Sechsmal teurer als ursprünglich geplant
Bund und Land bewahren Expo vor Zahlungsunfähigkeit

Das Finanzdesaster der Expo beläuft sich laut einer neuen Kalkulation auf einen Verlust von insgesamt 2,4 Mrd. DM.

Reuters HANNOVER. Die Weltausstellung in Hannover wird für den Steuerzahler sechsmal teurer als ursprünglich geplant. Wegen der hinter den Erwartungen zurückbleibenden Besucherzahlen bewilligten der Bund und das Land Niedersachsen nach eigenen Angaben am Freitag weitere 860 Millionen Mark, um die Expo vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Nach einer neuen Kalkulation rechnet die Expo nun mit einem Verlust von 2,4 Mrd. Mark. Um die Lücke zwischen einer von Bund und Land getragenen Bürgschaft und dem höheren Verlust zu decken, musste das zusätzliche Geld aufgebracht werden. Ursprünglich war die Expo von einem Defizit von 400 Mio. ausgegangen.

Der Sprecher des niedersächsischen Finanzministeriums, Jan-Peter Hinrichs, sagte in Hannover, die Expo habe kurz vor der Zahlungsunfähigkeit gestanden. Deshalb habe man schnell handeln müssen.

Angesichts des Finanzdesasters korrigierte die Expo auch ihre Planung. Der neue Finanzrahmen orientiert sich nach Worten von Expo-Generalkommissarin Birgit Breuel nun an 14 Millionen Besuchern. In ihrer Planung waren die Veranstalter zu Anfang für die fünf Expo-Monate bis Ende Oktober von 40 Millionen Gästen ausgegangen. Allerdings wurde dieses Ziel schon nach wenigen Wochen aufgegeben, als klar wurde, dass die täglichen Besucherzahlen weit geringer waren als erwartet. Spekuliert wurde seitdem darüber, wie hoch das Defizit ausfallen würde. Zuletzt war von "zwei Milliarden minus x" die Rede gewesen.

Breuel begründete die schlechte Finanzlage auf einer Pressekonferenz am Freitag mit dem Wegfall der Tageskassenzuschläge und der Einführung von Sonderangeboten, mit denen die Expo das Interesse an der ersten Weltausstellung in Deutschland angekurbelt hat. Von dem erwarteten Erlös einer Eintrittskarte von 45 Mark habe die Expo-Gesellschaft so nur rund 30 Mark eingenommen. Die Expo-Chefin zeigte sich erleichtert über die neue Kalkulation: "Mit 2,4 Milliarden Mark Defizit haben wir endlich finanzielle Klarheit", sagte sie. An den Veranstaltungen der Expo sollten keine Abstriche gemacht werden. Sie selbst habe angesichts der Finanzsituation nie an einen Rücktritt gedacht, sagte Breuel.

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