Sechs Palästinenser sterben bei Explosion im Westjordanland
Israelische Armee beschießt Polizei-Hauptquartier in Gaza

Im Nahen Osten droht die Gewalt erneut zu eskalieren: Die israelische Armee beschoss am Montag das Polizeihauptquartier in Gaza mit Raketen. Der Angriff habe einer Waffenfabrik gegolten, teilte die Armee mit. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt. Zuvor war im Zentrum von Jerusalem eine Bombe in einem Supermarkt hochgegangen. Dabei wurde aber niemand verletzt. Die Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Jassir Arafat drohte mit neuen Anschlägen, nachdem in der Nacht sechs Palästinenser im Flüchtlingslager Farah im Westjordanland bei einer Explosion ums Leben gekommen waren.

afp EL FARAH/JERUSALEM. Nach palästinensischer Darstellung wurden sie von der israelischen Armee getötet, nach israelischer Version starben sie beim Bombenbau. Das dreistöckige Polizeigebäude in Gaza wurde palästinensischen Sicherheitsvertretern zufolge bei dem Angriff schwer beschädigt. Mehrere umliegende Gebäude wurden evakuiert, Krankenwagen waren im Einsatz. Israelische Kampfhubschrauber überflogen Augenzeugen zufolge die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten.

Erst vor zwei Monaten hatte die israelische Armee das Polizei-Hauptquartier im Zentrum von Gaza mit schwerer Munition beschossen. Bei dem Raketenangriff auf mehrere Gebäude, in denen auch die Fatah-Bewegung ihren Sitz hat, waren damals nach palästinensischen Angaben mindestens sechs Palästinenser verletzt worden. Es werde eine "schnelle und schmerzhafte" Antwort auf den Tod der sechs Palästinenser geben, kündigte die Fatah am Montag an. Die palästinensischen Sicherheitskräfte beschuldigten die israelische Armee, sie habe von ihrem Stützpunkt nahe der jüdischen Siedlung Elon Moreh aus auf die Männer gefeuert. Drei von ihnen waren Mitglieder der "Brigaden der El-Aksa-Märtyrer", eines bewaffneten Arms der Fatah. Israel machte sie laut palästinensischen Angaben für mehrere Anschläge verantwortlich.

Der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo beschuldigte den israelischen Regierungschef Ariel Scharon und Armeechef Schaul Mofas, die "volle Verantwortung für dieses schreckliche Verbrechen" zu tragen. Nach Angaben eines AFP-Reporters wurden die Männer in El Farah bei Nablus beerdigt. Die stellvertretende Verteidigungsministerin Dalia Rabin-Filosof sprach dagegen von einem "Arbeitsunfall". Israel benutzt den Ausdruck, wenn palästinensische Sprengsätze verfrüht oder unbeabsichtigt explodieren. Auch bei früheren "Arbeitsunfällen" hätten die Palästinenser Israel für den Tod von Extremisten verantwortlich gemacht, sagte Rabin-Filosof weiter.

Die israelische Armee geht mit Billigung des israelischen Sicherheitskabinetts gezielt gegen mutmaßliche palästinensische Attentäter vor. Nach dem Sprengstoffanschlag auf einen Jerusalemer Supermarkt wuchs die Angst vor weiteren Anschlägen. Das Gebäude, in dem die Bombe mit nur geringer Sprengkraft hochging, wurde evakuiert. Die Polizei durchsuchte den Ort nach weiteren möglichen Sprengkörpern. In der jüdischen Siedlung Kfar Darom wurde ein siebenjähriges Mädchen bei einem Granatenangriff leicht verletzt. Das Siedlermädchen erlitt nach Angaben des israelischen Rundfunks leichte Verletzungen, als zwei von Palästinensern abgefeuerte Granaten in der Siedlung im Süden des Gazastreifens einschlugen. In der Nähe von Nablus wurde der Fahrer eines Schulbusses durch palästinensische Schüsse verletzt.

Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) sicherte den Palästinensern am Montag ihre Unterstützung zu. In einer in Doha veröffentlichten Erklärung verurteilte Katar, das die OIC-Präsidentschaft ausübt, die umstrittene jüdische Grundsteinlegung am Fuße des Jerusalemer Tempelbergs vom Sonntag als "Provokation und Aggression". Die israelische Polizei hatte nach Ausschreitungen am Sonntag den Tempelberg gestürmt, der sowohl Moslems als auch Juden als Heiligtum gilt. Ultraorthodoxe Juden hatten mit der umstrittenen symbolischen Grundsteinlegung für einen neuen Tempel Angriffe durch die Palästinenser provoziert. 15 Beamte und 18 Palästinenser wurden dabei verletzt. Tausende Gläubige mussten evakuiert werden.

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