Schwierigkeiten in den liberalisierten Strom-Märkten in Spanien und Italien
Eon sieht Wachstumschancen eher in USA als in Südeuropa

Der Energiekonzern Eon AG sieht nach seinem angekündigten Einstieg auf den US-amerikanischen Strommarkt dort gegenwärtig realistischere Expansionschancen als etwa in Südeuropa.

Reuters DÜSSELDORF. Angesichts der Schwierigkeiten, denen ausländische Unternehmen auf den zunehmend liberalisierten Strom-Märkten in Spanien und Italien ausgesetzt seien, sei "Amerika aktuell im Prinzip der interessantere Markt", sagte E.ON-Chef Ulrich Hartmann am Dienstagabend in Düsseldorf. Vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung bekräftigte er die Absicht, die zum Verkauf stehenden Tochterfirmen, wie beispielsweise den Chemiekonzern Degussa, nicht in Teilen sondern nur als Ganzes abzugeben.

In den USA habe E.ON als reine Publikumsgesellschaft verglichen mit anderen großen europäischen Konkurrenten sogar einen Wettbewerbsvorteil, sagte Hartmann. Per Gesetz ist dort fremden staatlichen oder halbstaatlichen Unternehmen der Zugang zum Energiemarkt versperrt. Damit dürften die in Staatsbesitz befindliche Electricite de France (EdF), aber auch die Essener RWE AG mit ihrem Anteil kommunaler Aktionäre auf absehbare Zeit als Wettbewerber ausfallen. Der E.ON-Markteintritt in die USA wird von der dortigen Börsenaufsicht SEC derzeit geprüft. E.ON will den britischen Versorger Powergen übernehmen, der seinerseits den US-Versorger LG&E besitzt.

Die SEC wird nach Hartmanns Worten in Kürze auch darüber entscheiden, ob E.ON nach der Powergen-Übernahme sein Wassergeschäft auf die USA ausdehnen darf. Darüber werde es eine Grundsatzentscheidung geben. Klar sei, dass E.ON sein bisheriges Wassergeschäft auf jeden Fall behalten dürfe. In der Hierarchie der auszubauenden Kerngeschäfte liege Wasser aber unverändert nach Strom und Gas auf Platz drei. E.ON hatte im vorigen Sommer mit dem im Wassergeschäft führenden französischen Mischkonzern Suez Fusionsverhandlungen geführt und später abgebrochen.

In Spanien sei E.ON unverändert an einem Markteinstieg interessiert und in Italien "im Prinzip" auch, sagte Hartmann. Allerdings trieben die zahlreichen ausländischen Interessenten die Preise hoch. "Wenn sich keine vernünftigen Gelegenheiten bieten, dann werden wir das ruhen lassen", sagte Hartmann. Konkurrent RWE hatte im Frühjahr vergeblich versucht, den viertgrößten spanischen Versorger Hidroelectrica del Catabrico zu kaufen und mit den komplizierten spanischen Börsenregeln Bekanntschaft gemacht. In Italien versucht der Energiekonzern Montedison zur Zeit, den Einfluss der EdF bei sich einzuschränken.

Hartmann bekräftigte die Absicht, die Degussa spätestens bis 2007 auszugliedern. "Aus heutiger Sicht wahrscheinlich ist ein kompletter Börsengang", sagte der E.ON-Chef. Denkbar sei aber auch ein Verkauf an einen seriösen Finanzinvestor. Auszuschließen sei dagegen ein Verkauf einzelner Geschäftsteile. Das gelte auch für die im Ölgeschäft tätige Tochter Veba Oel. Auch hier sei beispielsweise die Herauslösung der Tankstellenkette Aral kein Thema. Für Veba Oel such E.ON schon seit längerem nach einem Käufer. In diesem Prozess gibt es Hartmann zufolge "keine Fortschritte zu berichten".

Einen Tag nach Unterzeichnung des Atomkompromisses zwischen der Stromwirtschaft und der Bundesregierung zeigte sich Hartmann am Dienstag zudem überzeugt, dass sich die Stromkonzerne an die Ausstiegsvereinbarung halten. "Wir spekulieren nicht auf eine neue Regierung", sagte er. CDU-Fraktionschef Friedrich Merz zuvor erklärt, die Union werde im Falle eines Sieges bei der Bundestagswahl 2002 den Atomausstieg wieder rückgängig machen.

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