SEC ermittelt gegen Qwest und Worldcom
Wall Street startet mit Verlusten

Nach einer starken ersten Märzwoche, in der Dow und Nasdaq kräftig zulegen konnten, waren die Märkte am Montag uneinheitlich aus dem Handel gegangen. Der Dow Jones Index hatte 0,4 % zugelegt und bei 10611 Punkten geschlossen, die Nasdaq hatte sich nur schwach behauptet und war bei 1929 Zählern aus dem Handel gegangen.

Eine halbe Stunde nach Handelsbeginn verliert der Dow Jones Index 100 Punkte, die Nasdaq fällt um 45 Zähler. Die aktuelle Schwäche macht Marktbeobachtern indes keine Sorgen. Weitere Gewinnmitnahmen, die den Dow auf bis zu 10 300 Punkte drücken könnten, würde man auf dem Parkett hinnehmen.

Unter Druck stehen am Dienstag alle Werte, die irgendwie mit Telekommunikation zu tun haben. Nachdem der Brachenriese Qwest bereits am Montag 10 % verloren hat, geht es am Dienstag erneut um 4 % abwärts. Die US-Börsenaufsicht SEC hat Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen und Bilanzunterlagen angefordert. Es geht unter anderem um einige Übernahmen aus dem Bestand des bankrotten Konkurrenten Global Crossing.

Das gleiche passiert am Morgen beim Konkurrenten Worldcom. Auch hier ermittelt die SEC in Sachen Bilanzen. Merrill Lynch reagiert mit einer Abstufung der Aktie auf "neutral". Es sei nicht angemessen, den Titel weiterhin positiv zu bewerten, solange die Bilanz-Unklarheiten nicht geklärt seien. Aktionäre wenden sich von dem Papier ab, und Worldcom startet mit einem Minus von 16 % in den Tag.

Des weiteren belasten Umsatzwarnungen den Telekom-Sektor. Der Technologie-Zulieferer Lucent geht davon aus, die Umsatzprognosen an das laufende Quartal nicht einhalten zu können. Man leide weiterhin unter sinkenden Investitionen in Telekom-Technologie und rechnet mit einer Rückkehr in die Gewinnzone und positivem Cash Flow erst im Fiskaljahr 2003. Lucent gibt 18 % ab.

Dass die Handyhersteller Siemens und Nokia ihre Umsatzprognosen am Morgen ebenfalls heruntersetzen, tut ein übriges, den Sektor ins Minus zu drücken. Während der aktuellen drei Monate seien die Verkaufszahlen enttäuschend, heißt es aus dem Management. Statt einem Umsatzrückgang um 20 % erwartet man nun ein Minus von 25 %, was die Jahresbilanz auf ein Umsatzminus von 6 % bis 10 % drücken könnte. Nokia verliert 6 %, die Aktien der Konkurrenten Motorola und Ericsson geben 5 % beziehungsweise 8 % ab.



Auch in anderen Technologie-Sektoren ist am frühen New Yorker Morgen Vorsicht zu spüren. Die Big Caps notieren komplett mit Verlusten. Der Software-Gigant Microsoft gibt 2,5 % ab, die Aktie leidet unter vorsichtigen Kommentaren von Goldman Sachs. Die Analysten befürchten, dass das Unternehmen - obwohl man im laufenden Quartal die Erwartungen erfüllen könne - für das Fiskaljahr warnen werde. Das Management habe bereits mehrfach inoffiziell über die anhaltende Schwäche in der PC-Nachfrage und die höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung geklagt.

Mit Adobe Systems steht ein weiterer Software-Hersteller unter Druck. Die Technologie-Broker von WR Hambrecht nennen die Aktie nur noch einen "Market Underperformer", da sie nach eingehender Untersuchung des Branchenumfelds und der Cash Flow-Situation zu 35 % überbewertet sei. Auf Jahresfrist werde Adobe schwächer handeln als der S&P 500, sagen die Analysten. Adobe verliert 5 %.

Verhältnismäßig positiv scheinen am Dienstagmorgen die Kommentare, mit denen Goldman Sachs den Netzwerk-Riesen Cisco Systems bedenkt. Man sehe das Unternehmen für das laufende Quartal im Rahmen der Erwartungen, sagen die Experten, wenngleich man sich auf Gewinne am unteren Ende der aktuellen Prognosen konzentriere. Aktien von Cisco verlieren in einem branchenübergreifend schwachen Handel dennoch 3,3 %. Auch Konkurrent Redback Networks gibt 2 % ab, obwohl sich die Analysten von Thomas Weisel positiv zu dem Unternehmen äußern. Sie stufen die Aktie auf "attraktiv" auf und erwarten eine Stabilisierung der Ergebnisse im März und sequentielles Wachstum danach.

Zu den wenigen Aktien, die am frühen Morgen im grünen Terrain handeln, gehört das Papier von IBM . Wie bereits General Electric in der Vorwoche, hat auch "Big Blue" in den Nachwehen der Enron-Krise beschlossen, künftig eine detailliertere Bilanz zu veröffentlichen, um das Vertrauen der Investoren zu stärken. Der nun vorgelegte ausgeweitete Jahresbericht bekommt von Analysten gemischte Resonanzen. Merrill Lynch entwarnt, bei IBM scheine auf den ersten Blick alles in Ordnung: "Wir sehen keine "smoking gun". Das Brokerhaus Robertson Stephens bemängelt hingegen, die operativen Kosten seien höher als bisher angegeben. IBM wirke mit den neuen Zahlen weniger wettbewerbsfähig. Die Aktie gewinnt 1,5 %.

Auch Black & Decker zählt am Morgen zu den Gewinnern. Der Bau- und Bohrmaschinenhersteller wird von JP Morgan auf "kaufen" gesetzt und bekommt mit 55 Dollar ein neues und höheres Kursziel verpasst. Aktuell handelt Black & Decker bei 46,50 Dollar. JP Morgan legt der Aufwertung die allgemeine Stärke im Bausektor zugrunde; die Aktie gewinnt 0,6 %.

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