Schwieriger Drahtseilakt in Zeiten von Kostensenkung und Rationalisierung
Personaler im Zwiespalt

Personalverantwortliche müssen die Schicksale der Mitarbeiter und die Strategien des Unternehmens unter einen Hut bringen.

Schlaflose Nächte gehören zu diesem Job zweifellos dazu. Schon gar, wenn man Mitarbeiter entlassen muss. Denn nicht immer können Personalchefs Einzelschicksale bei der Personalplanung berücksichtigen. Eine Sorge, die Harald Berg zur Genüge kennt. Der stellvertretende Leiter Corporate Executive Development bei der Deutschen Bank findet sich häufig in dieser Spagathaltung zwischen gesellschaftspolitischer Verantwortung und dem Zwang wirtschaftlicher Notwendigkeit wieder. "Da sind die Business-Strategien auf der einen Seite und das Individuum auf der anderen Seite", sagt Berg. Ein Drahtseilakt, der gerade in Zeiten von Kostensenkung und Rationalisierung der Geschäftsprozesse besonders schwierig ist. Bei der Deutschen Bank soll jede siebte Stelle dem eisernen Sparkurs des neuen Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann zum Opfer fallen. Der will die Kosten der Bank bis Ende 2003 um zwei Milliarden Euro senken.

Erhebliche Defizite bei der Personalarbeit

Bergs schwierige Lage ist typisch für die Situation vieler Personalverantwortlicher in deutschen Firmen. Denn professionelle Personalarbeit ist weit mehr als nur die Aufgabe, Mitarbeiter möglichst unkompliziert loszuwerden. Doch viele Vorstandschefs haben das nicht erkannt und betrachten die Personaler nur als Exekutive. Von umsichtiger und sozialer Personalpolitik wollen sie nichts hören, auch wenn sie es nach außen hin ganz anders kund tun. "Oft gibt es dazu nur Lippenbekenntnisse", schimpft Hans Böhm, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Personalführung in Düsseldorf. "Auch in großen Unternehmen gibt es noch erhebliche Defizite bei der Personalarbeit." Die Personalverantwortlichen stehen häufig erheblich unter Druck.

Einerseits sind sie offiziell mit einer großen sozialen Verantwortung versehen, was beispielsweise den Umgang mit Interessen und Belangen der Mitarbeiter betrifft. Gleichzeitig sind sie aber in ihrem Vorgehen von anderen Entscheidern im Unternehmen abhängig, die sie nur als lästige Notwendigkeit betrachten. "Nicht selten hat der Personalbereich das Image eines Verhinderers, nicht des Befähigers und Treibers im Unternehmen", beobachtet Jochen Kienbaum, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kienbaum Consultants International in Gummersbach.

Personaler stehen oft im schatten ihrer Kollegen

Weil Personalmanager keine schnellen Erfolge und Bilanzen vorweisen können, stehen sie häufig im Schatten der anderen Führungskräfte im Unternehmen. Doch gerade in Zeiten schwacher Konjunktur ist eine vernünftige Personalpolitik von grundlegender Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg einer Firma. "Das menschliche Können bestimmt heute den Erfolg der Unternehmen und nicht wie früher ausschließlich das Kapital. Personalarbeit ist daher umfassende Unternehmensarbeit und nicht nur ein Bereich der Firma", sagt Herwig Letz, Bereichsleiter Personalwesen Obere Führungskräfte bei der BMW Group in München. Das meint auch Gero Hesse, Director E-Cruiting Corporate Management Development bei Bertelsmann in Gütersloh. "Ob eine Firma erfolgreich ist, hängt in erster Linie von hoch motiviertem und gut ausgebildetem Personal ab - von daher gewinnt die Personalarbeit in den Unternehmen an Bedeutung."

Doch inwieweit die Firmen in Zukunft tatsächlich einer umfassenden und professionellen Personalpolitik Rechnung tragen werden, lässt sich schwer bestimmen. "Bereits vor zehn Jahren hieß es, dass die Personalarbeit im Unternehmen erheblich an Bedeutung gewinnen wird. Es hat sich nicht erfüllt", sagt Peter Zürn, ehemaliger Personalchef bei Boehringer Ingelheim und langjähriger Leiter der Baden-Badener Unternehmergespräche.

Personalmanagement wird anspruchsvoller

Doch dem interessierten Managementnachwuchs würde Böhm trotzdem raten, sich auf den Personalbereich zu spezialisieren. "Zwar wird es im mittleren und höheren Management weniger Jobs geben, aber diese werden anspruchsvoller als früher sein", sagt Böhm. Die Personalmanager von morgen müssen seiner Einschätzung zufolge vor allem viel breiter und umfassender qualifiziert sein als früher. "Da dürfen Kenntnisse über die Instrumente der Personalarbeit auf der einen Seite und das Wissen über Tarif- und Arbeitsrecht auf der anderen Seite nicht fehlen", betont er. Vorbei seien die Zeiten, wo die Personalarbeit nebenher erledigt wurde.

Ein Gesamtjahresgehalt von rund 90 000 Euro beinhaltet nach Kienbaums Beobachtung aber auch Kenntnisse in den Grundregeln des Unternehmergeschäfts. Erfahrungen im Finanz- und Controllingbereich sind von erheblichem Vorteil. Mitarbeitern gegenüber muss der Personalmanager notwendige Maßnahmen vertreten können, gleichzeitig aber auch ein offenes Ohr für ihre Wünsche und Vorstellungen haben. Seine Sozialkompetenz sollte er auch in der Kommunikation zu den Verantwortlichen unter Beweis stellen, die über die Belange der Mitarbeiter letztlich entscheiden. Hinzu kommen Anforderungen an ganzheitliches Prozessdenken und eine strikte Kosten-Nutzen-Orientierung.

Neben den theoretischen Kenntnissen im Personalwesen sind laut Berg operative und strategische Erfahrung unabdingbar: "Denn hinter den Kulissen agiert der Personalverantwortliche auch als Treiber neuer Ideen und kann so Veränderungen im Unternehmen Vorschub leisten."

Quelle: Handelsblatt

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