"Schwierige wirtschaftliche Lage"
Siemens schreibt rote Zahlen im operativen Geschäft

Der Technologiekonzern Siemens AG hat im dritten Quartal 2000/01 ohne Sondereffekte einen Verlust von fast einer Milliarde Mark verbucht und rechnet nun für das gesamte Geschäftsjahr mit einem geringeren Nachsteuergewinn als im Vorjahr.

rtr/vwd MÜNCHEN. Lediglich außerordentliche Einnahmen, unter anderem 3,46 Milliarden Euro aus der Übertragung von Infineon-Aktien an den eigenen Pensionsfonds, führten in den Monaten April bis Juni zu einem Gewinn von 1,608 (Vorjahreszeitraum 0,267) Milliarden Euro nach Steuern, wie Siemens am Mittwoch in München mitteilte.

Ohne den Beitrag der Tochtergesellschaft Infineon und die Sondereffekte habe sich dagegen ein Verlust von 489 Millionen Euro nach einem Gewinn von 439 Millionen Euro im Vorjahr ergeben.

Wie Siemens weiter mitteilte, stieg der Konzernumsatz im dritten Quartal einschließlich Infineon um 19 Prozent auf 21,36 Milliarden Euro, der Auftragseingang kletterte um 13 Prozent auf 23,72 Milliarden Euro. Ohne die negativen Zahlen der Halbleitertochter hätten die Steigerungsraten bei jeweils 23 Prozent gelegen, hieß es.

Die nachfrage- und preisbedingten Verluste in der Informationstechnologie (ICN, ICM und SBS) hätten die teilweise deutlichen Gewinnsteigerungen in anderen Bereichen überwogen, begründete Siemens den Ergebnisrückgang ohne Sondereffekte. Allein für die Netzwerk- und die Mobilfunksparte seien ein Restrukturierungsaufwand von 790 Millionen Euro und weitere Schritte zur Kostensenkung und zur Bereinigung des Portfolios nötig. "Alles, was nicht die Kapitalkosten verdient, steht auf dem Prüfstand", sagte der Vorstandsvorsitzende. Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger bekräftigte auf Fragen zudem, dass die Tochter Infineon Technologies AG nach heutigem Stand nicht zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 2000/2001 (30. September) dekonsolidiert wird. Er bekräftigte jedoch das Ziel, dass die Infineon-Anteile mittelfristig abgegeben werden sollen.

Siemens zeichnete wie bereits Anfang der Woche die Chip-Tochter Infineon ein negatives Bild des gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfelds. "Es ist davon auszugehen, dass die konjunkturellen Rahmenbedingungen auch in den nächsten Monaten noch schwierig bleiben", hieß es in der Mitteilung. Unter Berücksichtigung von Restrukturierungs-Aufwendungen und der Integration von Firmenbereichen erwarte Siemens, dass das Konzernergebnis nach Steuern unter dem Niveau des Vorjahres liegen werde.

Bereits in den ersten neun Monaten habe sich das Nachsteuerergebnis ohne Infineon und Sondereffekte auf 652 Millionen Euro mehr als halbiert, hieß es weiter. Der Umsatz habe hier dagegen um 18 Prozent auf 58,6 Milliarden Euro zugelegt, der Auftragseingang sei um fast ein Viertel auf 67,2 Milliarden Euro gestiegen.

Das Siemens-Ergebnis war nach den jüngsten Gewinnwarnungen internationaler Technologiekonzerne mit großer Spannung erwartet worden. So hatten sich Analysten auch schwer getan, eine Prognose für die Quartalszahlen des Münchener Konzerns abzugeben.

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