Sechster WM-Titel in Griffweite
„Big points" für Schumi

Der Formel-1-Weltmeister ist rechtzeitig zum WM-Endspurt wieder oben auf: Beim Heim-Grand-Prix von Ferrari in Monza fuhr er einen Start-Ziel-Sieg ein und hielt damit seine ärgsten Konkurrenten auf Distanz. Der Weltmeister feierte beim Großen Preis von Italien vor mehr als 100.000 begeisterten Tifosi seinen fünften Saisonsieg, den ersten seit Kanada am 15. Juni. Schumacher verwies im spannendsten WM-Endspurt seit Jahren seinen schärfsten Rivalen Juan Montoya (Kolumbien) im Williams-BMW, mit dem er sich nur anfänglich ein packendes Rad-an-Rad-Duell lieferte, mit 5,2 Sekunden auf den zweiten Platz.

HB MONZA. In der Gesamtwertung baute Schumacher seinen Vorsprung bei zwei ausstehenden Rennen auf Montoya um zwei Zähler auf nun drei Punkte aus und könnte in 14 Tagen in Indianapolis vorzeitig den WM-Titel einfahren. Nur noch Außenseiterchancen dürften Kimi Räikkönen aus Finnland eingeräumt werden, der im McLaren-Mercedes hinter dem zweiten Ferrari-Piloten Rubens Barrichello (Brasilien) den vierten Rang belegte und als WM-Dritter nun sieben Punkte Rückstand auf Schumacher hat. In der Konstrukteurswertung behauptete Williams-BMW (141) die Führung vor Ferrari (137) und McLaren-Mercedes (120).

Sollte Michael Schumacher den USA-Grand-Prix am 28. September gewinnen, Montoya bestenfalls Sechster und Räikkönen maximal Dritter werden, stünde der Kerpener schon vor dem WM-Finale am 12. Oktober in Suzuka/Japan uneinholbar als alter und neuer Weltmeister fest. Für Schumacher war es der 69. Grand-Prix-Erfolg seiner Karriere sowie der vierte nach 1996, 1998 und 2000 in Monza.

Sauber-Mann Heinz-Harald Frentzen, der lange Zeit auf Rang acht lag und damit auf Punktekurs fuhr, schied in der letzten Runde aus. Sein Mönchengladbacher Ortsrivale und Teamkollege Nick Heidfeld ging auf Position neun ebenfalls leer aus. Ralf Schumacher hatte seinen Start aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Schumacher hatte erstmals seit sieben Rennen wieder die Pole Position erobert ("Eine große Erleichterung"). Er erhielt vor dem Rennen Aufmunterung durch Rad-Star Jan Ullrich, der dem Ferrari-Piloten ein Bianchi-Trikot schenkte. In der heißen Startphase, als es ihm hinteren Feld spektakulär krachte, kam der Titelverteidiger knapp als Erster durch die erste Kurve; in der zweiten zog Verfolger Montoya neben ihn. Schumacher konnte sich in dem harten Rad-an-Rad-Duell in der "Variante della Roggia" mit Mühe behaupten, den Kolumbianer aber schließlich etwas abschütteln. Bis zum Boxenstopp baute er den Vorsprung langsam aus. Nacheinander kamen die WM-Rivalen Räikkönen (14.), Schumacher (16.) und Montoya (17.) zum Reifenwechsel, durch den der Weltmeister eineinhalb Sekunden auf den Williams-BMW-Piloten einbüßte.

Zur Hälfte des Rennens war Montoya dem Führenden knapp auf den Fersen. Der Kolumbianer versuchte permanent, an Schumacher heranzukommen. Aber der Champion ließ sich nicht nervös machen. Räikkönen konnte nicht direkt in den Kampf der Titel-Aspiranten eingreifen. Der Finne lag als Vierter hinter Barrichello immer über zehn Sekunden hinter dem Spitzenduo. Zum zweiten Stopp kam Montoya (33.) einen Umlauf früher als Schumacher (34.). Doch erneut behauptete der 34-Jährige die Führung - mit 1,978 Sekunden Vorsprung. Wieder kam Montoya zunächst sehr, sehr nahe. Aber mit zunehmenden Rennverlauf konnte sich der Titelverteidiger leicht absetzen und den lang ersehnten Sieg ins Ziel bringen.

David Coulthard im zweiten McLaren-Mercedes schied in der 46. Runde aus. Auch Ungarn-Sieger Fernando Alonso hatte Pech: Er war in den Startunfall verwickelt und hatte nie eine Chance, um einen Platz auf dem Podium mitzufahren.

Ralf Schumacher konnte das Rennen nur als Zuschauer vor dem heimischen Fernseher verfolgen. Der Williams-BMW-Pilot hatte seinen Start kurzfritig abgesagt, weil er am Freitagabend durch die Belastung im Zeitfahren einen Rückschlag erlitten hatte. Elf Tage nach dem schweren Testunfall, bei dem er sich eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte, waren die Beschwerden wieder aufgetreten. Der Startverzicht raubte ihm die letzte Titel-Hoffnung. "Ich habe zwar noch nie in meiner Karriere ein Rennen abgesagt, aber Sicherheit und Gesundheit gehen nun mal vor", erklärte der 28-Jährige nach seiner vorzeitigen Heimreise. Sein Bruder Michael sprach von der "vernünftigsten Entscheidung, die er treffen konnte". Ob Ralf Schumacher beim nächsten Rennen in Indianapolis antreten kann, war am Wochenende noch nicht sicher. Der spanische Ersatzpilot Marc Gene überzeugte als Fünfter.

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