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Sechs Tote bei US-Angriff auf Konvoi mit Irak-Geiseln

Bei einem Rettungsversuch für die beiden vor eineinhalb Monaten im Irak entführten französischen Journalisten sollen am Freitag sechs Menschen getötet worden sein, als die US-Armee den Fahrzeugkonvoi mit den beiden Geiseln beschoss.

dpa KAIRO/DAMASKUS. Bei einem Rettungsversuch für die beiden vor eineinhalb Monaten im Irak entführten französischen Journalisten sollen am Freitag sechs Menschen getötet worden sein, als die US-Armee den Fahrzeugkonvoi mit den beiden Geiseln beschoss.

Der Konvoi mit den Geiseln Georges Malbrunot und Christian Chesnot sei auf dem Weg nach Syrien von amerikanischen Soldaten beschossen worden, berichtete der französische Abgeordnete Didier Julia am Abend in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Die Entführten sowie der französische Privatvermittler Philippe Brett, der in einem der beiden Wagen gesessen habe, seien nicht verletzt worden.

Die Geiseln hätten das Versteck, in dem sie im Irak festgehalten worden seien, zusammen mit den Geiselnehmern und weiteren Begleitern verlassen. Didier ließ offen, ob der Konvoi trotz des Zwischenfalls seinen Weg nach Damaskus habe fortsetzen können. "Bitte seien Sie geduldig", sagte Didier auf eine Journalisten-Frage.

Brett hatte wenige Stunden zuvor in einem Telefoninterview des französischen Rundfunksenders Europe-1 gesagt, er sei bei den Geiseln. "Ich denke, dass ich in knapp zehn Stunden mit großem Vergnügen etwas mitteilen kann". Wo er sich im Krisengebiet aufhielt, sagte Brett nicht. Der rechtsgerichtete 45-jährige ehemalige Fallschirmjäger Brett arbeitet für Julia (70), der als Vertreter von Chiracs Partei UMP in der Nationalvermmlung sitzt.

Die Rolle Didiers und Bretts in dem Entführungsdrama ist unklar. Die französische Regierung hielt sich am Freitag mit einem Kommentar zurück. Die Zeitung "Le Monde" berichtete, Brett habe sich aus Angst um seine eigene Sicherheit aus dem Irak nach Damaskus zurückgezogen. Die Freilassung der beiden am 20. August verschleppten Journalisten sei bereits seit Montag für den 1. Oktober vorgesehen gewesen, schreibt das Blatt in seiner Samstagsausgabe. Das Auftauchen des Privatvermittlers habe aber die Bemühungen gestört.

Julia soll seit 1957 mit dem jetzt in US-Haft sitzenden Außenminister des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein, Tarik Asis, befreundet sein. Er flog am Donnerstag nach Damaskus. Dort sagte sein Mitarbeiter Philippe Evano "Le Monde" zufolge, die Geiseln seien "in sicheren Händen des Widerstands" (der Saddam-Anhänger) und damit sei "ihre Freilassung erreicht". Der Geschichtsprofessor fügte hinzu: "Ihre Ausreise wird von den amerikanischen Bombardierungen in der Region Falludscha blockiert."

Bereits vor einem Monat hatte es geheißen, die Übergabe der Geiseln scheitere nur noch an den US-Angriffen in der Region Falludscha. Mitte der Woche hatte Brett erklärt, die Geiseln kämen frei, sobald die USA einen Luftkorridor einrichteten.

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