Scott feierte rauschende M&A-Deals
Mannesmann war sein Meisterstück

In Deutschland kennt man ihn als den Financier, der die Übernahme des Traditionsunternehmens Mannesmann durch die britische Vodafone ausgetüftelt hat. In der Telekom - und Medienbranche kennt man ihn als den Investmentbanker, der bei nahezu jedem wichtigen M & A-Deal die Hand im Spiel hatte. Jetzt ist Schluss: E. Scott Mead, der Leiter des Telekom - und Medienteams bei Goldman Sachs, zieht sich aus dem Finanzgeschäft zurück. Privatier will er werden und später vielleicht Politiker.

WSJ NEW YORK. Über vier Jahre lang - 1998 bis Ende 2002 - hatte Mead die Abteilung Telekom, Medien, Entertainment und Technologie geleitet. Ein enges Verhältnis hatte er zum Vodafone-Chef Chris Gent, der den Mobilfunker seit 1997 auf einen ehrgeizigen Akquisitionspfad führte und den Marktwert von 7,6 auf 89,7 Mrd. £ steigerte. Fast 300 Mrd. $ nahmen die beiden für Übernahmen in die Hand. Die erfolgten fast immer nach dem selben Muster: Die übernommenen Unternehmen wurden zerlegt; der Bereich Mobilfunk wurde behalten, der Rest verkauft, um die Übernahme zu finanzieren.

Fast zeitgleich gehen die beiden Weggefährten nun von Bord: Mead verlässt Goldman Sachs Ende Juni, im Juli zieht Gent sich bei Vodafone aus dem Tagesgeschäft zurück.

An die rauschenden M&A-Deals in den späten 90er-Jahren denkt Mead noch gern zurück. Am Neujahrstag 1999 saß er mit seiner Frau und seinen beiden einjährigen Zwillingen zu Hause und telefonierte mit Gent, der gerade in Sydney auf den Anpfiff eines Kricket-Spiels wartete - England gegen Australien. Mead verriet Gent, dass der Vorstand von Air-Touch zusammenkomme, um eine Übernahme der Bell Atlantic Corp. zu beraten. "Übers Wochenende bastelten wir einen 65-Mrd.-$-Deal", erzählt Mead. "Ich war sowieso die ganze Nacht mit den Zwillingen wach, da waren die Telefonkonferenzen zwischen Australien und den USA rund um die Uhr kein Problem".

Der Air-Touch-Deal war nur das Gesellenstück. Sein Meisterstück wurde die Übernahme des deutschen Traditionsunternehmens Mannesmann: mit 182 Mrd. $ die größte feindliche Übernahme der Wirtschaftsgeschichte.

"Mead prägte den Satz, dass man in unserer heutigen Welt nur Jäger oder Gejagter sein kann", sagt Gent. "Du entscheidest Dich entweder, einer der Weltmarktführer zu werden, oder es bleibt Dir nur noch übrig, zum Teil eines Weltmarktführers gemacht zu werden."

Hunderte von Millionen fielen bei dieser Jagd für Mead und seine Bank ab. Als seine Sekretärin Anfang 2002 mehrere Millionen Pfund von seinem privaten Girokonto abräumte, bemerkte Mead dies monatelang nicht. Zu dem Zeitpunkt war die aufregende Zeit im Investmentbanking aber bereits vorbei.

Mead will sich zunächst sozialen und karitativen Aufgaben widmen und später vielleicht in die Politik gehen. Die Krebsforschung ist sein Steckenpferd, seit sein heute elfjähriger Sohn als Baby an Leukämie erkrankte und die Krankheit besiegte. "Ich denke, es ist an der Zeit, etwas für die Dinge im Leben zu tun, die mir wirklich viel bedeuten", sagte Mead.

Am Geld wird es ihm nicht fehlen. Als Partner bei Goldman Sachs hat er beim Börsengang 1999 mitkassiert. Auf 100 Mill. $ wird sein Vermögen heute geschätzt.

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