SEC-Chef Harvey Pitt will Wettbewerbsbeschränkungen für Europas Aktienmärkte aufheben
Neue Chancen für europäische Börsen in den USA

In den USA ist Harvey Pitt dieser Tage wahrscheinlich nicht überall gerne gesehen. Unter europäischen Investoren könnte der Chef der amerikanischen Börsenaufsicht SEC aber bald richtig beliebt werden.

NEW YORK. Denn Pitt hat auf seiner Europareise vergangene Woche weitreichende Vorschläge gemacht: Er sprach sich dafür aus, dass europäische Börsen künftig direkt an professionelle US-Anleger verkaufen dürfen. Das ist bisher verboten.

"Ich werde bald den Zeitplan festlegen, wann sich die SEC mit diesem Thema befasst", sagte Pitt und ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, dass er sich für seinen Vorschlag einsetzen wird. Er habe jedoch nur 20 % der Stimmen. Um die Marktöffnung durchzusetzen, muss die Mehrheit der fünf Kommissions-Mitglieder der SEC dafür stimmen. Wenn es zu der Neuerung kommt, könnte sie das Handelsvolumen an Europas Börsen steigern und so auch die Umsätze klettern lassen.

"Natürlich wäre das eine gute Gelegenheit, Marktanteile und Umsätze zu gewinnen", sagt Alex Powell, Partner der Beratungsfirma Accenture. Wenn sie Zugang zu den US-Märkten hätten, könnten die europäischen Börsen kleinere Handelshäuser als Kunden gewinnen, die zurzeit nur schwer Zutritt zu ausländischen Märkten bekommen.

Als besten Beweis für die riesigen Chancen sehen Marktbeobachter die größte Derivate-Börse der Welt, die Eurex. In den ersten neun Monaten des Jahres kamen rund 11 % der 579 Mill. gehandelten Kontrakte aus den USA - und das, obwohl die US-Händler wegen der Beschränkungen der SEC gar nicht alle Produkte nutzen dürfen.

Die Deutsche Börse hat bereits bei der SEC beantragt, Handels-Bildschirme in den USA aufstellen zu dürfen. Die Frankfurter begrüßen die Vorstellungen von SEC-Chef Pitt ebenso wie die beiden anderen großen europäischen Börsen, die Euronext NV und die London Stock Exchange (LSE). "Es sieht so aus, als wären die Amerikaner bald bereit, eine Wettbewerbsbeschränkung aufzuheben", betont ein Sprecher der LSE.

Bislang haben sich die SEC sowie die amerikanischen Börsen dagegen gewehrt, europäische Wettbewerber auf dem Heimatmarkt zu erlauben. Das Argument der US-Börsen: Die amerikanischen Firmen könnten dann die scharfen US-Zulassungsregeln umgehen. Für die europäische Konkurrenz ist das allerdings nur ein Vorwand, um den Wettbewerb außen vor zu lassen.

Selbst Harvey Pitt will den Europäern die Türen nicht ganz öffnen. Nur ausgewählte Investoren, etwa Investmentbanken und Broker, dürften seiner Ansicht nach europäische Aktien direkt handeln. Der amerikanische Kleinanleger hätte also weiterhin das Nachsehen. Dennoch: Die europäischen Börsen wären schon zufrieden, wenn sich die Tore zum größten Markt der Welt wenigstens einen Spalt breit öffnen würden. Wenn sie jetzt mit einem US-Händler ins Geschäft kommen wollen ist das ziemlich kompliziert. Wenn ein US-Broker etwa an der LSE handeln will, hat er zwei Möglichkeiten. Er kann eine eigene Gesellschaft in Großbritannien gründen und dann Mitglied der LSE werden. Oder er gibt seine Aufträge an ein anderes Mitglied der LSE weiter, das seinen Sitz in England hat. Für europäische Händler, die an anderen europäischen Börsen außerhalb ihres Heimatlandes handeln wollen, gibt es solche Beschränkungen nicht. Auch amerikanische Börsen können mit europäischen Brokern direkt ins Geschäft kommen.

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