Sechs Fragen an: Hans-Joachim Schulz
„Denkmuster sind noch zu tradiert“

Derzeit erleben wir einen rasanten Technologiewandel. Hans-Joachim Schulz, Leiter des Bereichs Innovationspolitik bei Verdie, spricht im Handelsblatt-Interview darüber, wie die Arbeit von morgen aussehen wird.

Wir erleben einen rasanten Technologiewandel. Wie wird unsere Arbeit von morgen aussehen?

Wir werden in Zukunft sicherlich mehr Zeit vor Ort beim Kunden verbringen. Zudem wächst die Bedeutung der Teamarbeit mit einem hohen Anteil an virtueller Kooperation.

Leidet nicht das Miteinander unter dieser Entwicklung?

Das ist nicht gesagt. Wir werden uns auch künftig persönlich treffen. Aber die Art der Kommunikation verändert sich. Wir werden zwischendurch stärker die neuen Technologien nutzen. Das hat Vorteile. Es erfordert allerdings auch eine angemessene Unternehmenskultur.

Die es noch nicht gibt?

Das Problem ist: Wir haben die technischen Möglichkeiten. Aber die internen Vorgaben, die etwa den Zugriff der Mitarbeiter auf Daten und neue Techniken ermöglichen, folgen noch den tradierten Denkmustern. Da muss sich einiges ändern.

Wissen bleibt also Macht. Die Chance, mit den neuen Medien für mehr Transparenz zu sorgen, wird kaum genutzt?

Nehmen Sie das Thema Innovationskraft. Bei der Übermittlung und Umsetzung von Mitarbeiterideen gibt es immer noch Hürden. Technisch wäre hier vieles möglich. Die Frage ist, ob man will.

Eines haben die neuen Medien aber geschafft: Die Arbeit wird mobiler und flexibler. Das ist doch positiv, oder?

Ja und nein. Wenn tatsächlich eine Flexibilität für beide Seiten, also Unternehmen und Mitarbeiter, ermöglicht wird, dann gibt es viele Vorteile. Leider beschränken sich viele Ansätze bisher in erste Linie auf die Flexibilität für die Unternehmen zu Lasten der Mitarbeiter.

Sind nicht auch die Tarifvorgaben etwa mit Zuschlägen eine Hürde? Muss nicht über neue Modelle nachgedacht werden?

Solange wir noch Bereiche haben, in denen die Zuschläge einen großen Teil des schmalen Gehaltes ausmachen, wird das schwierig werden. Aber Umfragen zeigen, dass auf der Agenda der Mitarbeiter noch weitere Themen oben stehen. Es geht um die Work-Life-Balance, also den Spielraum, neben der Arbeit noch mehr Zeit für andere Dinge zu haben. Das ist sicherlich eine der Aufgaben künftiger Tarifpolitik.

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