Schwimmen
Vorsprung durch Technik

Schwimmen ist seit 1896 olympische Disziplin. Nie zuvor aber sind reihenweise derart große Leistungssprünge gemessen worden wie in diesem Jahr. Ein Weltrekord jagt den anderen. Bleibt die Frage nach dem Ursprung dieser Leistungsexplosion.

PEKING. Es ist eines dieser Bilder, die im Gedächtnis haften bleiben werden: Als Michael Phelps die Eins auf der Anzeigetafel erkennt, spannt sich sein Körper und er schreit seine Befreiung raus. Noch bei der letzten Wende dieses Staffelrennens hatte er nicht mehr damit gerechnet, dass sein Kollege Jason Lezak den Franzosen Alain Bernard einholen würde. Auch Lezak selbst habe nicht mehr daran geglaubt, erzählt er später. Dann aber habe er sich gedacht: "Hey, es sind Olympische Spiele, und ich schwimme hier für die Vereinigten Staaten". Also machte er sich an die Verfolgung und stellte den Franzosen mit dem letzten Armzug.

Er sei Lezak so dankbar, sagte Phelps, der damit bereits zwei seiner anvisierten acht Goldmedaillen gewonnen hat. "Wenn ich hier wirklich achtmal gewinnen sollte, dann hat Jason einen enormen Anteil daran. Er hat einen unglaublichen Job gemacht", sagte der 23-Jährige.

Egal, wie viele Medaillen Phelps am Sonntag mit ins heimische Baltimore nehmen wird, dieses 4 x 100 Meter-Freistil-Finale hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern dieses Sports sicher. Nicht, weil US-Präsident George W. Bush, ausgerüstet mit der amerikanischen Flagge, auf der Tribüne kein Halten kannte. Sondern, weil die ersten fünf Staffeln den Weltrekord, den die Amerikaner erst im Vorlauf aufgestellt hatten, abermals unterboten. Sie selbst verbesserten ihre Bestmarke um 3,99 Sekunden, sogar für Michael Phelps "unvorstellbar".

Elf der 32 Schwimmer blieben - auch wenn nur die Zeiten der Startschwimmer offiziell anerkannt werden - unter Bernards altem 100-Meter-Weltrekord, den Eamon Sullivan, der die australische Staffel anschwomm, letztlich um 0,26 Sekunden auf 47,24 Sekunden verbesserte. So etwas habe er noch nie gesehen, staunte US-Staffeltrainer Eddie Reese.

Nicht nur Reese reibt sich im National Aquatic Center nach fast jedem Rennen verwundert die Augen. Schwimmen ist seit 1896 olympische Disziplin, nie zuvor aber sind reihenweise derart große Leistungssprünge gemessen worden wie in diesem Jahr. Die Anzahl der Weltrekorde hat dabei längst die Dimension einer galoppierenden Inflation erreicht. Mit den gestrigen Bestleistungen von Federica Pelligrini (Italien, 200-Meter-Freistil), Kirsty Coventry (Zimbabwe, 100-Meter-Rücken) und Kosuke Kitajima (Japan, 100-Meter-Brust) sind in den ersten beiden Pekinger Wettkampftagen bereits acht Weltrekorde gefallen. Rechnet man die Kurzbahnwettbewerbe mit ein, ergibt das allein in diesem Jahr 60.

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