Schwierige Bemessung
Indexprodukte werden unterschiedlich besteuert

Indexprodukte gibt es in zahlreichen Varianten. Genauso vielfältig sind die Bestimmungen, nach denen sie besteuert werden.

Handelsblatt DÜSSELDORF. Die Deutschen sind neuen Kapitalmarktprodukten gegenüber aufgeschlossen. Von der Finanzverwaltung kann man das nicht behaupten. Sie lässt sich eher Zeit mit der steuerlichen Qualifizierung neuer Kapitalmarktinstrumente. Das war bei Aktienanleihen so und ist nun bei Indexzertifikaten nicht anders.

Es gibt zwei Varianten der Zertifikate

Dabei schien eigentlich schon alles geklärt: Grundsätzlich gibt es zwei Varianten dieser auch als Partizipationsscheine bezeichneten Zertifikate, die steuerlich unterschiedlich behandelt werden: Entweder wird am Fälligkeitstag nur der Differenzbetrag zwischen dem tatsächlichen Indexstand und dem Basiswert ausgezahlt. Oder es ist eine Mindestauszahlung vereinbart, zu der noch die positive Differenz zwischen Indexniveau und Basiswert dazukommt, wenn das Marktbarometer gestiegen ist. Bei garantierter Mindestauszahlung sind die Erträge (zurückgezahltes minus eingesetztes Kapital) gemäß § 20 Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) steuerpflichtig, ohne Mindestauszahlung sind sie es nicht.

Nach diesem Paragrafen werden die Erträge aus Indexzertifikaten nur besteuert, wenn die Rückzahlung des eingesetzten Geldbetrags "oder ein Entgelt für die Überlassung des Geldbetrags zur Nutzung zugesagt oder gewährt worden ist". Anders gesagt: Wenn der Kunde ein echtes Verlustrisiko trägt, braucht er Erträge nicht zu versteuern. Das hat dazu geführt, dass neue Zertifikate ohne Mindestrückzahlung aufgelegt werden.

Von den Erträgen können Werbungskosten abgezogen werden. Vorsicht: Bankgebühren beim Kauf der Kontrakte zählen nicht zu den Werbungskosten - unter Bankexperten ein zwar umstrittenes Thema, aber derzeit Tatsache. Abgezogen werden können jedoch Zinsen, wenn der Kauf der Zertifikate per Kredit finanziert wurde.

Besteuerungsregeln

Unterschiedliche Besteuerungsregeln gibt es auch bei der Veräußerung der Zertifikate vor Ende der Laufzeit: Einkünfte aus dem Verkauf nach § 20 Abs.2 EStG sind (nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist) nur steuerpflichtig, wenn es sich um die Variante mit vorgesehener Rückzahlung des eingesetzten Geldbetrags handelt. Zu versteuern ist der Kapitalertrag. Er wird bei Partizipationsscheinen als Differenz zwischen dem Entgelt für den Erwerb und den Einnahmen aus der Veräußerung ermittelt. Verkaufen Investoren Zertifikate ohne Mindestrückzahlung mit Gewinn, muss dieser nur innerhalb der Spekulationsfrist versteuert werden (gemäß §§ 22 Nr. 2, 23 EStG).

Überraschungen sind bei Schein-Varianten mit Dividendenabschlägen nicht ausgeschlossen. Solche Preisabschläge gewähren einige Emittenten auf die Zertifikate, denen ein Kursindex zu Grunde liegt, als Entschädigung für die Dividenden, die dem Zertifikat-Käufer gegenüber einer direkten Aktienanlage entgehen. Die Banken vertreten bisher die Auffassung, dass dieser Dividendenabschlag steuerlich nicht anders zu werten ist als die in einem Performance-Index enthaltenen Dividendengutschriften. Konkret: Wer ein Zertifikat auf einen Performance-Index kauft, kassiert die indirekt darin enthaltenen Dividenden steuerfrei, wenn er das Papier länger als ein Jahr hält.

So lange sich die Finanzverwaltung dazu nicht definitiv geäußert hat, ist für Frank Klingelhöfer von der Bankgesellschaft Berlin die Steuerfreiheit "fraglich". Deshalb gewährt seine Bank keine Dividendenabschläge. Die HypoVereinsbank hat dagegen eine andere Strategie. Obwohl von Euro Stoxx 50 und Stoxx 50 die laufend berechneten Kursindizes gebräuchlich sind, hat sie für ihre darauf begebenen Zertifikate die nur einmal täglich berechnete Performance-Variante gewählt

. Inländische Indexfonds sind steuerfrei

Mit solchen Problemen müssen sich Käufer von inländischen Indexfonds nicht plagen. Erträge, die aus Kursgewinnen stammen, die der Fonds erzielt hat, sind immer steuerfrei. Auf inländische Dividenden wird eine Körperschaftsteuergutschrift an den Anteilseigner durchgereicht. Quellensteuer auf ausländische Zinsen, die dem Fonds noch nicht erstattet wurden, kann sich der Steuerpflichtige im Rahmen seiner Steuerveranlagung anrechnen lassen. Handelt es sich um einen ausländischen, aber in Deutschland zugelassenen Fonds, entfallen allerdings Körperschaftsteuergutschrift und Quellensteueranrechnung. Zudem muss der Anleger im Fondspreis enthaltene Zwischengewinne versteuern, die aus den seit der letzten Ausschüttung oder Thesaurierung (Wiederanlage von Erträgen) entstandenen Zinserträgen stammen. Diese Komponente ist allerdings bei Aktienindex-Fonds gering, denn Zinserträge fallen nur auf angelegte liquide Mittel an.

Indexaktien werden wie ausländische Fonds besteuert

Komplizierter ist dagegen die Besteuerung der Indexaktien. Sie werden nämlich nicht wie Aktien, sondern wie Fonds behandelt - noch dazu wie ausländische. Allerdings ist die Konstruktion der an der deutschen Börse gehandelten Indexaktien Dow Jones Stoxx 50 LDRS und Dow Jones Euro Stoxx 50 LDRS 935927 so gewählt, dass sie in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind und die Strafbesteuerung nach dem Auslandsinvestmentgesetz (AuslInvestmentG) vermieden wird. Sie gelten als sogenannte weiße Fonds.

Pechschwarz - um im Bild zu bleiben - sind dagegen die "Spiders" and "Diamonds", auf den S & P 500 bzw. Dow Jones Industrial Average bezogene und in den USA gehandelte Indexaktien. Sie haben weder eine Vertriebszulassung noch einen steuerlichen Vertreter in Deutschland. Nach § 18 Abs. 3 AuslInvestmentG werden dann jährlich 90 Prozent des Wertzuwachses besteuert. Bei Verlust wird der letzte verfügbare Preis mit zehn Prozent besteuert; bei Verkauf 20 Prozent des Rücknahmepreises.

Dem gegenüber besteht sogar eine - wenn auch kleine - Chance auf ein Steuerbonbon für die an der Deutschen Börse gehandelten Indexaktien. Die Fondsgesellschaft, die die Dividenden auf diese Aktie zahlt, ist eine irische Kapitalgesellschaft. Artikel XXII Nr. 2 des deutsch-irischen Doppelbesteuerungsabkommens vom Oktober 1962 (Bundessteuerblatt 1964 I S. 320) sieht die Anrechnung einer fiktiven Quellensteuer auf Dividenden einer irischen Kapitalgesellschaft vor. Doch darauf sollte niemand seine Entscheidung für oder gegen diese Indexaktien gründen. "Ob die Ausschüttung der irischen Gesellschaft in diesem Fall zur Anrechnung einer fiktiven Quellensteuer führt, ist noch vollkommen offen", warnt Daniel Wyde, Steueranwalt der Kanzlei Cleary, Gottlieb, Steen & Hamilton in Frankfurt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%