Sechs Jahre "auf" Schalke
Toller Abschied für Stevens

Nachdem der FC Schalke 04 den Pokal-Triumph aus dem Vorjahr wiederholte und Vizemeister Leverkusen den zweiten finalen K.o.-Schlag versetzte, mischten sich in den grenzenlosen Jubel auch Tränen und Trauer.

dpa BERLIN. Rudi Assauer wurde nachts um 3.00 Uhr von seinen Emotionen übermannt, als es darum ging, dem langjährigen Weggefährten und Männerfreund Huub Stevens zum Ende der erfolgreichen Ära Lebewohl zu sagen. "Es tut mir wirklich weh, Leute zu verabschieden, an die ich mich gewöhnt habe, die für mich Weltklasse waren. Ich bin stolz auf euch. Ihr habt unheimlich viel für Schalke getan", schluchzte der sonst eher hart gesottene Manager des FC Schalke 04 beim Sieger-Bankett im Berliner Hotel "Steigenberger" nach der erfolgreichen Pokal-Verteidigung.

Sein Dank und seine Tränen galten jedoch nicht nur dem Chefcoach, der den Revierclub in sechs Jahren geprägt hat. Assauer herzte und umarmte wie immer mit dicker Zigarre in der Hand auch fünf "Eurofighter", die 1997 mit dem Gewinn des Uefa-Cups maßgeblich am größten Erfolg der Clubgeschichte beteiligt waren. "Danke Jungs, ihr habt Großartiges geleistet und habt auf Schalke immer eine Heimat", sagte Assauer zum Abschied von Olaf Thon, seinem "Liebling" Jiri Nemec, Michael Büskens, Yves Eigenrauch, Youri Mulder sowie vier weiterer Spieler.

Sichtlich bewegt war Stevens nach dem 4:2-Sieg über Bayer Leverkusen, der ihm den dritten Titel mit Schalke bescherte. "Es ist ein Traum, sich mit dem Titel zu verabschieden", meinte der 48 Jahre alte Niederländer überglücklich. Mit dem "Pott" in der Hand genoss er den frenetischen Jubel der gut 45 000 Schalke-Fans unter den 70 000 im Olympiastadion, genehmigte sich noch auf dem Rasen ein großes Glas Bier und tanzte ausgelassen mit der Mannschaft. "Bei der Stimmung kann kein Mensch ohne Gefühle bleiben", meinte der oft schroff auftretende Holländer - und verdrückte eine Träne.

"Ich brauche sicher noch einige Zeit, um das zu realisieren. Sechs Jahre kann man nicht so einfach vergessen", sagte Stevens gerührt. Ab Sommer arbeitet er für Hertha BSC. Die Gründe für den Abschied von der geliebten "königsblauen" Familie seien schwer zu erklären: "Es gibt Zeiten zum Kommen und zum Gehen. Jetzt ist die Zeit zum Gehen gekommen." Die Hauptstadt sei für ihn eine neue Herausforderung, ergänzte Stevens, der sich schon vier Minuten vor Final-Schluss ein frisch bedrucktes Pokalsieger-T-Shirt übergestreift hatte.

Obwohl er seinen Wechsel nach Berlin schon vor der Winterpause verkünden musste, ging das Experiment mit dem scheidenden Trainer Stevens bis zur letzten Spielminute gut. "Das ist unglaublich und traumhaft", sagte der Trainer selbst dazu. Stevens wackelte nicht, weil er bis zuletzt Schalke lebte, sich engagierte, die Profis motivierte, mit den Schiedsrichtern haderte wie im Finale, was ihm sogar noch die letzte Halbzeit für die "Knappen" aus Tribünensicht bescherte. "Er bleibt der beste Trainer, den ich kenne. Berlin kann sich freuen", schickte Assauer schöne Grüße an die Hertha. Für Schalke aber bricht eine neue Zeitrechnung an - kein leichtes Erbe für den neuen Chefcoach Frank Neubarth.

Eher im Stillen genoss Oliver Reck seinen Erfolg zum Abschluss der Karriere. "Es ist schön, wenn man sein letzten Spiel positiv beenden kann", sagte der Torhüter, der mit dem insgesamt vierten Cup-Gewinn Pokalgeschichte schrieb. "Oli" geht wie Stevens als Schalker Held.

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