussichtlich Geld aus dem EU-Strukturfonds zu Gunsten der Opfer umschichten. Das hat die Kommission auch den deutschen Hochwassergebieten angeboten. Offen ist, ob die Überschwemmungen in Südfrankreich die europäische Katastrophenhilfe für deutsche Flutopfer schmälern könnte.

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