Schwierige Partnersuche in Leverkusen
Bayer läuft die Zeit im Pharmageschäft davon

Der Bayer - Konzern hat zwar die Führung seiner Gesundheitssparte ausgetauscht, nicht aber die Strategie. In diese Richtung interpretieren externe Beobachter das überraschende Ausscheiden von Frank Morich als Leiter der Bayer-Healthcare AG. Dessen Position hat am Montag der 57jährige Rolf Classon übernommen.

FRANKFURT/M. Vor allem um die angeschlagene Pharmasparte, für die Bayer nach Partnern sucht, kreisen seit längerem Spekulationen. Ein kompletter Rückzug aus dem Pharmageschäft steht nach Informationen aus Unternehmenskreisen indessen weiterhin nicht zur Debatte. Entsprechenden Vermutungen war Vorstandsvorsitzender Werner Wenning in jüngerer Zeit wiederholt entgegengetreten. Ziel bleibt es danach, in allen Sparten eine Mehrheitsposition zu behalten. Analysten vermuten hinter dem Ausscheiden Morichs daher auch interne Differenzen über die Pharmastrategie.

Denn eine Gefahr für Bayer besteht unter anderem darin, bei der Partnersuche an unrealisierbaren Zielen festzuhalten. Denn die Pharmasparte des Konzerns, die knapp 40 % zum gesamten Bayer-Healthcaregeschäft beiträgt, befindet sich derzeit in einer extrem schwachen Position. Sie verbuchte im ersten Halbjahr 2002 einen Umsatzrückgang um 24 % auf 1,9 Mrd. Euro und muss mit weiteren Einbußen rechnen.

Will Bayer eine Mehrheitsposition bei Pharma wahren, beschränkt sich der Kreis potenzieller Partner zwangläufig auf kleinere oder mittelgroße Unternehmen. Als denkbare Kandidaten wurden so unter anderem Unternehmen wie Akzo oder Novo Nordisk gehandelt. Doch dürfte sich auch dort das Interesse an einem so angeschlagenen Partner wie Bayer in Grenzen halten.

Denn der Rückzug des Cholesterinsenkers Lipobay, den man im August 2001 vom Markt nehmen musste, ist nicht die einzische Schwachstelle von Bayer. Der derzeit wichtigste Umsatzträger, das Antibiotikum Ciprobay, verliert Ende 2003 seinen Patentschutz in den USA und dürfte dann massive Generikakonkurrenz erhalten. Das Herzmittel Adalat ist bereits seit patentfrei und verliert stetig Umsatz und Marktanteile.

Die zum Teil massiven

Produktionsprobleme beim Gerinnungsmedikament Kogenate gelten zwar als weitgehend behoben. Doch konnte Bayer in diesem Bereich bisher noch nicht auf das frühere Niveau zurückkehren. Und die Neuentwicklung Levitra gegen Erektionsstörungen bietet aus Sicht vieler Analysten nicht genug Potenzial, um eine weitere Erosion des Bayer Pharmageschäfts aufzuhalten. Nachdem sich die Zulassung verzögerte, kommt das Produkt frühestens 2003 auf den Markt und trifft dort auf starke Konkurrenz. Zudem muss man sich die Erträge mit dem Partner GlaxoSmithkline teilen.

Andererseits ist Bayer finanziell in zu schwacher Verfassung, um interessante Produkte oder Firmen zu kaufen. Der Konkurrenzkampf um marktreife Neuentwicklungen ist derzeit besonders intensiv. Eine ganze Reihe von großen Pharmakonzernen können für interessante Lizenzen sowohl mehr Geld als auch größere Vertriebskraft bieten.

Quelle: Handelsblatt

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