Segment ist hart umkämpft
Neue Kleinwagen rollen auf der IAA ins Rampenlicht

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) werden neben teuren Luxuskarossen vor allem neue Kleinwagen-Modelle für breite Käuferschichten ins Rampenlicht rollen. Mit der vierten Generation des VW-Bestsellers Polo, dem neuen Ford Fiesta und dem als Nachfolger des legendären 2CV ("Ente") angekündigten Citroen C3 präsentieren gleich drei Hersteller auf der weltgrößten Automobilschau Neuheiten, mit denen sie in dem hart umkämpften Kleinwagensegment Marktanteile gewinnen wollen.

Reuters FRANKFURT. Als Ursache für die wachsende Nachfrage bei Kleinwagen, deren Marktanteil in Deutschland seit Anfang der 90er Jahre deutlich gestiegen ist, sehen Experten neben dem höheren Umweltbewusstsein auch den Wunsch vieler Käufer nach Zweit- oder gar Drittwagen. Und den Autoherstellern hilft eine Expansion in diesem Segment, ihren Flottenverbrauch zu senken.

Das einstige Image von wenig Prestige trächtigen und unsicheren Sparmodellen für Leute mit knappen Budgets haben die Kleinwagen längst abgelegt. Viele Modelle warten seit einigen Jahren bereits mit avantgardistischen Karosserien auf und haben bei Ausstattung und Komfort ein Niveau erreicht, das früher nur in Mittelklasseautos zu haben war. Klimaanlage, Antiblockiersystem, Airbags oder das Stabilitätskontrollsystem ESP gehören vielfach zur Standard- oder wählbaren Ausstattung.

Der C3 wird Zeitungsberichten zufolge schon in der Basisvariante mit vier Airbags, ABS, geschwindigkeitsabhängiger Servolenkung, Bremsassistent, höhenverstellbarem Lenkrad und Armlehnen an den Vordersitzen angeboten. Die Karosserie ähnelt ab der stark gewölbten Frontscheibe einem Minivan. Diesem Trend zum "Van-artigen Aufbau" folgt auch der neue Fiesta von Ford, der damit äußerlich dem größeren Focus nahe kommt.

Trend zu mehr Luxus im Kleinwagen

Experten beobachten insgesamt einen Trend zu mehr Luxus auch bei den Kleinwagen. Gleichzeitig geraten die einzelnen Segmente immer stärker in Bewegung, denn die Modelle wachsen sowohl bei ihrer Ausstattung als auch bei den Abmessungen in Größenordnungen hinein, die bisher der Mittelklasse vorbehalten waren. Andererseits bekommen so genannte "Minis" unterhalb der Kleinwagen dadurch mehr Raum, um ebenfalls zu wachsen. Deutlich wird dieser Trend an Wortschöpfungen wie der des "Golo", mit der eine Autozeitschrift ihren Artikel über den neuen VW Polo überschrieb. Der ähnelt nämlich äußerlich stark seinem größeren Bruder, dem ebenfalls erfolgreichen Golf von VW. Von früheren Golf-Generationen wie dem Golf II trennen den jetzigen Polo bei der Länge nur noch knapp zehn Zentimeter. Volkswagen selbst sagt dazu: "Dieser Polo sprengt als Vorreiter einer neuen Generation moderner kompakter Automobile die nicht mehr zeitgemäßen Klassengrenzen." Von einer "Polo-Klasse" ist gar die Rede.

Deutlich wird die Entwicklung der Kleinwagentechnologie auch bei den Motoren: Der Dieselanteil bei Kleinwagen hat nach Angaben des Geislinger Instituts für Automobilwirtschaft inzwischen 30 bis 40 Prozent erreicht und damit einen Stellenwert, wie er früher in der Mittelklasse üblich war. Wegen dieser Entwicklungen hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) seine Zulassungsstatistik um die Typengruppe "Mini", also ein weiteres Kleinwagensegment, ergänzt, zu der neben dem gleichnamigen Modell von BMW auch der Fiat Seicento, der Ford Ka, das Opel-Modell Agila, der Renault Twingo, der zweisitzige Smart und der VW-Lupo zählen.

Anteil von Kleinwagen nimmt zu

Zusammengerechnet hat sich der Anteil von Minis und Kleinwagen an den Neuzulassungen nach Angaben des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen seit Anfang der 90er Jahre von damals 16,8 auf nun über 20 Prozent erhöht. Im ersten Halbjahr 2001 stellten beide Segmente zusammen auf der Grundlage der KBA-Zahlen mit 23,2 Prozent nahezu ein Viertel der Pkw-Neuzulassungen. Mit 18,8 Prozent lag der im vergangenen Jahr neu eingeführte Opel Corsa dabei an erster Stelle, gefolgt vom nun vor dem Modellwechsel stehenden Polo, der auf 13,8 Prozent kam. 7,7 Prozent erreiche Peugeot mit seinem neuen und sehr erfolgreichen 206. Ford kam mit dem Fiesta, dessen Nachfolger ebenfalls auf der IAA gezeigt wird, auf 7,5 Prozent, hauchdünn dahinter der Skoda Fabia mit 7,4 Prozent. Immerhin 3,3 Prozent erreichte der Toyota Yaris, mit dem die Japaner in Europa verlorenes Terrain gut machen wollen.

Als Grund für den Trend hin zu Kleinwagen nennt der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft, Willi Diez, neben der Tatsache, dass man mit kleineren Autos in verstopften Städten leichter einen Parkplatz findet, auch den Wunsch vieler Käufer nach Zweit- oder Drittwagen. Außerdem habe sich das Statusdenken gewandelt: Inzwischen gilt es als schick, mit dem zweisitzigen Winzling Smart von Daimler-Chrysler zum Einkaufen zu fahren oder vor einer Eisdiele quer in eine normale Parklücke einzuparken. Life-Style werde immer wichtiger, sagt Diez.

Ferner könne sich kaum ein Konzern dem Segment entziehen, wenn er die in Europa erwartete Richtlinie über den Flottenverbrauch erfüllen wolle. Damit wird der Durchschnittsverbrauch aller verkauften Autos eines Herstellers erfasst. Die sparsamen Kleinwagen sollen also den höheren Verbrauch der Luxuskarossen ausgleichen, die von den Konzernen ebenfalls immer stärker angeboten werden.

Zurück zur Startseite des IAA-Specials

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%