Schwieriges zweites Halbjahr droht
Pharmamarkt verliert an Dynamik

Die US-Arzneimittelhersteller haben im zweiten Quartal ihre Gewinne gesteigert. Dennoch verliert die Branche an Dynamik. Gerade beim Verkauf der umsatzstärksten Mittel zeigen sich Bremsspuren.

DÜSSELDORF. Die großen US-Pharmakonzerne haben ihren Wachstumskurs im zweiten Quartal 2002 beibehalten und präsentieren sich damit in einer wesentlich besseren Verfassung als Unternehmen aus der Technologie- oder Chemiebranche. Das zeigen die jüngst vorgelegten Quartalszahlen der Unternehmen. Nach Berechnung des Handelsblatts legten die acht größten US-Arzneimittelhersteller im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beim Gewinn um durchschnittlich 15 % zu, beim Umsatz um 9 %.

Allerdings hat die Branche damit zwischen April und Mai mit Blick auf die hohen Wachstumsraten aus dem vergangenen Jahr weiter an Dynamik verloren. Die Großkonzerne mussten offenbar, wie sich bereits im ersten Quartal abzeichnete, Marktanteile an kleine und mittelgroße Konkurrenten abgeben. Vor allem die umsatzstarken älteren Arzneimittel vieler Hersteller haben an Boden verloren.

Diese Rückgänge zeigten sich auch beim gestern veröffentlichten Ergebnis der Pharmacia Corp., Paepack/New Jersey. Dem viertgrößten US-Pharmakonzern gelang es, im zweiten Quartal den Gewinn um 20 % auf 844 Mill. $ zu steigern. Der Erlös legte um 5 % auf 5,4 Mrd. $ zu. Das umsatzstarke Arthritis-Medikament Celebrex verzeichnete aber im Vergleich zum Vorquartal nur ein Plus von 9 %, nachdem es zuvor im Schnitt um 16 % wuchs.

Pharmacia erfüllte mit dem Quartalsergebnis aber ebenso die Erwartungen der Analysten wie Konkurrent Bristol-Myers Squibb New York. Dessen Gewinn stieg zwischen April bis Juni um 10 % auf 1,1 Mrd. $, der Umsatz legte um 7 % auf 4,7 Mrd. $ zu. Während bei der Nummer drei in den USA das bedeutende Krebsmittel Taxol schwächer wuchs, gelang mit dem Diabetes-Mittel Glucophage ein Plus von 54 %.

Trotz weiterer Zuwächse steht die Branche vor schwierigen Zeiten. Immer mehr Konzerne müssen die Markteinführung neuer Produkte verschieben, weil die US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung der Medikamente derzeit wesentlich stärker und länger prüft. Davon ist neben Pfizer und Pharmacia auch die Schering-Plough Corp. Kenilworth/New Jersey, betroffen. Die Nummer sieben auf dem US-Markt meldete gestern für das zweite Quartal eine Stagnation beim Gewinn von 634 Mill $ und beim Umsatz von 2,83 Mrd. $.

Pharmakonzerne sind auf das anhaltende Umsatzwachstum bedeutender Produkte und auf die erfolgreiche Neueinführungen angewiesen. "Wenn es daran mangelt, müssen die Unternehmen auf die Kostenbremse treten, damit sie die Gewinnziele erreichen können", sagt Mike Krensavage, Analyst beim US-Brokerhaus Raymond James.

Geringere Zuwächse bei Hauptpräparaten haben auch die Marktführer Merck & Co. und Pfizer gemeldet. Druck auf die Umsätze spüren die Konzerne auch, weil der Patentschutz einiger Medikamente endet und Konkurrenz von billigen Nachahmern droht. So kündigte die Eli Lilly Co. für das Gesamtjahr nur einen einstelligen Gewinnzuwachs an, da der Schutz für das erfolgreiche Antidepressiva Prozac im August ausläuft. Im zweiten Quartal hatte Lilly den Ertrag noch um 24 % gesteigert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%