Schwierigkeiten bei der Steuererklärung
Kapitalerträge - die Last der Steuerzahler

Alljährlich dasselbe Problem: Wie erstelle ich meine Steuererklärung richtig, vor allem, wenn es um die Anlagen für die Kapitalerträge geht? "Otto- Normalverbraucher" kann hier leicht den Überblick verlieren.

MÜNSTER. Die Erklärung von Kapitalerträgen ist kein Zuckerschlecken. Insbesondere dann, wenn es um das Ausfüllen der Anlagen für die erzielten Zins- und Dividendeneinnahmen geht, verzweifeln viele Bürger angesichts der Vielzahl von Belegen, die ihnen die Banken und Sparkassen zum Jahresanfang zusenden. Dem Bearbeiter im Finanzamt stehen - zumindest in NRW - häufig eigens geschulte Ansprechpartner (kurz auch als "Bankenbeauftragte" bezeichnet) zur Verfügung - dem Steuerpflichtigen dagegen nicht. Diesem hilft nur der Gang zum Bankberater oder etwa ein Blick auf die Homepage des Bundesverband Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungs- Gesellschaften e.V. (unter: www.bvi.de).

Grundsätzlich gilt: Eine Versteuerung von Zinsen und Dividenden setzt nur ein, wenn die speziellen Freibeträge für Kapitalvermögen von derzeit 1 550 Euro (2001 noch 3 000 DM) bei Ledigen und 3 100 Euro (2001 noch 6 000 DM) bei zusammenveranlagten Ehegatten zuzüglich des Werbungskostenpauschbetrag von 51 Euro/102 Euro (2001 noch 100/200 DM) überstiegen werden.

Nicht zu den Einnahmen gehören im Jahr des Erwerbes von festverzinslichen Wertpapieren die so genannten Stückzinsen. Dies sind die bis zum Tag des Kaufs bereits beim Verkäufer des festverzinslichen Wertpapiers angefallenen, aber noch nicht ausgezahlten Zinsen. Beim Käufer des Wertpapiers führen diese zu negativen Einnahmen aus Kapitalvermögen. Er hat die gezahlten Stückzinsen vor eventuell angefallenen Werbungskosten von den gezahlten Zinsen abzuziehen. Dies führt dazu, dass der Käufer grundsätzlich neben dem Werbungskostenpauschbetrag weitere Ausgaben von seinen Zinseinnahmen abziehen kann. Der Verkäufer der festverzinslichen Wertpapiere hat die ihm vom Erwerber der Wertpapiere gezahlten Stückzinsen als Einnahmen aus Kapitalvermögen wie sonstige Zinsen anzusetzen.

Werden Anteile an inländischen Investmentfonds erworben, so treten an die Stelle der Stückzinsen die so genannten Zwischengewinne. Diese setzen sich zusammen aus den im Fondsvermögen aufgelaufenen Zinsansprüche aus Bankguthaben und Wertpapieren, aus den Gewinnen von Termingeschäften nach dem 31. März 1999 mit einer mehr als einjährigen Laufzeit sowie aus den Zuschreibungserträgen von im Fondsvermögen befindlichen Zerobonds. Sie werden von der Fondsgesellschaft bzw. der Bank gesondert ausgewiesen.

Von Stückzinsen und Zwischengewinnen ist der "Stückzinstopf" zu unterscheiden. Auf diesen wird in den An- und Verkaufsbelegen wie auch den Erträgnisgutschriften verwiesen. Er ist im Rahmen der Erstellung der Einkommensteuererklärung unbeachtlich. Es handelt sich "nur" um eine besondere Technik des depotführenden Kreditinstituts, die richtige Zinsabschlagsbesteuerung durchzuführen.

Soweit der private Anleger oder sein Investmentfonds Wertpapiere im Ausland hält, fallen dort Erträge und ggf. Quellensteuern an. Diese ausländischen Quellensteuern können auf die deutsche Einkommensteuer anrechenbar sein. Da die Anrechnung nur im Verhältnis der ausländischen Einkünfte zu den inländischen Einkünften erfolgt, setzt dies voraus, dass meist hohe ausländische Einkünfte vorliegen müssen. Weiter ist zu beachten, dass die Quellensteuer in der Regel nur bis zu 15% der Einnahmen anrechenbar ist. So regeln es eine Vielzahl von Doppelbesteuerungsabkommen. Die Auszahlung der darüber hinaus einbehaltene Quellensteuer muss der Steuerpflichtige bei der zuständigen ausländischen Finanzbehörde beantragen. Hier helfen die depotführenden Kreditinstitute weiter. Sollten die ausländischen Quellensteuern auf Grund der geringen Höhe der ausländischen Einnahmen nicht zur Steueranrechnung führen, so können diese alternativ als Werbungskosten abgezogen werden.

Bei einigen Staaten gewährt das deutsche Finanzamt die Anrechnung von fiktiven Quellensteuern, etwa im Falle von Argentinien, Brasilien, Portugal und bei Staatsanleihen und staatlichen Schatzanweisungen der Republik Türkei. Es handelt sich dabei um eine Art Entwicklungshilfe der deutschen Finanzbehörden für den ausländischen Staat. Wichtig zu wissen ist, dass diese fiktive Quellensteuer nicht in allen Steuerbescheinigungen von Banken und Sparkassen ausgewiesen sind. Hier ist häufig ein Blick in die Erträgnisaufstellung oder die einzelnen Belege sinnvoll.

Der Autor ist Regierungsrat, zurzeit abgeordnet an das Finanzgericht Münster.

Quelle: Handelblatt

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