Schwierigste Situation als Teamchef
Völler wird wieder handzahm

Vor zehn Tagen ist Rudi Völler ausgerastet, doch jetzt besinnt er sich wieder auf seine zahme Seite. Der DFB-Teamchef kündigte in der ARD-Talkshow "Beckmann" an, dass er in den nächsten Wochen das Gespräch mit Günter Netzer suchen will, der nach dem 0:0 der deutschen Fußball-Nationalelf in Island als Analytiker neben ARD-Reporter Gerhard Delling die Brandrede Völlers mit ausgelöst hatte.

HB BERLIN. Der 43-jährige einstige Weltklasse-Stürmer blieb zwar weiterhin dabei, dass er bei seinem emotionalen TV-Auftritt den "Kernpunkt" angesprochen habe: "Aber man muss sich auch wieder vertragen können."

Völler wollte zwar nicht ausschließen, dass sich ein Ausbruch wie auf Island wiederholen kann. "Es hat Formen angenommen, die manchmal schwer zu ertragen sind", erneuerte er den Vorwurf, dass sein Team teilweise überzogen kritisiert werde. Aber in Zukunft werde er ähnlich klare Ansprachen wieder "in den eigenen vier Wänden" halten. Zudem meinte der Teamchef: "Ich habe nicht jede Woche einen jähzornigen Auftritt."

Vor allem den Konflikt mit Netzer möchte Völler "ohne großen Medienrummel" ausräumen: "Es ist nicht so, dass ich nicht schlafen kann. Aber ich bin nicht der Typ, dem das gefällt." Das mit dem Standfußballer sei "ein bisschen zu extrem und natürlich Blödsinn" gewesen. Vor allem die Worte "Tiefpunkt" und "Abendunterhaltung" von Netzer-Partner Delling hätten ihn gereizt: "Der Günter ist ein bisschen auf diesen Zug mit aufgesprungen."

Der öffentliche Rummel nach seinem Wutausbruch sei für ihn die schwierigste Situation seit dem Amtsantritt als Teamchef im August 2000 gewesen, gab der oberste deutsche Fußball-Lehrer erstmals zu. "Ja, weil es eine Phase war, in der ging es nicht mehr nur um Siege und Niederlagen", sagte Völler auf eine entsprechende Frage von Reinhold Beckmann. An die öffentliche gesellschaftliche Einordnung seiner Person gleich nach Bundeskanzler und Bundespräsident habe er sich inzwischen gewöhnt: "Man lernt, damit umzugehen." Doch dieses Mal, "das war ein anderer Charakter", meinte "Rudi Nazionale".

Lange hatte er sich mit seiner Frau Sabrina beraten, ob er die Einladung von Beckmann überhaupt annehmen soll. "Sie leidet gnadenlos mit", verriet Völler. Zu sehr hatten die Diskussionen berührt und auch belastet. "Ich laufe jetzt nicht mit der Fahne durch Deutschland und sage, ich habe alles richtig gemacht", meinte Völler. Am Talk- Tisch ließ er weit weniger Gefühle und Emotionen aus sich heraus als zehn Tage zuvor. Auch die Debatte um Frisur und Schnauzer entlockte ihm lediglich Bekanntes. Völler machte vor allem deutlich: "Ich spiele ja keine Rolle, so bin ich."

Nur bei der Geschichte von seinem Vater Kurt, der im September 2001 während des 1:5-Spiels gegen England im Münchner Olympiastadion einen Herzinfarkt erlitten hatte, kam Völler wirklich ins Erzählen. "Seitdem geht er bei Länderspielen meist spazieren", berichtete der Sohn über das neue Leben seines Vaters. Nach der Wutrede habe er erst ganz vorsichtig bei Mutter Völler angerufen, ob es dem Papa auch gut gehe. "Aber es war alles gut. Er hat mich zwar nicht gelobt für den Auftritt, aber auch nicht ausgemeckert", plauderte der Teamchef.

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