Sechs US-Bischöfe wussten von den Vorfällen
Vatikan berät Vorgehen gegen Kinderschänder

Über Richtlinien zum Umgang mit Kinderschändern unter Geistlichen haben im Vatikan hohe Würdenträger der katholischen Kirche mit Vertretern der US-Diözesen beraten.

Reuters VATIKAN-STADT. Die zweitägige Vatikan-Konferenz soll die Grundlage für einen im Juni geplanten Beschluss der US-Kirche legen, der Vorgaben für die Entlassung von Priestern aus dem Kirchendienst enthalten soll. Am Mittwochabend sollte zum Abschluss der Konsultationen eine Erklärung veröffentlicht werden.

Die Dikussionen kreisten dem Vernehmen nach insbesondere um die Frage, wie mit verdächtigen Priestern umzugehen sei, denen Missbrauch vorgeworfen werde. Der New Yorker Kardinal Edward Egan, dem im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen in seinem Sprengel eine laxe Haltung gegenüber pädophilen Priestern vorgeworfen wird, sagte, die Bischöfe stünden vor einer schwierigen Entscheidung.

Während einige Bischöfe zunächst eine interne Prüfung von Missbrauchsvorwürfen befürworteten, hielten andere es für erforderlich, sofort ein psychologisches Gutachten von externen Fachleuten einzuholen. Egan wird vorgeworfen, als kirchlicher Würdenträger früher im Bundesstaat Connecticut pädophile Priester von Gemeinde zu Gemeinde versetzt zu haben, statt einzuschreiten. Diese und ähnliche Fälle hatten der US-Kirche den Vorwurf eingetragen, Fälle von Kindesmissbrauch unter Priestern zu vertuschen.

Papst Johannes Paul II. hatte dazu am ersten Tag der Beratungen Stellung bezogen und Kindesmissbrauch als Verbrechen und schwere Sünde bezeichnet. Wer ihn begehe, dürfe in der Kirche keinen Schutz finden. Auf die Frage, ob der Papst eine Regelung gefordert habe, derzufolge pädophile Priester nach einem Vorfall sofort die Kirche verlassen müssten, sagte Kardinal Anthony Bivilacqua aus Philadelphia an Montag, dies müsse geprüft werden. "Es könnte so gelesen werden." Kardinal Roger Mahoney aus Los Angeles sagte: "Er (der Papst) wurde so deutlich, wie er sein konnte. Es gibt absolut keinen Platz für Kinderschänder im Priestertum. Man kann Herzen bekehren und Versöhnung anbieten, aber sie (die pädophilen Priester) dürfen keine neue Stelle zugewiesen bekommen."

Opfer und deren Anwälte forderten, dass die Priester zur Rechenschaft gezogen werden wie auch katholische Würdenträger, die diese Priester nicht den Behörden ausgeliefert hätten. "Die Kardinäle können sich einfach nicht nur untereinander mit diesem Thema beschäftigen; das ist so, als fragte man den Fuchs, was denn im Hühnerstall los sei", sagte Robert Sherman, Anwalt für mutmaßliche Missbrauchopfer, dem US-Sender CNN.

Im Zuge eines Gerichtsverfahrens gegen einen Priester aus Boston, dem mehrfacher Kindesmissbrauch vorgeworfen wird, wurden Dokumente öffentlich, nach denen sechs US-Bischöfe zwar von den Vorfällen wussten, den Priester jedoch lediglich von Gemeinde zu Gemeinde versetzten. Nach dem Bekanntwerden des Falls schlossen Diözesen in den Bundesstaaten Kalifornien, Maine, New Hampshire und Pennsylvania Priester wegen Kindermissbrauchs aus.

In den USA gibt es 65 Millionen Katholiken, nach Brasilien und Mexiko die weltweit größte Zahl. Die katholische Kirche ist die größte nichtstaatliche Organisation der USA und vermutlich auch der größte Einzeleinzahler in die Kassen des Vatikans. Die wegen den Missbrauchsfällen erhobenen Klagen könnten die Kirche Millionenbeträge an Schadenersatz kosten.

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