Sechs Millionen Ende Mai
Neue Mini-Jobs auf dem Vormarsch

Abgaben- und steuerfreie 400-Euro-Minijobs sind auf dem Vormarsch. Ende Mai waren knapp sechs Mill. Menschen - und damit praktisch jeder sechste Arbeitnehmer - in einem so genannten geringfügigen Beschäftigungsverhältnis. "Die Zahl ist ein Hinweis darauf, dass ein Zuwachs erwartet werden kann", sagte die Sprecherin des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums, Andrea Weinert, am Dienstag der dpa in Berlin.

HB/dpa BERLIN. Berechnungen des SPD-Arbeitsmarktexperten Klaus Brandner, der eine Zunahme der Minijobs innerhalb von acht Wochen um 600 000 ermittelt hatte, wollte die dafür zuständige Bundesknappschaft in Bochum "weder bestätigen noch dementieren". Es lägen dazu noch keine verlässlichen Zahlen vor, sagte ein Sprecher.

Brandner hatte der "Financial Times Deutschland" (Dienstag) gesagt, von den seit Anfang April 600 000 neu entstandenen Mini- Arbeitsverhältnissen entfielen ungefähr 30 000 auf private Haushalte. Seine Angaben untermauerte er mit dem Hinweis auf die Zahlen der Bundesknappschaft in Cottbus, denen zu Folge am 31. März rund 5,3 Mill. geringfügige Arbeitsverhältnisse registriert gewesen seien.

Fachleute warnten allerdings davor, aus der Differenz der beiden Bestandszahlen auf den von Brandner errechneten Zuwachs zu schließen. Erst Mitte Juni lägen bereinigte und damit belastbare Zahlen vor.

Seit Anfang April ist die von den Gewerkschaften scharf kritisierte Neuregelung der Minijobs in Kraft. Sie wurde von der Union im Vermittlungsverfahren zu den Hartz-Reformen für den Arbeitsmarkt durchgesetzt. Danach kann jeder Arbeitnehmer bis zu 400 ? pro Monat ohne Abzüge auch im Nebenjob dazu verdienen. Arbeitgeber zahlen darauf pauschale Sozialabgaben in Höhe von 25 %, Privathaushalte in Höhe von 12 %.

Davor lag die Grenze für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse bei 325 ?. Sie durften jedoch nicht im Nebenerwerb ausgeübt werden, weshalb viele Mini-Jobber aufgaben oder schwarz weiter arbeiteten. Experten gehen davon aus, dass durch die Neuregelung der Minijobs die Arbeitslosenstatistik nicht entlastet wird. Allerdings können Renten- und Krankenkassen mit zusätzlichen Einnahmen rechnen, da ein Teil der Minijobs aus der Schwarzarbeit geholt wurde.

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit der Unionsfraktion, Karl-Josef Laumann, nannte den Zuwachs "sehr erfreulich". Die Entwicklung zeige, dass auch in den Branchen wieder geringfügige Beschäftigungen angeboten und angenommen werden, in denen nach 1999 durch die rot-grüne Neuregelung der 325-Euro-Jobs "tausende Arbeitsplätze verloren gegangen sind", etwa bei Zeitungsausträgern, Reinigungskräften oder im Gastgewerbe.

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