Sechs Börsengänge wurden in dieser Woche bereits abgesagt
Liste der Neuemissionen ist nun fast eine "Internet-freie" Zone

Die Absage des Börsengangs von Letsbuyit.com ist symptomatisch: Viele Anleger scheuen zurzeit Internetwerte wie der Teufel das Weihwasser. Raum für Differenzierung bleibt dabei nur wenig. Anlagealternativen wird es in den kommenden Monaten dennoch genug geben.

HANDELSBLATT DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Begründungen für die Absage von Börsengängen unterscheiden sich nur unwesentlich: Das Marktumfeld erlaubt es nicht, einen fairen Preis zu erzielen, hieß es in den vergangenen Tagen unisono bei GMX, Highway One, Ibex, Blaxxun, Aeco und zuletzt bei Letsbuyit.com. Das Klima hat sich-wie bereits im vergangenen Herbst - wieder einmal gedreht, Börsenneulingen speziell aus dem Internet-Umfeld weht der Wind besonders stark ins Gesicht. Das Garantiesiegel aus dem Frühjahr ist zum Makel geworden. Negativnachrichten, wie die Pleite des britischen Online-Modevermarkters Boo.com strahlen auf die gesamte Branche aus. Und das, obwohl die meisten Aktienexperten davon überzeugt sind, dass beispielsweise Internet-Software und-Infrastrukturanbieter von einem einsetzenden Börsenaufschwung besonders profitieren könnten.

Ihre Pläne durchgezogen hat die niederländische Tele Atlas N.V., die am Mittwoch am Neuen Markt startete. Die Aktien von Tele Atlas, nach eigenen Angaben Marktführer für digitale Kartographie in Europa, kosteten 19 Euro. Der Preis markierte das untere Ende der Bieterspanne von 19 Euro bis 23 Euro. Anwendungen für kartographische Daten sind beispielsweise Fahrzeug-Navigationssysteme.

Keinen Grund zur Panik sieht man dagegen bei der Hyperwave AG. Der nach eigenen Angaben führende Anbieter von Unternehmenssoftware für Intranet und Internet-Infrastrukturen setzte seine Road-Show für den geplanten Börsengang fort, der am Dienstag stattfinden soll. Vorstand Christoph Michel versucht den Kurskapriolen Positives abzugewinnen: "Einige institutionelle Investoren sehen jetzt eine gute Möglichkeit zum Einstieg."

Die negative Börsenstimmung belastet auch die derzeit größte anstehende Emission, nämlich den Börsengang der Comdirect Bank. Wertpapierexperten erwarten einen Emissionspreis in der Mitte oder sogar am unteren Ende der Preisspanne von 25 bis 31 Euro. Das Kapital aus dem Börsengang will die Direktbank nutzen, um über die nationalen Grenzen hinweg zu expandieren und in Großbritannien, Frankreich und Italien zu einem der drei größten Broker zu werden (siehe Investor-Beilage). Im vorbörslichen Telefonhandel wurden gestern Preise für Comdirect von bis zu 35,50 Euro genannt. In Deutschland zeichnet sich indes ein Preiskampf unter Direktbanken ab, der die Gewinne belasten wird. Denn auch die Sparkassen und die Postbank wollen neben mehreren bereits etablierten Unternehmen eine Offensive im Online-Banking starten.

Nachfrage im vorbörslichen Handel gab es bei Preisen deutlich über der Bieterspanne (20,50 Euro bis 25 Euro) auch für GPC Biotech. Die Aktie startet am Dienstag und komplettiert die Liste der zuletzt erfolgreichen Biotechnologie-Firmen. Der Spezialist für die Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs, Infektions- und Immunkrankheiten verlangt den Anlegern einen langen Atem ab. Mit schwarzen Zahlen wird erst 2006 gerechnet.

Luftnummern im großen Stil plant man beim Luftschiffproduzenten Cargolifter AG. Der Emissionsprospekt warnt deshalb: "Das Projekt muss als Wagnis angesehen werden, das den Verlust des gesamten Kapitals zur Folge haben kann." Die Masse der restlichen Unternehmen, die ihren Börsengang für die kommenden zwei Monate angekündigt haben, kommen aus Branchen, die das Internet nur leicht streifen.

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