Sechs Fragen an: Jochen Zeitz
„Kulturelle Unterschiede nicht vergessen“

Als Usein Bolt gewonnen hatte, hielt er seine Puma-Schuhe strahlend in die Kameras: "Unbezahlbar", findet Jochen Zeitz. Der Puma-Vorstandschef nimmt im Interview mit Handelsblatt.com Stellung zu den politischen Querelen vor den Spielen und zum China-Geschäft.

Handelsblatt: Sprint-Olympiasieger Usain Bolt hat seine Puma-Schuhe in die Kamera gehalten und damit gegen IOC-Regeln verstoßen. Hat sich die Konkurrenz beschwert?

Jochen Zeitz: Ja, aber es beschwert sich ja immer jemand. Das sind wir schon gewohnt.

Haben Sie den Werbewert dieses Moments ausgerechnet?

Das haben wir gar nicht erst versucht, aber die Bilder sind um die Welt gegangen. Das ist unbezahlbar für uns.

Sind Sie also angesichts der politischen Querelen vor und während der Spiele froh, nicht als offizieller Sponsor aufgetreten zu sein?

Abgesehen davon, dass ein Engagement als offizieller Sponsor einer solchen Veranstaltung sehr teuer ist, passt das nicht zu unserer Firmenphilosophie. Wir wollen nicht Sponsor eines Events sein, wir unterstützen als Ausrüster lieber einzelne Athleten oder Mannschaften. Und was wir von China zu erwarten hatten, das wussten wir seit der Entscheidung, die Spiele dorthin zu vergeben.

Was denn?

Es wäre doch naiv zu erwarten, dass hier die Spielregeln einer Demokratie herrschen. China befindet sich nun mal in einem anderen Entwicklungsstadium als Westeuropa, und die Chinesen denken auch anders als wir. Und wenn sie ihre Bäume rot anstreichen, können wir das zwar komisch finden, die kulturellen Unterschiede sollten wir bei der Beurteilung dieser Spiele aber nicht vergessen.

Wie werden sich die Spiele auf Ihr China-Geschäft auswirken?

Wir haben dieses Jahr für den Afrika-Cup, die Fußball-EM und die Olympischen Spiele mehr Geld für Marketing ausgegeben als je zuvor. Aber man kann nicht zuverlässig berechnen, wie sich der Mehraufwand an Werbung im Umsatz niederschlägt. Chinas Markt ist ja vor allem im Vorfeld der Spiele stark gewachsen, auch unterstützt von der Regierung. Ich glaube aber, dass bald eine Konsolidierung in China einsetzen wird.

Bietet sich dann die Chance für Zukäufe?

Das will ich nicht ausschließen, wobei die Marktbewertungen in China auf einem Niveau sind, das gegenüber unserem Großaktionär PPR wohl kaum zu rechtfertigen wäre.

Die Fragen stellten Andreas Hoffbauer und Marcus Pfeil.

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