Schwieriges Netzwerk-Geschäft
Siemens setzt hohe Ziele für den Mobilfunk

Siemens hegt für seine Mobilfunk-Sparte große Pläne. Sowohl bei Handys als auch im Netzgeschäft sollen die Marktanteile deutlich steigen. Fraglich ist aber, ob man die Renditeziele erreicht.

MÜNCHEN. Rudi Lamprecht, Chef der Siemens-Mobilfunksparte, wagt den Aufbruch. Von April an bringt Siemens Mobiltelefone unter dem Namen "Xelibri" auf den Markt, die sich als modische Accessoires gezielt an junge Kunden richten. Für den technikverliebten Siemens-Konzern ist das ein Novum. Bisher hatte das Unternehmen auch im Handy-Geschäft den Schwerpunkt auf Technologie gelegt. Bei "Xelibri" will Siemens nun vor allem im Marketing und mit seiner logistischen Kompetenz punkten.

Die neue Linie soll Impulse für den Handy-Absatz bringen. Wie viel Siemens für "Xelibri" ausgeben wird, will Lamprecht jedoch nicht verraten. Nur so viel: "Wir haben in Xelibri im Vergleich zu den Investitionen im gesamten Bereich einen sehr überschaubaren Betrag investiert." Die "Xelibri"-Initiative ist auch eine Flucht nach vorne: Der Siemens-Bereich Mobilfunk steht stark unter Druck, bis Ende 2004 muss Lamprecht die Margenvorgaben von Konzernchef Heinrich von Pierer erfüllen, das heißt eine Rendite von 8 bis 11 % erzielen. Der Weg ist noch weit, im abgelaufenen Quartal lag die Marge erst bei gut 2 %.

Zwar hat Lamprecht ein Jahr mehr Zeit als ein Großteil der anderen Siemens-Geschäftsgebiete, um die Vorgaben des Konzernchef zu erfüllen. Doch bleibt die Aufgabe alles andere als einfach. Denn an einen durchgreifenden Aufschwung der Branche glaubt keiner.

Vergleichsweise gut sieht es noch bei Mobiltelefonen aus. Im abgelaufenen Quartal erzielte Siemens - hinter Nokia, Motorola und Samsung weltweit die Nummer vier - mit elf Millionen Handys einen Rekordabsatz. So stand am Ende des Quartals ein Gewinn von 52 Mill. Euro in der Sparte zu Buche. Aber der Durchschnittspreis für Siemens-Telefone rutschte zuletzt von 125 auf 119 Euro. Zum Vergleich: Auch Nokia musste beim Preis nachgeben, kommt aber auf immer noch 146,50 Euro (nach 171,10 Euro). In der gesamten Branche gingen die Preise im vergangenen Jahr um 5 % in den Keller.

Um den Gewinn nach oben zu bringen, muss Siemens wegen des Preisdrucks den Absatz kräftig steigern. Oppenheim-Analyst Frank Rothauge hat errechnet, dass der Konzern rund 50 Mill. Handys verkaufen muss, um das Margenziel von 8 % zu erreichen. 2002 lag der Absatz bei nur 35 Mill. Deshalb hat Lamprecht das Ziel, den Marktanteil von momentan gut 8 % auf 15 % bis Ende 2004 zu steigern, wie aus internen Papieren hervor geht.

Zu kämpfen hat Siemens auch im Geschäft mit Mobilen Netzen, dem zweiten großen Bereich der Sparte. Die Telekomkonzerne müssen sparen und fahren ihre Investitionen seit zwei Jahren massiv zurück. Lag der Weltmarkt für mobile Netze 2001 noch bei rund 60 Mrd. Euro, waren es 2002 nur noch 45 Mrd. Euro. Und für das laufende Jahr rechnen Analysten mit einem weiteren Rückgang. Alle haben mit dem Problem zu kämpfen: Wettbewerber wie Lucent oder Nortel mussten bereits Milliarden-Verluste verkraften. Und Ericsson, Weltmarktführer bei mobilen Netzen, hat gerade den siebten Quartalsverlust in Folge ausgewiesen. Der Chef des schwedischen Konzerns, Kurt Hellström, zeigte sich Anfang der Woche zwar überzeugt, dass der schlimmste Einbruch vorbei sei. Er betonte jedoch, dass der Markt nach wie vor "unberechenbar" sei.

Siemens hat sich noch relativ gut geschlagen: So konnte das Unternehmen seinen Marktanteil im vergangenen Jahr bei Mobilfunk-Netzen von 9,4 % auf 12 % steigern. Doch alleine im abgelaufenen Quartal fiel ein Verlust von 25 Mill. Euro an. Ein neues Sparprogramm soll die Kosten nochmals um 700 Mill. Euro reduzieren. Das interne Ziel: ein Weltmarktanteil von 18 % bis 2004 (derzeit 12 %). Oppenheim-Analyst Rothauge meint, Siemens sei gut positioniert, erwartet aber, dass bei mobilen Netzen das Margenziel erst 2006 erreicht wird.

Die nächste Bewährungsprobe hat Lamprecht schon Mitte Februar zu bestehen. Dann werden in London die ersten "Xelibri"-Geräte vorgestellt.

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