Segment fest in deutscher Hand
Echte Luxusautos haben immer Konjunktur

Die VW-Tochter Bentley will spätestens im übernächsten Jahr die Gewinnzone erreichen. Der Hoffnungsträger heißt Continental GT.

hof FRANKFURT. Für die Superreichen der Welt gibt es keine Konjunkturflaute. Den Beweis dafür liefert die Nachfrage nach den sündhaft teuren Nobelkarossen mit Preisen jenseits von einer Viertel Million Euro. Mit der Volkswagen-Tochter Bentley, der BMW-Tochter Rolls Royce und dem Daimler-Ableger Maybach ( Bildergalerie) ist das Segment voll in deutscher Hand. Absatzprobleme hat anscheinend niemand in dem Trio. "Wir unterliegen nicht den Schwankungen des normalen Automarktes", bestätigte Bentley-Chef Franz-Josef Paefgen im Vorfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung. Auch die Kunden von Maybach und Rolls Royce scheinen über Schwankungen der Wirtschaft erhaben zu sein.

Reiner Luxus sind die Luxuskarossen zurzeit auch noch für die Finanzvorstände der Mutterkonzerne. In den Führungsetagen wird über die exakte Gewinnplanung zwar vornehm geschwiegen. Doch sie sind ein Zuschussgeschäft und es wird einige Zeit dauern, bis die Luxussuiten auf vier Rädern ihre Entwicklungs- und Markteinführungskosten eingespielt haben. Als erster gab nun Bentley bekannt, bald in die schwarzen Zahlen zu fahren: "Spätestens 2005 werden wir auf Basis des Vorsteuerergebnisses profitabel sein", kündigte der Bentley-Chef am Montag in Frankfurt an. "Wir unterliegen den gleichen Renditezielen wie alle anderen Marken im Konzern auch" stellte er klar. Bentley habe keinesfalls eine Sonderstellung.

Mit den superteuren Limousinen, bei Bentley ist dies das Modell Arnage, wäre das Gewinnziel so schnell nicht zu erreichen. Die Erträge soll hauptsächlich das neue Sportcoupé Continental GT ( Bildergalerie) abwerfen, das mit einem Preis von 160 000 Euro vergleichsweise billig ist. "Wir sind ausverkauft bis Ende des nächsten Jahres", sagt Paefgen, obwohl noch kein Auto ausgeliefert ist. Doch selbst wenn es Bentley gelingt, die Gewinnzone zu erreichen, wird es noch lange dauern, bis die Anlaufinvestitionen von 720 Mill. Euro in die Wolfsburger Konzernkasse zurückgeflossen sind.

Das Engagement im absoluten Luxusmarkt hat jedoch nicht nur finanzielle Gründe. Es geht vor allem ums Image: Die deutschen Autobauer wollen damit zeigen, wer technologisch den Ton in der Branche angibt. "Im Luxussegment werden Technologiekompetenz und Innovationskraft eines Unternehmens unter Beweis gestellt", sagt Friedrich Preiss, Autoexperte beim Berater Accenture. Er ist sich sicher, dass auch andere Konzernmarken davon profitieren. In der Branche gibt es jedoch auch Zweifel, ob es wirklich gelingen kann, den Glanz eines Bentley auf einen kleinen Skoda abstrahlen zu lassen.

Und auch der dauerhafte Verkaufserfolg ist keinesfalls garantiert. Denn um Bentley, Maybach und Rolls Royce die jeweils geplanten Stückzahlen zu garantieren, ist es nötig, dass sich der Appetit der Superreichen auf Edellimousinen deutlich erhöht. Im historischen Schnitt wurden jährlich knapp 2000 solche Autos abgesetzt. Die summierten Verkaufserwartungen des Trios liegen fast ein Drittel darüber. Bentley will vom Arnage etwa 800, Rolls Royce vom neuen Phantom ebenso wie Daimler vom Maybach etwa 1000 Fahrzeuge absetzen. Paefgen sieht das jährliche Potenzial momentan bei 3000 Kunden, glaubt aber nicht an eine deutliche Ausweitung. Dabei gibt es auf der Welt rund 1,5 Millionen Menschen mit einem Jahreseinkommen von mindestens 3 Mill. Dollar, die als Kunden in Frage kommen.

Für einen Super-Sportwagen, der mehr als 150 000 Euro kostet, ist die Zielgruppe noch deutlich größer. Deswegen ist Paefgen auch für die Verkaufszahlen des Continental GT erheblich optimistischer: Bis zu 5000 dieser Autor glaubt er im Jahr absetzen zu können. Zusammen mit den anderen Modellen strebt Bentley mittelfristig Verkaufszahlen von maximal 10 000 im Jahr an.

Quelle: Handelsblatt

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