Schwierigkeiten auf dem Heimatmarkt
Mitsubishi Motors kämpft mit Absatzproblemen

Der Autohersteller Mitsubishi Motors (MMC) wird auf seinem japanischen Heimatmarkt in diesem Geschäftsjahr weniger Fahrzeuge verkaufen, als im Mai 2002 noch prognostiziert. Der neue Vertriebschef Eiji Iwakuni sagte am Montag in Tokio, bis zum Ende des Geschäftsjahres sei ein Absatz von 380 000 bis 400 000 Personenwagen angepeilt. Dies wären 2,5 bis 7,3 % weniger als noch im Mai vorhergesagt.

brb/bas STUTTGART/TOKIO. Der deutsch-amerikanische Konzern Daimler-Chrysler, der mit gut 37 % am viertgrößten japanischen Autohersteller beteiligt ist, will mögliche niedrigere Verkaufszahlen nicht als Rückschlag sehen. Ein Konzernsprecher betonte, dass Daimler-Chrysler an der Aussage festhalte, die bei der Vorlage der Halbjahreszahlen Mitte Juli gemacht wurde. Damals hieß es, MMC werde seine Profitabilität im laufenden Geschäftsjahr verbessern. Das japanische Unternehmen ist ein Sanierungsfall und war erst im vergangenen Jahr in die Gewinnzone zurückgekehrt.

MMC hatte sich für dieses Geschäftsjahr (Ende: 31. März 2003) in der Pkw-Sparte vorgenommen, nach sieben Jahren rückläufiger Verkaufszahlen auf einen Wachstumspfad zurückzukehren. Das Unternehmen hoffte im Mai noch auf ein leichtes Absatzplus von 1,2 %. Der erneute mögliche Absatzrückgang ist für Analysten nicht verwunderlich. "MMC hat in Japan ein großes Imageproblem", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Solange das Unternehmen keine neuen verkaufsstarken Fahrzeugmodelle auf den Markt bringen kann, werde es auch das schlechte Image nicht los", ergänzte er.

Mit Imageproblem kämpft MMC bereits seit zwei Jahren. Damals hatte das Unternehmen einräumen müssen, seit 1977 Fahrzeugmängel systematisch verschwiegen und nicht an die japanischen Aufsichtsbehörden gemeldet zu haben. MMC musste damals zwei Millionen Fahrzeuge zurückrufen, was einen großen Skandal verursachte. Daimler-Chrysler hatte daraufhin den deutschen Manager Rolf Eckrodt zu MMC geschickt, damit er die Qualitätsprobleme beseitigt und MMC saniert. Eckrodt ist jetzt Chef des Unternehmens.

Anhaltende Qualitätsprobleme

Doch MMC hat noch immer Qualitätsprobleme. Erst in der vergangenen Woche musste das Unternehmen eingestehen, dass es 676 741 Kleinwagen der Marken Minica and Minica Toppo wegen möglicher defekter Batteriekästen zurückrufen werde.

Die Daimler-Chrysler-Aktie verlor am Montag etwa 2 % an Wert und notierte am Abend bei 41,10 Euro. Analyst Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheim sieht keinen direkten Zusammenhang zu den MMC-Verkaufszahlen. Er macht für den Kursverlust die allgemeine negative Stimmung am Markt verantwortlich, die den Autosektor belaste.

Positiv kommentierten Analysten vor allem die Aussage von MMC-Vertriebschef Iwakuni, dass die Pkw-Sparte im nächsten Geschäftsjahr die Gewinnzone erreichen werde. Iwakuni setzt dabei große Hoffnungen auf den neuen Kleinwagen Colt, der im November dieses Jahres auf den Markt kommen soll. Das ist das erste neue Modell seit vielen Jahren. "Wir müssen diesen Ball ins Tor schießen", sagte Iwakuni. Der Vertriebschef betonte, in drei Jahren müsse MMC wieder auf festen Beinen stehen. Der Wettbewerb werde in dieser Zeit noch stärker. Bis dahin steht für MMC noch allerhand Arbeit an. Das Unternehmen müsse mindestens 450 000 Fahrzeuge in Japan verkaufen, um auch auf dem Heimatmarkt wieder profitabel zu werden, so Iwakuni.

Händlernetz soll ausgedünnt werden

Zur weiteren Kostenreduzierung will Iwakuni das Händlernetz ausdünnen. Derzeit verkauft MMC seine Fahrzeuge in Japan über zwei getrennte Vertriebskanäle mit 1 100 Händlern. Iwakuni schloss nicht aus, einen dieser beiden Kanäle komplett aufzugeben, damit auch die Händler wieder in die Gewinnzone kommen können. Bis Jahresende soll eine endgültige Entscheidung fallen.

Einen ersten Erfolg konnte MMC bereits im Geschäftsjahr 2001/2002 vorweisen. Nach drei Verlustjahren wies das japanische Unternehmen wieder einen kleinen Betriebsgewinn aus. Eckrodts Sanierungspläne scheinen erste Früchte zu tragen. Jedoch hat der schwache Yen-Kurs im Exportgeschäft sehr geholfen. Das nach wie vor stabile US-Geschäft dürfte auch dieses Jahr wieder die Stütze für MMC sein.

Ob die Sanierung von MMC letztlich gelingt, wird sich erst mit den neuen Modellen herausstellen. Beim japanischen Konkurrenten Nissan gilt die Sanierung bereits als gelungen. Vor gut drei Jahren hatte sich Renault mit mehr als 36 % an Nissan Motor beteiligt - also in ähnlicher Größenordnung wie Daimler-Chrysler Anteile an Mitsubishi hält. Nach mehreren Verlustjahren in Folge schreibt Nissan wieder schwarze Zahlen. Nissan hilft derzeit sogar dem französischen Allianz-Partner: Von den 894 Mill. Euro Reingewinn, die Renault in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verdient hat, kommt fast die Hälfte von Nissan aus Japan.

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