Schwieriges Marktumfeld
Der Zauber der TV-Loonland-Aktie ist verflogen

Dass ein Filmunternehmen am Neuen Markt seine Vorhersagen verfehlt ist nichts Neues. Doch TV Loonland galt als vergleichsweise sichere Bank.

MÜNCHEN. Das Vorwort zum Geschäftsbericht haben die Vorstände der TV Loonland AG offenbar geschrieben, bevor sie ihre eigenen Zahlen kannten. "Auch in einem schwierigen Markt wurden die Gewinnziele voll erreicht," zeigen sich Vorstandschef Peter Völkle und Finanzvorstand Carl Woebcken zufrieden. Einige Seiten später liest sich das ganz anders: Denn der am Neuen Markt notierte Trickfilmproduzent und Rechtevermarkter hat seine Prognosen für 2001 meilenweit verfehlt.

Statt der geplanten 13,3 Mill. Euro Gewinn blieben unterm Strich nur 9 Mill. übrig. "Eine Überraschung", wie Woebcken vergangene Woche vor der Presse zugeben musste. Ausschlaggebend für das miese Resultat sei "zu 90 Prozent" die koreanische Tochter SRE gewesen. Eigentlich wollten die Münchener das Unternehmen letztes Jahr an die Börse bringen. Das Vorhaben scheiterte, TV Loonland blieb auf hohen Kosten und vielen Filmrechten sitzen, die weit weniger wert waren als gedacht.

Dass ein Filmunternehmen am Neuen Markt seine Vorhersagen verfehlt ist nichts Neues. Fast alle Medienunternehmen mussten ihre Prognosen kräftig nach unten korrigieren. Viele schlitterten sogar tief in die roten Zahlen. Selbst Filmproduzenten wie Constantin und Internationalmedia kamen ins Schlingern. TV Loonland jedoch galt als vergleichsweise sichere Bank.

Daran habe sich auch durch das Debakel in Korea nicht viel geändert, ist Karsten Siebert von Independent Research überzeugt: "TV Loonland gehört schon zu den soliden Medienwerten", sagt der Analyst. Dass die Münchener ihr früheres Kursniveau wieder erreichen, glaubt der Medienexperte allerdings nicht.

Derzeit notiert die Aktie bei 9,30 Euro. Zum Vergleich: Vor Jahresfrist stand das Papier zeitweise bei 37 Euro. Der Kursverfall ist auch ein Zeichen für das schwindende Interesse der Anleger an Filmwerten allgemein. ABN-Amro-Experte Ralf Stromeyer hat die Aktie schon aus seiner Liste gestrichen: "Wir haben die Coverage aufgegeben, denn die Marktkapitalisierung ist zu gering." Das Unternehmen ist auf dem Parkett derzeit 67 Mill. Euro wert.

Die meisten Analysten, die sich noch um TV Loonland kümmern, erwarten keine großen Sprünge. "Das Marktumfeld ist nach wie vor schwierig", betont Siebert und "es ist nicht auszuschließen, dass der Margendruck bei TV-Rechten weiter zunimmt."

Unternehmensgründer Völkle verspricht, dass Umsatz und Ertrag im laufenden Jahr um 15 bis 20 % steigen werden. Außerdem erhofft er sich Chancen durch die Kirch-Krise. Bislang haben Kirchs TV-Sender ihr Kinderprogramm fast ausschließlich bei EM.TV eingekauft. Kirch und EM.TV betreiben zusammen ein Unternehmen für Kinderfilme. Jetzt könnten auch unabhängige Anbieter bei Pro Sieben und Sat 1 zum Zug kommen, hofft Völkle. "Ob und in welchem Maß Verkäufe an die Pro Sieben Sat 1 AG wirklich einen Schub bringen würden, hängt stark von der Größenordnung und den Preisen solcher Deals ab", unterstreicht Analyst Siebert. Offen sei auch, ob Pro Sieben sich nicht längerfristig an EM.TV gebunden hat und deshalb für TV Loonland nur geringe Chancen bestünden.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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