Schwieriger Kurswechsel der Landesbank
Riskante WestLB-Strategie

Die WestLB hat die größte Strukturreform ihrer Geschichte hinter sich. Fortschritten beim Kostenabbau stehen drastisch gestiegene Wertberichtigungen gegenüber. Der Druck auf WestLB-Chef Jürgen Sengera steigt. Für die Bank wird es schwieriger, ihre Ratingziele zu erreichen, mit denen sie im Wettbewerb ab Mitte 2005 bestehen will.

HB DÜSSELDORF. Wie keine andere der zwölf Landesbanken hat sich das Gesicht der WestLB in den vergangenen beiden Jahren bereits gewandelt. Die Bank hat ihre größte Strukturreform abgeschlossen: die Aufspaltung in eine öffentlich-rechtliche Mutter und eine privatrechtliche Tochter mit dem Wettbewerbsgeschäft und der Sparkassenzentralbankfunktion.

Vorstandschef Jürgen Sengera gab 2002 und 2003 als Restrukturierungsjahre vor, leitete ein ehrgeiziges Kostensenkungsprogramm ein. Fallen Mitte 2005 die Staatsgarantien in Gestalt von Gewährträgerhaftung und Anstaltslast, soll sich die Eigenkapitalrendite auf 18 Prozent vor Steuern fast verdreifacht haben. Gleichzeitig soll das Verhältnis von Kosten zu Erträgen von zuletzt 74 auf 65 Prozent sinken. Die staatlichen Haftungsgrundlagen sind der Hauptgrund dafür, dass die Bank heute von Ratingagenturen die Spitzennote "AA+" für ihre Bonität erhält. Damit kann sich das Institut weitaus günstiger refinanzieren als die meisten Wettbewerber.

Damit ist am 19. Juli 2005 Schluss. Sinkt das Rating um zwei Noten, verliert die Bank Erlöse von etwa 100 Mill. Euro. "Wir müssen einem Ratingverfall entgegenwirken", lautet Sengeras zentrale Botschaft. Deshalb setzt er alles daran, zumindest ein Rating von "AA-" zu erhalten. Es gibt Stimmen, die sagen, mit einem schlechteren Rating wäre die WestLB nicht überlebensfähig. Zumindest müsste die Bank ihr Geschäftsmodell - mit dem Fokus auf Projekt- und Spezialfinanzierungen sowie Beteiligungen - deutlich abspecken.

Experten wie Stefan Best von der Ratingagentur S&P sprechen von einem ehrgeizigen Unterfangen. "Die WestLB hat eine sehr anspruchsvolle Strategie als reine Wholesalebank. Sie tritt in Geschäftsfeldern wie strukturierte Finanzierungen oder Investmentbanking auf eine starke Konkurrenz und erwägt das volatile Beteiligungsgeschäft. Moody's bewertet die internationale Strategie der WestLB als riskant. Deshalb setzten die Analysten das Finanzstärke-Rating "D" der Bank gestern auf die Prüfliste für eine mögliche Herabstufung.

Unbestritten Erfolg hat Sengera auf der Kostenseite. Bis zum Jahresende wird der Abbau von gut 1500 auf dann 7000 Mitarbeiter wohl abgeschlossen werden. Ursprünglich wollte sich die Bank mit dieser Schrumpfkur ein Jahr länger Zeit lassen. Doch wegen Börenbaisse und der schlechten Ergebnisentwicklung verschärfte Sengera das Tempo, auch auf Druck der Eigentümer - neben dem Land NRW sind das die Sparkassen und Kommunen. Zuletzt wurde die defizitäre Aktien- und Investmentbank WestLB Panmure in London radikal umgebaut; fast jeder zweite der 640 Mitarbeiter muss gehen. Schon zuvor hatte sich die WestLB von Aktivitäten getrennt, die auf das Privatkundengeschäft zielen: Die Landesbausparkasse und die Westfälische Provinzial wurden an die Sparkassen verkauft.

Doch die erfolgreichen Kostensenkungsmaßnahmen drohen zu verpuffen. Hauptgrund sind die drastisch gestiegenen Wertberichtigungen im Kreditgeschäft in Höhe von mindestens 1,6 Mrd. Euro. Davon entfällt etwa die Hälfte auf Betrugsfälle und Bilanzmanipulationen wie Enron, RBG Resources und Worldcom. Diese Sondereinflüsse verdeckten den Blick auf die Qualität des Kreditportfolios, hatte Sengera im März erklärt. Doch seitdem Anfang der Woche durchsickerte, dass die WestLB voraussichtlich weitere Ausfälle von bis zu einer halben Mrd. Euro verkraften muss, sind die Bankmanager und Eigentümer nervös (Handelsblatt vom 13.5.2003). Heute wird Sengera bei der Bilanzpressekonferenz erklären müssen, wie die Bank gegensteuern will. Das Risikomanagement hat die WestLB bereits in den vergangenen Monaten verstärkt.

Die Pannen sind Wasser auf die Mühlen der WestLB-Kritiker. Vor allem die Sparkassen machen Druck, sie fordern drastischere Schnitte. Viele wünschen sich einen Rückzug der WestLB ins Regionale, wie ihn bereits die Bayern-LB angekündigt hat.

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