Seine Medienpräsenz in den letzten Tagen irritierte Völler
Völler: „Es hat mich belastet“

Als Gewinner der Sache will sich Team-Chef Rudi Völler nicht sehen, sagte der "graue Wolf" nach dem erfolgreichen Länderspiel Deutschland gegen Schottland (2:1). Nach seinem Ausbruch vor laufender Kamera über die "Gurus" stand Völler ziemlich unter Druck .

HB DORTMUND. Die rechte Faust schnellte zum Jubeln heraus, dann drückte er seinen Freund und Kontrahenten Berti Vogts an die Brust. Jedem seiner Spieler tätschelte Rudi Völler den Kopf oder die Schulter. Der "graue Wolf" hatte auf der Bank gelitten wie ein Hund, beim Abgang vom Rasen des Westfalenstadions schlug er nochmals wie zum Schutz vor dem grenzenlosen Jubel der deutschen Fans die Hände vor sein Gesicht. "Es waren schwere Tage. Es hat mich nicht nur beschäftigt, es hat mich belastet", gab Völler später zu. Die Last fiel ab, als der schwedische Referee Anders Frisk nach 93 Minuten die Folter für Rudi Völler beendete. Deutschland zwei, Schottland eins.

Ausbruch kam spontan

"Ich will mich nicht als Gewinner in der Sache sehen", sagte der Teamchef danach genau in jene ARD-Kamera, vor der er vier Tage zuvor in Reykjavik mit seiner inzwischen zu Kult gewordenen Wutrede eine Lawine ins Rollen gebracht hatte. Der Ausbruch gegen die "Gurus" (Beckenbauer, Netzer), gegen überzogene Kritik, gegen zu hohe Ansprüche war spontan, die Reaktion nicht minder heftig und Völler überrascht: "Es war in den letzten Tagen unmöglich, im Fernsehen ein Programm anzumachen, in dem ich mich nicht gesehen habe. Das ist schon ein bisschen komisch gewesen. Das bin ich so nicht gewohnt."

"Mann des Volkes"

Die Tage von Dortmund haben vor allem gezeigt, dass zwei Dinge den Teamchef in Deutschland in einen einzigartigen Kult-Status befördert haben. Erstens wird Völler noch immer als "Mann des Volkes" gesehen. Selbst die Worte "Scheißdreck" oder "Schwachsinn" wurden ihm als Ausdruck berechtigten Ärgers nachgesehen. Und zweitens stellt sich der 43-Jährige auch in schwierigen Situationen seiner Verantwortung, vermag den Druck auf sein Team und den Schutz seiner Spieler gut zu dosieren. Völler entscheidet aus dem Bauch, er macht aus dem Fußball keine Wissenschaft - und das kommt an.

Es hat nicht nur Höhen gegeben

"Es gab in den letzten drei Jahren meiner Amtszeit nicht nur Höhen wie bei der WM. Wir haben ja mal einen Fünfer gekriegt gegen die Engländer. Das war sicherlich auch eine schwierige Zeit, genau wie die letzten Tage", sagte der Teamchef nach dem Befreiungsschlag gegen die Schotten. Die nervliche Belastung hatte ihn ähnlich schwer gezeichnet wie vor zwei Jahren in den K.o.-Spielen um die WM- Teilnahme gegen die Ukraine. "Gerade wenn man als Verantwortlicher vor der Truppe steht, muss man natürlich Stärke zeigen. Das ist in den letzten Tagen nicht immer so einfach gewesen."

Völler stufte den rational kaum zu erklärenden Wirbel um seine Person als "auch diesmal wieder wichtige Erfahrung" ein. Über 15 Millionen schauten am Mittwochabend in Deutschland zu, doch der dieses Mal besonders leise Völler bat anschließend alle um das Ende des speziellen Kults um seinen TV-Auftritt von Island: "Ich hoffe natürlich, dass sich das alles ein bisschen beruhigt in den nächsten Wochen."

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