Schwierige Position für Pakistan
USA kann mit nachhaltiger Unterstützung rechnen

Die USA wollen den angekündigten "Krieg gegen den Terrorismus" gemeinsam mit ihren Verbündeten führen. Dabei können sie in Israel, Indien und bei der NATO mit nachhaltiger Unterstützung rechnen.

AFP BRÜSSEL. China und einige arabische Staaten äußern sich eher zurückhaltend. Der Stand der Zusagen für die Beteiligung an einem US-Vergeltungsangriff für die Terror-Anschläge in New York und Washington:

Pakistan: Eine besonders schwierige Position nimmt Pakistan ein. Die Regierung in Islamabad hat das Taliban-Regime in Afghanistan anerkannt und steht damit im Verdacht, den von Afghanistan aus operierenden mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge, Osama Bin Laden, zu unterstützen. Unter dem Druck der USA kündigte Pakistan für Montag die Entsendung einer Delegation nach Kabul an, um die Taliban «zur Vernunft zu bringen». Das Außenministerium in Islamabad sagte den USA "volle Unterstützung" im Kampf gegen den Terrorismus zu. Zugleich will Pakistan aber die guten Beziehungen zu den Taliban aufrecht erhalten. Große Teile der pakistanischen Bevölkerung hegen anti-amerikanische Gefühle.

Indien:

Indien hat Washington jede erdenkliche militärische, geheimdienstliche und logistische Hilfe zugesagt. Schon seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 sind die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan von Feindseligkeiten geprägt.

Nato: Den stärksten Rückhalt können die USA von ihren 18 Partnern im Nordatlantischen Bündnis erwarten. Nach den Terror-Anschlägen rief die NATO erstmals in ihrer Geschichte gemäß Artikel 5 des NATO-Vertrags den kollektiven Verteidigungsfall aus. Es bleibt jedoch den Regierungen des jeweiligen Einzelstaats überlassen, die Art der Beteiligung an Militäraktionen festzulegen.

Der britische Premierminister Tony Blair sagte am Sonntag, Europa befinde sich mit den USA "im Krieg gegen den Terrorismus" und werde auf der Seite Washingtons stehen. Der französische Präsident Jacques CHIRAC sagte US-Präsident George W. Bush im Kampf gegen den Terrorismus "vollständige" Solidarität zu. Premierminister Lionel Jospin betonte aber, auch nach der Erklärung des Bündnisfalles blieben Frankreich die "Freiheit der Anschauung" und die staatliche "Souveränität» erhalten. Die Bundesregierung in Berlin hielt sich in ihren Stellungnahmen zurück und kündigte ihre Entscheidungen für die kommenden Tage an. Spanien erklärte, US-Kampfflugzeuge könnten "ohne Einschränkungen" die südspanischen Luftwaffenstützpunkte verwenden.

Israel: Israel hat den USA rückhaltlose Unterstützung zugesagt. Außenminister Schimon Peres forderte die Gründung einer internationalen Einheit für den Kampf gegen den Terrorismus.

Türkei: Die Türkei, deren 500.000-Mann-Armee eine der stärksten der NATO ist, bereitete ihre Streitkräfte auf einen baldigen Einsatz vor. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Luftwaffenbasis Incirlik im Süden des Landes, die bereits im Golf-Krieg als Ausgangspunkt für Luftangriffe auf Irak diente.

Arabische Staaten: Der ägyptische Präsident Husni Mubarak forderte, US-Angriffe müssten durch eine Votum der Vereinten Nationen legitimiert sein. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre bisherige Unterstützung des afghanischen Taliban-Regimes «überprüfen». Der marokkanische König Mohammed VI. sagte Washington eine Beteiligung im Kampf gegen den Terrorismus zu. Eine tatsächliche militärische Zusammenarbeit zwischen den USA und arabischen Staaten scheint ausgeschlossen.

China: Die Volksrepublik China hat ihre Bereitschaft zur Beteiligung am Kampf gegen den Terrorismus erklärt. Allerdings gilt es als ausgeschlossen, dass sich Washington und Peking darüber verständigen könnten, was genau unter Terrorismus zu verstehen ist und wie dagegen vorgegangen werden soll.

Russland: Der russische Präsident Wladimir Putin hat seinem US-Kollegen George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. September Unterstützung für Vergeltungsangriffe signalisiert. Außenminister Igor Iwanow bezeichnete die Anwendung von Gewalt als legitimes Mittel zur Terrorbekämpfung. Am Sonntag versetzte Russland eine Armeedivision in Tadschikistan an der Grenze zu Afghanistan in Alarmbereitschaft. Moskau betrachtete den Tschetschenien-Krieg als Kampf gegen den islamischen Fundamentalismus, die Sowjetunion war Ende der 80er Jahre in Afghanistan einmarschiert. Sollten die USA ihr Vorgehen von der UNO legitimieren lassen wollen, wären sie auf die Unterstützung der beiden ständigen Sicherheitsratsmitglieder Russland und China angewiesen.

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