Scottish & Newcastle will 1 450 Kneipen und Restaurants bis Jahresende los werden
Größte britische Brauerei verkauft alle Pubs

Kaum ein britischer Pub gehört noch einer heimischen Brauerei: Nun will sich auch Scottish & Newcastle ganz vom Tresen verabschieden und sich auf das Bierbrauen konzentrieren. Mit dem Verkauf folgt der schottische Konzern dem Trend der Branche. Der Erlös von knapp vier Milliarden Euro soll in die internationale Bier-Expansion fließen.

and LONDON. Die größte britische Brauerei Scottish & Newcastle (S & N) will sich von ihrer gesamten Pub-Sparte trennen, dafür aber als Bierhersteller durch weitere Zukäufe international auftrumpfen. Wie das schottische Unternehmen gestern mitteilte, rechne man aus dem bis Jahresende geplanten Verkauf der 1 450 Kneipen und Restaurants mit einem Erlös von etwa 2,3 Mrd. £ (3,7 Mrd. Euro).

Analysten lobten im Grundsatz die klare Entscheidung des Managements, der Aktienkurs von S&N legte gestern um mehr als 8 % zu. Chairman Brian Stewart kündigte an, die neuen Finanzmittel für Zukäufe im Braubereich zu nutzen. Man sei kurz davor, die Kontrolle bei der portugiesischen Brauerei Central de Cervejas zu übernehmen, erklärte das S&N-Management. An der Central-Gruppe besitzen die Schotten bereits 49 %.

Analysten rechnen jedoch eher mit kleineren Zukäufen, vor allem die italienische Peroni-Brauerei wird als möglicher Zukauf gesehen. Interessant sei für S&N auch die spanische Brauerei Mahou, so Marktbeobachter in London. Mit einer großen Fusion - etwa mit der dänischen Carlsberg Breweries - sei dagegen kaum zu rechnen.

S&N ist bereits mit starken Biermarken wie Kronenbourg oder Foster's am europäischen Markt vertreten. Der Konzern hatte vor drei Jahren die französische Brauerei Kronenbourg gekauft und im vergangenen Jahr die führende finnische Getränkegruppe Hartwall übernommen. Mit dem überraschenden Einstieg in Finnland hatte der in Edinburgh angesiedelte Konzern vor allem eine starke Marktposition in Osteuropa und Russland bekommen.

Der Verkauf der Pub-Sparte bringt allerdings zunächst nicht nur Geld in die Kasse, der Abschied von diesem Geschäft verdirbt kurzfristig auch das Ergebnis. Die Gewinne werden sich ohne Pubs um rund ein Fünftel verringern, was auch eine Reduzierung der Dividende um ein Drittel bedeuten dürfte. Dafür könne der Konzern seine Schulden deutlich unter die 3 Mrd. £ senken, sagte das Management.

Mittelfristig sei die Entscheidung die richtige Strategie, meinte Analyst Andrew Gowens von Lehman Brothers in London. S&N hat UBS Warburg und Deutsche Bank mit dem Verkauf der Pub-Sparte beauftragt, was in einer Auktion geschehen soll. Der Pub-Bereich machte zuletzt einen Umsatz von rund 1 Mrd. £ im Jahr.

Einer der größten britischen Pubbetreiber, das von der WestLB kontrollierte Unternehmen Pubmaster, hat gestern bereits Interesse an den S&N-Kneipen angemeldet. Es dürfte aber weitere Investoren geben, die ein Gebot für die Sparte abgeben.

Die meisten der 60 000 britischen Pubs haben in den vergangenen Jahren den Besitzer gewechselt, vor allem deutsche Banken sind als Betreiber in das Geschäft eingestiegen, haben eine Schlüsselrolle übernommen. Größter Betreiber ist die Enterprise-Gruppe mit 9 000 Pubs vor der Punch-Kette mit 4 100 Kneipen und Pubmaster mit rund 2 000 Pubs.

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