Schwester Venus mit Handicap
Zweiter Wimbledon-Triumph für Serena Williams

Serena Williams hat das ungleiche Spiel im "Sister Act" gegen ihre Schwester Venus zum zweiten Triumph in Wimbledon genutzt. Die Titelverteidigerin profitierte am Samstag im sechsten Familien-Duell auf einer finalen Grand-Slam-Bühne von einer Bauchmuskelzerrung ihrer Kontrahentin und kam nach dem zweiten im Turnier abgegeben Satz doch noch zu einem sicheren 4:6, 6:4, 6:2- Erfolg, der mit einem Preisgeld von 765 000 Euro belohnt wurde.

HB/dpa LONDON. Für die traurige Venus, die sich in dem 2:03 Stunden währenden Kampf immer wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht den Bauch gehalten hatte, blieb als Trost für den verpassten dritten Wimbledonsieg nach 2000 und 2001 ein Scheck in Höhe von 382 000 Euro.

"Es war unheimlich schwer, weil Venus verletzt war", sagte die trotz allem glückliche Siegerin. Nach der Pleite von Paris, wo sie im Halbfinale der French Open gegen die Belgierin Justine Henin- Hardenne ausschied, war es ihr insgesamt sechster Grand-Slam-Titel. Als sich Venus Williams am Morgen vor dem Finale einschlug, deutete sich das Drama schon an. Nur wenige Minuten schaffte sie es, einige Bälle mit ihrem Trainingspartner Jovan Savic zu schlagen. "Aber ich will es unbedingt versuchen", sagte die 23-Jährige. "Die Leute haben es verdient, ein gutes Finale zu sehen." Als das Match Stunden später begann, schien nichts unmöglich zu sein. Mit einer 3:0-Führung im ersten Satz startete sie wie ein Express ins Endspiel.

"Schade, dass das Match nicht nach einem Satz vorbei war", sagte Venus Williams mit der kleinen Schale in den Händen. Dass das Match ein abgekartetes Spiel sein könnte, fürchteten manche der 13 800 Zuschauer auf dem Center Court, als Serena den Venus' Satzball meilenweit ins Aus setzte. Schon den Volley zuvor hatte sie ungenutzt gelassen und ihrer Schwester stattdessen eine zweite Chance gegeben. "Das sind Gerüchte", sagte Boris Becker am ARD-Mikrofon. "Die vier Grand-Slam-Siege, die Serena zuvor gegen Venus geholt hat, haben die Zweifel ausgeräumt."

Schon bei den folgenden Ballwechseln durfte sich der dreimalige Wimbledonsieger bestätigt fühlen. Denn nun zog die zwei Jahre jüngere Serena alle Register und ging mit 5:1 in Führung. Die Nerven spielten ihr an diesem tristen Sommertag im Wolken verhangenen London noch einmal einen Streich. Aber als es beim Stande von 5:4 darauf ankam, glänzte sie wieder.

Ein Spiel schaffte Venus noch. Doch dann war sie mit ihren Kräften am Ende. Die Schmerzen wurden immer schlimmer, und sie verließ zur Behandlung für knapp zehn Minuten den Platz. Besser wurde es danach nicht, aber wenigstens konnte sie das Endspiel beenden und ging in die Annalen der All England Championships nicht als erste Spielerin ein, die das Finale nicht beenden konnte.

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