Scottish & Newcastle baut Pub-Geschäft um und will international wachsen - Analysten fordern Verkauf der gesamten Sparte
Britischer Brauer gibt kleine Kneipen ab

Der britische Brauriese Scottish & Newcastle konnte nur durch Zukäufe wachsen. Am Biermarkt gerät die Gruppe aber weiter unter Druck. Gerüchte um Kaufabsichten von Beck?s werden dementiert.

and LONDON. Die größte britische Brauerei, Scottish & Newcastle Plc (S & N), will weiter abspecken: Nach dem Verkauf der Center Parcs Freizeitanlagen soll auch die Zahl der Gaststätten reduziert werden. Chairman Brian Stewart kündigte gestern bei der Vorlage der Halbjahresbilanz an, er werde im Januar eine Strategie für das Pub-Geschäft vorlegen. S & N wolle von seinen 2700 Pubs vor allem die kleineren verkaufen.

Eine komplette Trennung des Pub- vom Braugeschäft wie bei anderen Bier-Konkurrenten in Großbritannien soll es bei dem Brauhaus aus Edinburgh jedoch nicht geben. Stewart enttäuschte damit die Analysten, die diesen Schritt seit längerem fordern, um den Aktienkurs von S & N zu stärken.

Der Kurs brach darauf bis Mittag um fast 10 % auf 449 Pence ein, obwohl Scottish & Newcastle gestern positive Halbjahreszahlen vorlegen konnte. Der Umsatzzuwachs von 1,7 auf 2,2 Mrd. £ in den ersten sechs Monaten war aber im wesentlichen durch Zukäufe - etwa von Kronenbourg - begründet. Der Vorsteuergewinn stieg von 222 auf 241 Mill. £.

Vor allem am Heimatmarkt muss der Konzern (Marken: John Smith's Bitter, Foster's, Kronenbourg oder Beck's) zunehmend die ausländische Konkurrenz fürchten. Das Braugeschäft der beiden größten Konkurrenten Bass Plc und Whitbread Plc will der belgische Konzern Interbrew übernehmen. Damit sichert sich Interbrew auf einen Schlag rund ein Drittel des gesamten UK-Biermarktes, S & N hat ebenfalls knapp 30 %. Sollte der Interbrew-Einstieg von den Wettbewerbsbehörden in London mit Auflagen genehmigt werden, ist Scottish & Newcastle mit sieben Brauereien auf der Insel (eine in Irland) die letzte britische Groß-Brauerei.

Analysten sehen den Konzern, der einen erheblichen Teil seiner Verkäufe durch Lizenzabfüllungen wie etwa für Beck?s erzielt, als Übernahmeziel. Der neue Kurs von Firmenchef Stewart gehe darum nicht weit genug, heißt es etwa bei Credit Suisse First Boston. Die Bank hat die Erwartungen für den Brau-Konzern bereits Anfang September zurückgeschraubt und den Verkauf aller Pubs empfohlen. "Wir glauben, dass S & N ein strategisches Problem hat", so Analyst Michael Bleakley. "Es gibt einfach zu viel Zweifel am Gaststättenbereich, um langfristig wieder Vertrauen in die Aktie zu bekommen", pflichtet ein anderer Londoner Analyst bei.

"Man kann nur durch Pubs Biermarken stark machen", hält Brauerei-Chef Stewart dagegen. Sein Konzern werde die Zahl der 500 kleineren Pubs reduzieren und gleichzeitig im Biergeschäft international expandieren. Diese Ambitionen hat er bereits unter Beweis gestellt: Im März hat S & N vom französischen Danone-Konzern Kronenbourg für 1,2 Mrd. £ sowie den zweitgrößten belgischen Brauer Alka Maes für 0,5 Mrd. £ übernommen. Zu teuer, bemängeln jedoch Analysten, zumal der Brauer aus Edinburgh (jährlich 41 Mill. Hektoliter) damit im internationalen Wettbewerb gegen die Riesen wie Interbrew (88 Mill.) und Heineken (97 Mill.) kaum Boden gut gemacht habe.

Scottish & Newcastle schielt nun gen Süden. Im August kauften sich die Schotten mit 49 % bei Centralcer in Portugal ein und sicherten sich damit eine gute Position auf einem der wachstumsstärksten Biermärkte in Europa. Da gerade die Südeuropäer immer öfter Wein verschmähen, will S & N vor allem in dieser Region weiter expandieren. Insgesamt hat die Gruppe 44 000 Beschäftigte in Europa, davon arbeiten 38 000 im Gaststättenbereich.

Der deutsche Markt sei momentan kein Ziel für Übernahmen, erklärt S & N-Sprecher Richard Gibbs. Zu Berichten, sein Konzern wolle die Bremer Beck's-Brauerei kaufen, sagte Gibbs: "Dies ist frei erfunden." Allerdings nicht ganz: Die Brauerei aus Edinburgh sei der größte Beck?s-Partner im Ausland, und werde eine Übernahme in Betracht ziehen, sollte das Familienunternehmen zum Verkauf stehen.

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