Segeln
Höher hinaus geht nicht

Wie Segellegende Jochen Schümann mit beinahe unheimlicher Präzision Erfolg um Erfolg einheimst.

Er sieht das alles, wenn er dort draußen ist. Wolkenfetzen. Abreißende Wellen, wenn der Sturm Gischt von den Kämmen reißt, wenn das Salzwasser waagrecht fliegt. Wenn die 16 Mann auf dahinschießenden 25 Metern schlank verleimter Carbonfasern zusammen funktionieren müssen. Wenn für nichts Zeit bleibt als für unzählige Male eintrainierte exakte Handgriffe. Kurze Blicke auf die Digitalanzeigen am Mast, auf jede Kräuselung der See. Der Mann nimmt all das wahr, muss es wahrnehmen, um das zu sein, was er ist: einer der Besten im internationalen Regattasport. Doch Jochen Schümann findet dafür nur exakt drei Worte: "High Tech trifft Natur."

Das ist ziemlich knapp für einen, in dessen Leben es eigentlich seit 30 Jahren fast ausschließlich um dieses eine geht. Das ist fast zu trocken für einen, der mit fast unheimlicher Präzision Erfolg auf Erfolg sammelt, über ein Jahrzehnt mit steter Regelmäßigkeit einen Titel nach dem andern holt, neun Mal Europameister war, drei Mal Europameister, drei Mal Olympisches Gold gewinnt und sich dann an die Spitze der Weltklasse setzt: der America?s Cup - das ist so etwas wie der Heilige Gral der Regattageschichte. 132 Jahre lang haben amerikanische, australische, neuseeländische Teams die von den Engländern ausgelobte Trophäe verteidigt. Erst Schümann und das Team der Schweizer Rennyacht Alinghi holen den Cup wieder nach Europa. Höher hinaus geht es eigentlich nicht mehr in diesem Sport.

Hannover Airport, Check-in. Schümann kommt von der Cebit. Ein knapper Vormittag blieb dafür zwischen Arbeit und Training in der Schweiz und dem Wochenende bei der Familie im Bayerischen. Hoch gewachsen ist der 49-Jährige, eine auffällige Erscheinung. Schlips und Kragen sitzen perfekt zum makellosen dunkelblauen Pullover - vielleicht sogar zu perfekt. Prüfend fährt der kleine Finger zwischen Hals und Kragen. Seine Zeit ist knapper geworden seit dem großen Erfolg. Er muss sich jetzt öfter Reporterfragen stellen. Etwa der, wie man das schafft - Jahr für Jahr Gewinner bleiben, über Jahrzehnte wie ein Uhrwerk? Der Blick aus hellblauen Augen ist offen, der Gesichtsausdruck entspannt und doch konzentriert: "Jeden Fehler nur einmal machen", sagt er. Schümann lächelt.

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